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180202 KU Zhuangzi. Der unbekannte Dritte (2019W)

Die chinesische Philosophie des Zhuangzi und seine tiefgründige Ethik.

5.00 ECTS (2.00 SWS), SPL 18 - Philosophie
Prüfungsimmanente Lehrveranstaltung

An/Abmeldung

Details

max. 30 Teilnehmer*innen
Sprache: Deutsch

Lehrende

Termine (iCal) - nächster Termin ist mit N markiert

Dienstag 08.10. 16:45 - 18:15 Hörsaal 3C, NIG Universitätsstraße 7/Stg. II/3. Stock, 1010 Wien
Dienstag 15.10. 16:45 - 18:15 Hörsaal 3C, NIG Universitätsstraße 7/Stg. II/3. Stock, 1010 Wien
Dienstag 22.10. 16:45 - 18:15 Hörsaal 3C, NIG Universitätsstraße 7/Stg. II/3. Stock, 1010 Wien
Dienstag 29.10. 16:45 - 18:15 Hörsaal 3C, NIG Universitätsstraße 7/Stg. II/3. Stock, 1010 Wien
Dienstag 05.11. 16:45 - 18:15 Hörsaal 3C, NIG Universitätsstraße 7/Stg. II/3. Stock, 1010 Wien
Dienstag 12.11. 16:45 - 18:15 Hörsaal 3C, NIG Universitätsstraße 7/Stg. II/3. Stock, 1010 Wien
Dienstag 26.11. 16:45 - 18:15 Hörsaal 3C, NIG Universitätsstraße 7/Stg. II/3. Stock, 1010 Wien
Dienstag 03.12. 16:45 - 18:15 Hörsaal 3C, NIG Universitätsstraße 7/Stg. II/3. Stock, 1010 Wien
Dienstag 10.12. 16:45 - 18:15 Hörsaal 3C, NIG Universitätsstraße 7/Stg. II/3. Stock, 1010 Wien
Dienstag 17.12. 16:45 - 18:15 Hörsaal 3C, NIG Universitätsstraße 7/Stg. II/3. Stock, 1010 Wien
Dienstag 07.01. 16:45 - 18:15 Hörsaal 3C, NIG Universitätsstraße 7/Stg. II/3. Stock, 1010 Wien
Dienstag 14.01. 16:45 - 18:15 Hörsaal 3C, NIG Universitätsstraße 7/Stg. II/3. Stock, 1010 Wien
Dienstag 21.01. 16:45 - 18:15 Hörsaal 3C, NIG Universitätsstraße 7/Stg. II/3. Stock, 1010 Wien
Dienstag 28.01. 16:45 - 18:15 Hörsaal 3C, NIG Universitätsstraße 7/Stg. II/3. Stock, 1010 Wien

Information

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

Neben Konfuzius und Lao-tse gehört Zhuangzi zu den einflussreichsten chinesischen Philosophen, ist aber jenseits sinologisch gebildeter Kreise nur sehr wenig bekannt und damit der unbekannte Dritte der chinesischen Philosophiegeschichte.
Der mit viel Ironie verfasste Text Zhuangzi stellt ein äußerst interessantes Werk der Philosophiegeschichte dar, voll profunder Weisheit und Lebensklugheit und ist einer der wichtigsten Texte der Philosophie des Daoismus. Doch ist dieser - oft anekdotenhaft und mit vielen skurrilen Parabeln - gestalteter Text vor allem durch seine gravierenden Differenzen zu europäischen Denkmustern manchmal schwer zugänglich und auch oft missverstanden worden.

In der Lehrveranstaltung sollen zwei Themen aus dem Zhuangzi besonders behandelt werden: Ethische Fragestellungen und die Frage nach Offenheit und Geschlossenheit menschlichen Denkens und Handelns.

Oft wird angenommen, dass im Zhuangzi keine echte ethische Sichtweise zu finden ist.
Doch im Gegenteil – das wollen wir in der Lehrveranstaltung untersuchen - findet sich im Zhuangzi eine tiefgründige Ethik, die oft noch zu wenig verstanden wird.
Eine Ethik, die über die positive Moral und die Ausübung von Besonnenheit hinausgeht.
Die Ethik von Zhuangzi zielt auf tiefgründigere Weise darauf ab, die Gewalt zu überwinden, die die menschliche Interaktion kennzeichnet. Zhuangzi verleiht seinem ethischen Standpunkt durch eine Reihe von Aussagen zu verstümmelten Charakteren - den Opfern der konfuzianischen Sorge um eine ethische Ordnung - Ausdruck. Die Grenzen positiver Moral werden im Zhuangzi mit großer Ironie dargestellt.
Denn Zhuangzi verzweifelt gerade daran, dass wir zu Dingen unter Dingen geworden sind und uns auch gegenseitig wie Dinge behandeln: Also zu Objekten die manipuliert, verstümmelt, getötet und weggeworfen werden.

