Universität Wien

180252 FS Gewalt als philosophisches Problem (2023S)

10.00 ECTS (4.00 SWS), SPL 18 - Philosophie
Prüfungsimmanente Lehrveranstaltung

An/Abmeldung

Hinweis: Ihr Anmeldezeitpunkt innerhalb der Frist hat keine Auswirkungen auf die Platzvergabe (kein "first come, first served").

Details

max. 30 Teilnehmer*innen
Sprache: Deutsch

Lehrende

Termine (iCal) - nächster Termin ist mit N markiert

Donnerstag 09.03. 09:45 - 13:00 Hörsaal 3F NIG 3.Stock
Donnerstag 16.03. 09:45 - 13:00 Hörsaal 3F NIG 3.Stock
Donnerstag 23.03. 09:45 - 13:00 Hörsaal 3F NIG 3.Stock
Donnerstag 30.03. 09:45 - 13:00 Hörsaal 3F NIG 3.Stock
Donnerstag 20.04. 09:45 - 13:00 Hörsaal 3F NIG 3.Stock
Donnerstag 27.04. 09:45 - 13:00 Hörsaal 3F NIG 3.Stock
Donnerstag 04.05. 09:45 - 13:00 Hörsaal 3F NIG 3.Stock
Donnerstag 11.05. 09:45 - 13:00 Hörsaal 3F NIG 3.Stock
Donnerstag 25.05. 09:45 - 13:00 Hörsaal 3F NIG 3.Stock
Mittwoch 31.05. 08:00 - 12:00 Hörsaal 2i NIG 2.Stock C0228
Donnerstag 01.06. 09:45 - 13:00 Hörsaal 3F NIG 3.Stock
Donnerstag 15.06. 09:45 - 13:00 Hörsaal 3F NIG 3.Stock
Donnerstag 22.06. 09:45 - 13:00 Hörsaal 3F NIG 3.Stock
Donnerstag 29.06. 09:45 - 13:00 Hörsaal 3F NIG 3.Stock

Information

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

Inhaltlich besehen setzt die LV es sich zur Aufgabe, Gewalt als ein genuin philosophisches Problem zu reflektieren. Ihr Ziel besteht darin, zentrale philosophische und im Speziellen auch ethische Fragestellungen, die i.R. aktueller Auseinandersetzungen mit Gewalt auftreten, in deren Rahmen jedoch vielfach unaufgelöst verbleiben, systematisch ans Licht zu bringen und kritisch zu reflektieren. Ein Umgang mit Gewalt als einem Thema, das für die Philosophie von kardinaler Relevanz ist, zu dem die Philosophie aber auch in interdisziplinärer Hinsicht wichtige Beiträge liefern kann, soll in verschiedenen Hinsichten erprobt werden.
Im Zentrum des SE stehen zwei leitende Fragen: Erstens geht es um die Frage danach, wie Gewalt, die augenscheinlich die Ökonomie des Sinnes und Verstehens unterbricht, ja möglicherweise zerstört, in philosophischer Hinsicht überhaupt thematisiert werden kann: Lässt sich Gewalt sinnhaft auslegen und explizieren, oder bleibt sie – wie v.a. Phänomene exzessiver und sog. "sinnloser" Gewalt suggerieren – letztlich stets ein Fremdkörper in rationalen bzw. normativen Ordnungen diskursiven Verstehens, -- ein Fremdkörper, dessen Verständlichmachung möglicherweise seiner Rationalisierung in die Hände spielt?
Dass Gewalt in menschlichen Sinnordnungen als — mindestens potenzielle — Drohung der Unordnung bzw. legitime „Gegengewalt“ gleichwohl (immer schon) impliziert ist, dass sie also ein Phänomen „einschließender Ausschließung“ darstellt, das für das Funktionieren sozialer und politischer Ordnungen konstitutiv ist, weist in eine zweite Fragerichtung: die eben der Rationalisierung, Funktionalisierung und Normalisierung von Gewalt im Zeichen der Genese und Erhaltung von sozialen, gesellschaftlichen und neuerdingd auch globalen Ordnungen, Institutionen und Diskursen.
Die LV setzt es sich zum Ziel, das damit angezeigte Zusammenspiel von „Nicht-Sinn“ und „Sinn“ der Gewalt sowohl theoretisch-systematisch als auch praktisch im Rahmen einer Analyse verschiedener Gewaltformen und ihres Zusammenspiels herauszuarbeiten. Fokussiert werden dazu verschiedene Formen der Gewalt; offengelegt wird ihr oft unsichtbares Zusammenspiel und reflektiert soll werden, wie die Einsicht in das Zusammenspiel der verschiedenen Gesichter der Gewalt theoretisch den philosophischen Diskurs herausfordert und was dies praktisch für unseren Umgang mit Gewalt bedeutet.
Übergreifendes Ziel des SE ist es, das Zusammenspiel verschiedener Gewaltformen zu analysieren und zentrale Aporien des philosophischen Diskurses über Gewalt kritisch zu durchdenken, um solcherart eine philosophisch sensibilisierte Reflexion auf Phänomene der Gewalt zu entwickeln.
In methodischer Hinsicht wird eine phänomenologische Beschreibung verschiedener Formen von Gewalt angewandt. Zurückgegriffen wird dabei auf verschiedene textuelle Genres wie auch andere Medien, in den sich die Repräsentation von Gewalt vollzieht - und zusehends an ihre Grenzen stößt. Aktuelle Einsichten der interdisziplinären Gewaltforschung sollen dementsprechend als Herausforderung und mögliches Korrektiv herangezogen werden, um Aporien, in die sich der philosophische Diskurs über Gewalt traditionell allzu leicht verstrickt hat, zu dekonstruieren.

