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180208 VO Widerstand und Staatsterror (2019W)

5.00 ECTS (2.00 SWS), SPL 18 - Philosophie

An/Abmeldung

Details

Sprache: Deutsch

Prüfungstermine

Lehrende

Termine (iCal) - nächster Termin ist mit N markiert

Montag 07.10. 15:00 - 16:30 Hörsaal 50 Hauptgebäude, 2.Stock, Stiege 8
Montag 14.10. 15:00 - 16:30 Hörsaal 50 Hauptgebäude, 2.Stock, Stiege 8
Montag 21.10. 15:00 - 16:30 Hörsaal 50 Hauptgebäude, 2.Stock, Stiege 8
Montag 28.10. 15:00 - 16:30 Hörsaal 50 Hauptgebäude, 2.Stock, Stiege 8
Montag 04.11. 15:00 - 16:30 Hörsaal 50 Hauptgebäude, 2.Stock, Stiege 8
Montag 11.11. 15:00 - 16:30 Hörsaal 50 Hauptgebäude, 2.Stock, Stiege 8
Montag 18.11. 15:00 - 16:30 Hörsaal 50 Hauptgebäude, 2.Stock, Stiege 8
Montag 25.11. 15:00 - 16:30 Hörsaal 50 Hauptgebäude, 2.Stock, Stiege 8
Montag 02.12. 15:00 - 16:30 Hörsaal 50 Hauptgebäude, 2.Stock, Stiege 8
Montag 09.12. 15:00 - 16:30 Hörsaal 50 Hauptgebäude, 2.Stock, Stiege 8
Montag 16.12. 15:00 - 16:30 Hörsaal 50 Hauptgebäude, 2.Stock, Stiege 8
Montag 13.01. 15:00 - 16:30 Hörsaal 50 Hauptgebäude, 2.Stock, Stiege 8
Montag 27.01. 15:00 - 16:30 Hörsaal 50 Hauptgebäude, 2.Stock, Stiege 8

Information

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

Ziele: Erarbeitung eines differenzierten und kritisch-reflexiven Zugangs zum Themenkreis Politik, Politikbegriffe, dem Verhältnis von Politik und Recht sowie den Themenfeldern Staat und Terror/Terrorismus sowie Ideologie aus politik- und rechtstheoretischer bzw. -philosophischer Perspektive sowie in ideengeschichtlicher Dimension; Sensibilisierung für die Interdependenz politischer Phänomene in internationaler Perspektive; Einführung in eine Reihe zentraler Themen Politischer Philosophie und Ideologiekritik; methodisch-systematische Erschließung der relevanten Fragestellungen anhand konkreter Texte insbesondere mittels begriffskritischer und begriffsgeschichtlicher Verfahren.