Doch: „Das, was Dinge zu Dingen macht ist selbst kein Ding.“ (Zhuangzi). Im abendländischen Denken wie auch im chinesischen Denken wird das Wissen über Dinge oft als Technik und Kunstfertigkeit, als ein methodisch kontrollierbares Verfahren, verstanden. Nach der Auffassung von Zhuangzi bleibt aber immer etwas unbegreifliches, unverstehbares, eine Unfähigkeit und Unmöglichkeit im Zentrum des Verstehens zurück. Es bleibt eine Form des Nicht-Wissses vorhanden, die aber nicht das Gegenteil von Wissen ist, sondern etwas Unfassbares. Demnach sollte das Ungemachte, das Unabgeschlossene bei jeder (auch technischen) Beherrschung von Dingen immer noch vorhanden sein, um so gegenüber der Faktizität des Lebendigen offen bleiben zu können, um so die prinzipielle Gefahr der Geschlossenheit menschlichem Denkens und Handelns zu durchbrechen.
Denn wenn sich Menschen in ihre selbst geschaffene Welt einschließen, werden sie besessen davon, das Äußere zu kontrollieren und sie verlieren dadurch immer mehr den Kontakt mit dem Inneren. Im Zhuangzi wird eine Philosophie der Offenheit vertreten, die sich gegen jede Uniformität verweigert. Eine Philosophie die auch vom Nutzen der Nutzlosigkeit handelt.

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

- Regelmäßige Anwesenheit und lesen der angegebenen Texte
- Beteiligung bei der Diskussion der Texte und Inhalte
- Lektürereflexion / Besprechung
- Mündliches Referat
- Schriftliche Seminararbeit

Mit der Anmeldung zu dieser Lehrveranstaltung stimmen Sie zu, dass die automatisierte Plagiatsprüfungs-Software Turnitin alle von Ihnen im moodle eingereichten schriftlichen Teilleistungen prüft.

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

Die Gesamtnote ergibt sich aus (unter der Voraussetzung regelmäßige Anwesenheit): mündlichem Referat, Mitarbeit, Lektürereflexion und schriftlicher Arbeit.
Mindestanforderungen für eine positive Beurteilung: über 50% der Gesamtleistung

Prüfungsstoff

Prüfungsimmanente Lehrveranstaltung, daher die oben angeführten Seminarinhalte (siehe: Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab)

Literatur

Die verwendete Literatur und die exakten Textstellen werden vor Beginn des Semesters ausgewählt. Auch auf der Moodle-Plattform werden Texte zu finden sein.

Billeter, Jean-Francois: Ding, der Koch, zerlegt ein Stück Rind. Eine grundsätzliche Annahme über den Ausgangspunkt philosophischen Denkens in China. In: Asiatische Studien. 36, 2, 1982, S. 85–101.
Gan, Shaoping: Die chinesische Philosophie. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft 1997.
Graham, Angus Charles: Chuang-tzŭ : the inner chapters / Zhuangzi. - Reprinted. - Indianapolis : Hackett Pub. Co. 2001.
Jullien, François: Der Weise hängt an keiner Idee. Das Andere der Philosophie. München: Fink 2001
Jullien, François: Vom Sein zum Leben. Euro-chinesisches Lexikon des Denkens. Aus dem Französischen von Erwin Landrichter. Matthes & Seitz, Berlin 2018
Kongfuzi: Gespräche. Essen: Phaidon-Verlag 1995
Møllgaard, Eske: An Introduction to Daoist Thought: Action, Language, and Ethics in Zhuangzi. London: Routledge 2007.
Needham, Joseph: Wissenschaft und Zivilisation in China. Band 1 der von Colin A. Ronan bearbeiteten Ausgabe. Frankfurt am Main: Suhrkamp 1988.
Pregadio, Fabrizio: The Encyclopedia of Taoism. 2 vols. London and New York: Routledge 2008.
Robinet, Isabelle: Geschichte des Taoismus. München 1995.
Yearley, Lee H.: “Freud and Zhuangzi: Resonances and Contrasts in Their Pursuit of the Self and Other Fugitive Notions.” In Tao Jiang, P. J. Ivanhoe, eds.,  China and Freud. New York: Routledge, 2012, pp. 404-474.
Zhuangzi; Victor H. Mair (Hg.): Zhunangzi. Frankfurt am Main: Wolfgang Krüger Verlag 1998.

Zuordnung im Vorlesungsverzeichnis

Letzte Änderung: Mo 07.10.2019 08:48