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

Die Beurteilung erfolgt im Zeichen der erbrachten schriftlichen Teilleistungen und der mündlichen Mitarbeit und Aktivitäten:
- regelmäßige Anwesenheit (max. 2 Fehlstunden; das unentschuldigte Fehlen in der ersten Sitzung führt zur Abmeldung von der LV);
- aktive Mitarbeit in der Vorbereitung und im Plenum;
- eigenständige Lektüre und inhaltliche Aufbereitung der Basistexte (3 Lektürereflexionen in den Einheiten 2-4);
- mündliche Präsentation von Texten (Referat i.R. einer Gruppenpräsentation) inklusive Ausarbeitung eines Themen- und Thesenpapiers;
- Verfassen einer schriftlichen Seminararbeit unter Einbeziehung eigenständiger Forschungs- und Recherchearbeit;
- mündliche Nachbesprechung der Arbeiten

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

Die Beurteilung erfolgt in folgender Weise:
- Vorbereitung der Basistexte (20)
- aktive Mitarbeit (20)
- Akkordierte Präsentation von Texten des jeweiligen Themenschwerpunkts (20)
- Verfassen einer SE-Arbeit zu einem behandelten Themenschwerpunkt oder einem Teil eines solchen (35)
- Nachbesprechung der Seminararbeit (5)
Ergänzung vom 9.12021: Die Notengebung bezieht folgende Kriterien ein: a) Exzerpte der Basistexte: 15 Punkte; Referat: 20 Punkte; Seminararbeit: 50 Punkte; Aktive Mitarbeit: 15 Punkte. Der Beurteilungsmaßstab ist folgendermaßen gestaltet: Sehr gut: 100-90 Punkte; Gut: 89-80 Punkte; Befriedigend: 790-70 Punkte; Genügend: 69-60 Punkte; Nicht genügend: 59-0 Punkte.

Prüfungsstoff

- 3 Kurzfassungen zu einleitenden Texten (30%)
- mündliche Präsentation und Vorbereitung derselben (30%)
- schriftliche Seminararbeit (40%)

Literatur

Relevante Literatur wird zu Semesteranfang per Moodle zur Verfügung gestellt:

G. AGAMBEN, Homo sacer. Die souveräne Macht und das nackte Leben, Frankfurt/M. 2002
A.APPADURAI, Fear of small numbers: An essay in the geography of anger. Durham 2004
H. ARENDT, Macht und Gewalt, München 2000
D. BERGOFFEN, "The Flight from Vulnerability", in: H. Landweer, Hilge & I. Marcinski (Hg.), Dem Erleben auf der Spur, Bielefeld: transcript 2016, 137-152
C. BRUNNER, Epistemische Gewalt. Bielefeld: Transcript 2020.
J. BUTLER, Gefährdetes Leben. Politische Essays, Frankfurt/M. 2005
W. CAVANAUGH, The myth of religious violence : secular ideology and the roots of modern conflict, New York: Oxford UP 2009
A. CAVARERO, Horrorism. Naming Contemporary Violence, New York 2009
M. CREPON, Murderous Consent: On the Accommodation of Violent Death. New York 2019
V. DAS, A. KLEINMAN, M. RAMPHELE (eds.), Violence and Subjectivity, Berkeley et al. 2000
J. DERRIDA, Gesetzeskraft. der 'mystische Grund der Autorität'. Frankfurt 1991 [Teil I: 7-59]
—, Schurken. Zwei Essays über die Vernunft. Frankfurt/M. 2006.
F. FANON, Schwarze Haut, weiße Masken, Frankfurt/M: 1980.
—, Die Verdammten dieser Erde, Frankfurt/M.: Suhrkamp 1981
P. FARMER, 2004. An anthropology of structural violence. Current Anthropology 45/3(2004): 305–317.
J. GALTUNG, Strukturelle Gewalt, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1975
A. HIRSCH, Recht auf Gewalt? Spuren philosophischer Gewaltrechtfertigung nach Hobbes, München 2004.
A. HONNETH, Kampf um Anerkennung, Frankfurt/M.: Suhrkamp 2010
B. LIEBSCH, Unaufhebbare Gewalt: Umrisse einer Anti-Geschichte des Politischen, Weilerswist 2015
A. MBEMBE, Politik der Feindschaft. Frankfurt/M. 2017
A. V. MURPHY, Violence and the Philosophical Imaginary, New York 2012
K. OLIVER, Women as Weapons of War. Iraq, Sex, and the Media. New York 2007
J.-P. REEMTSMA, Vertrauen und Gewalt. Versuch über eine besondere Konstellation der Moderne, Hamburg 2008
S. SPRINGER, "Violence sits in places? Cultural practice, neoliberal rationalism, and virulent imaginative geographies", Political Geography 30 (2011): 90-98
M. STAUDIGL (Hg.), Gesichter der Gewalt, Paderborn 2014
—, Phänomenologie der Gewalt, Dordrecht et al.: 2015
N. WHITEHEAD, "Violence and cultural order." Daedalus, Winter 2007: 40-50
—, "Divine Hunger, The Cannibal War Machine." (available at the internet: https://www.academia.edu/701130/Divine_Hunger_-_The_Cannibal_War_Machine. Zugriff 15.01.2019) (Spanish print version: Hambre divina: la máquina de guerra caníbal. Mundo Amazónico 4(2013):7-30.
M. WIEVIORKA, Die Gewalt, Hamburg 2007
S. ŽIŽEK, Gewalt. Sechs abseitige Reflexionen. Berlin 2011


Zuordnung im Vorlesungsverzeichnis

Letzte Änderung: Mo 15.05.2023 06:07