Inhalte: Wie eine Gesellschaft mit Aufmüpfigkeit, mit Widerspruch, Ungehorsam oder gar aktivem Widerstand gegen Gesetze und Behörden umgeht, erscheint als wichtiger Indikator für ihre Offenheit, Liberalität und Fähigkeit zu sozialer wie kultureller Vielfalt – oder eben das Fehlen von alledem. Jedes politische Gemeinwesen setzt zumindest irgendeine Vorstellung von Ordnung voraus – es bleibt allerdings offen, ob dabei eher an Spielregeln menschlichen Zusammenlebens im sozialen Kontext oder an eine gefährliche Drohung gedacht ist. Der Staat, wie er im frühneuzeitlichen Europa entstanden ist, ging (und tut dies teilweise noch), ebenso wie viele andere, ältere Herrschaftsgebilde, vielfach mit großer Vehemenz gegen jeder Form des Aufbegehrens vor. Er sucht(e) diese sogar durch Erziehungs- und Dressurmaßnahmen im Keim zu ersticken oder mit Gewalt und Einschüchterung zu unterdrücken. Derlei staatlicher Terror übertrifft den Terror Einzelner oder kleiner Gruppen in Ausmaß und Wirkungen schon aufgrund infrastruktureller Möglichkeiten um ein Vielfaches. Er kann aber auch symbolische Vorteile geltend machen, weil er seine Gräuel als legales oder – je nach rechtsphilosophischen Prämissen – legitimes Vorgehen zu deklarieren vermag.
Die Auseinandersetzung mit dem solchen Entwicklungen zugrundeliegenden Staatsverständnis hat in einigen Teilen der Welt über die Jahrhunderte und viele Kämpfe hinweg so etwas wie einen liberalen Rechtsstaat etabliert, der zumindest dem Anspruch nach eine Reihe von Grundrechten schützt und allen Bürgerinnen und Bürgern gleiche Rechte sowie faire Gerichtsverfahren garantiert. Dass dieser Anspruch de facto nirgendwo eingelöst und zudem leicht zu suspendieren ist, steht auf einem anderen Blatt. Seine bloße Existenz wurde aber vielfach durch aktiven oder passiven Widerstand Einzelner und kleiner Gruppen von Menschen erreicht. So löste die Weigerung von Rosa Parks am 1. Dezember 1955, ihren Sitzplatz in einem Bus für einen weißen Fahrgast zu räumen und ihre daraufhin erfolgte Verhaftung den Montgomery Bus Boykott aus, der letztlich zu einer Entscheidung des Supreme Court führte, die die „Rassentrennung“ in den USA für rechtswidrig erklärte. Ebenso wie die Bürgerrechtsbewegung insgesamt war auch dieser Boykott von massiver Gewalt weißer Rassisten begleitet, der juristisch meist ungeahndet blieb. Dies zeigt nicht nur, wie hart erkämpft der im Grunde bescheidene Erfolg war, sondern auch, dass rechtlich-politische Systeme unterschiedliche Formen von Widerstand, rechtswidrigen Verhaltensweisen und auch politisch motivierter Gewalt zur selben Zeit keineswegs einheitlich bewerten. Dies lässt sich auch aktuell in vielen Zusammenhängen beobachten.

Methoden: Vortrag des LV-Leiters, teils unter Einbeziehung von Lektüren der Studierenden nach Möglichkeit auch Diskussionen.
Ein Reader mit für die LV wichtigen Texten wird zur Verfügung gestellt.

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

Schriftliche Prüfung; 4 offen formulierte Fragen werden angeboten, 2 sind zu behandeln. Verwendung von themenrelevanter Literatur ist möglich. Im Übrigen wird jede Form von Mitarbeit positiv bewertet, auch dies fließt insofern in die Beurteilung ein.

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

Eine eigenständige, reflektierte Beschäftigung mit den Themen der LV soll im Rahmen der Prüfungsarbeit erkennbar sein. Wichtiger als die Reproduktion von Wissensbeständen ist aus meiner Sicht erkennbare Beschäftigung mit Themen und Problemstellungen der VO. Deshalb werden bei der Prüfung offene Fragen gestellt, die in so beantwortet werden sollen, dass eine kohärente und konsistente Argumentation Ausdruck findet, desgleichen eine zumindest rudimentäre Beschäftigung mit themenrelevanter Literatur und Bezugnahme auf diese.

Prüfungsstoff

Inhalte der LV; ein Reader mit wichtigen Texten wird zur Verfügung gestellt.
Zusätzliche Literaturempfehlung für die Prüfung: Donhauser, Gerhard: Das kälteste aller kalten Ungeheuer. Vom Staat und seinen Krisen (Wien 2019).

Literatur

Aigner, Isolde/Paul, Jobst/Wamper, Regina (Hg.): Autoritäre Zuspitzung. Rechtsdruck in Europa (Münster 2017).
Albright, Madeleine: Faschismus. Eine Warnung. Übers. v. Bernd Jendricke, Thomas Wollermann, Kollektiv Druck-Reif (Köln 2018).
Arendt, Hannah: Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft. Antisemitismus, Imperialismus, Totalitarismus (9. Aufl. München 2003).
Arendt, Hannah: Ziviler Ungehorsam, in: Arendt, Hannah: Zur Zeit. PoliOsche Essays. Hg. v. Marie Luise Knott. Aus dem Amerikanischen v. Eike Geisel. Aktualisierte u. erweiterte Neuausgabe (Hamburg 1999) 119 ff.
Baberowski, Jörg/Doering-Manteuffel, Anselm: Ordnung durch Terror. Gewaltexzesse und Vernichtung im nationalsozialistischen und im stalinistischen Imperium (Bonn 2006).
Backes, Uwe: Politische Extreme. Eine Wort- und Begriffsgeschichte von der Antike bis in die Gegenwart (Göttingen 2006).
Bodin, Jean: Sechs Bücher über den Staat. Buch I–III. Hg. u. übers. v. Peter C. Mayer-Tasch (München 1981).
Brunner, Claudia: Wissensobjekt Selbstmordattentat. Epistemische Gewalt und okzidentalische Selbstvergewisserung in der Terrorismusforschung (Wiesbaden 2011).
Chomsky, Noam: Der gescheiterte Staat. Übersetzt von Gabriele Gockel, Bernhard Jendricke, Thomas Wollermann (München 2006).
Donhauser, Gerhard: Angst und Schrecken. Beobachtungen auf dem Weg vom Ausnahmezustand zum Polizeistaat in Europa und den USA (Wien 2015).
Donhauser, Gerhard: Das kälteste aller kalten Ungeheuer. Vom Staat und seinen Krisen (Wien 2019).
Donhauser, Gerhard: Wer hat Recht? Eine Einführung in die Rechtsphilosophie (Wien 2016).
Foucault, Michel: Überwachen und Strafen. Die Geburt des Gefängnisses. Aus dem Französischen v. Walter Seitter (Frankfurt am Main 1976).
Greenblatt, Stephen: Der Tyrann. Shakespeares Machtkunde für das 21. Jahrhundert. Aus dem Englischen von Martin Richter (Berlin 2018).
Hobbes, Thomas: Leviathan oder Stoff, Form und Gewalt eines kirchlichen und bürgerlichen Staates. Hg. u. eingeleitet v. Iring Fetscher, übers. v. Walter Euchner (6. Aufl. Frankfurt am Main 1994).
Saracino, Stefano: Tyrannis und Tyrannenmord bei Machiavelli. Zur Genese einer antitraditionellen Auffassung politischer Gewalt, politischer Ordnung und Herrschaftsmoral (München 2012).
Shklar, Judith N., Der Liberalismus der Furcht (1989). In: Shklar, Judith N., Der Liberalismus der Furcht. Hg. v Hannes Bajohr (Berlin 2013), 26 ff.
Snyder, Timothy: Der Weg in die Unfreiheit. Russland – Amerika – Europa. Aus dem Englischen übers. v. Ulla Höber u. Werner Roller (München 2018).
Snyder, Timothy: On Tyranny. Twenty lessons from the twentieth century (New York 2017).
Spendel, Günter: Rechtsbeugung durch Rechtsprechung. Sechs strafrechtliche Studien (Berlin/New York 1984).
Steven, Elke: Ziviler Ungehorsam, in: Brand, Ulrich (Hg.): ABC der Alternativen. Von „Ästhetik des Widerstandes“ bis „Ziviler Ungehorsam“ (Hamburg 2007) 262.
Thoreau, H. D. Über die Pflicht zum Ungehorsam gegen den Staat. Civil Disobedience. Zweisprachige Ausgabe. Deutsch v. Walter E. Richartz (Zürich 2012).
Trojanow, Ilija: Macht und Widerstand. Roman (Frankfurt am Main 2015).
Walther, Rudolf: Terror und Terrorismus. Eine begriffs-und sozialhistorische Skizze, in: Kraushaar, Wolfgang (Hg.): Die RAF und der linke Terrorismus, Bd. 1. (Hamburg 2006) 64 ff.

Zuordnung im Vorlesungsverzeichnis

Letzte Änderung: Di 17.12.2019 13:48