Universität Wien FIND

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180404 PS Über-Mensch und Über-Leben (2010W)

4.00 ECTS (2.00 SWS), SPL 18 - Philosophie
Prüfungsimmanente Lehrveranstaltung

Mo 13 Uhr - 18 Uhr im HS 2H

25.Okt. , 08.Nov., 22. Nov., 29.Nov., 13. Dez., 20. Dez., 10. Jan.

An/Abmeldung

Details

max. 30 Teilnehmer*innen
Sprache: Deutsch

Lehrende

Termine

Zur Zeit sind keine Termine bekannt.

Information

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

Das Proseminar bildet einen einführenden Überblick über zwei die zeitgenössische Ethik beunruhigende Themen: den "Übermensch" und das "Überleben".

Beide Begriffe können als Grenz- oder Extrembegriffe der Ethik angesehen werden, die die Möglichkeiten einer normativen Ethik entweder zu sprengen drohen, oder aber zur Neubegründung einer "anderen Ethik" führen können.

Der Begriff "Übermensch" wird vor allem seit seiner philosophisch-allegorischen Einführung in Friedrich Nietzsches "Also Sprach Zarathustra" kontroversiell besprochen. Die Interpretationen reichen von der Vereinnahmung durch den Rassismus der nationalsozialistischen Ideologie über affirmative Lektüren innerhalb des französischen Poststrukturalismus (Foucault, Deleuze, Klossowski etc.) bis zu weiterführenden Fiktionen im Zeitalter des möglichen "Biogenetic Enhancement" des Menschen.

An die Figur des Übermenschen lassen sich also sowohl ethische Probleme der Steiger- und Verbesserbarkeit des menschlichen Substrats und seiner sozialen Konsequenzen (u.a. genetische Ungleichheit nicht durch Zufall, sondern Steuerung) anschließen, als auch eine ganz andere ethische Linie verfolgen, die enger an Nietzsche anknüpft und im Übermensch vor allem eine Lebensform sieht, die bestimmte Zeitmodi (vor allem die "ewige Wiederkehr des Gleichen") der Existenz entwickelt und bestimmte Tugenden (u.a. die Fernstenliebe und die schenkende Tugend) kultiviert. An diese affirmative Sicht schließt neben Foucault und Deleuze auch Keith Ansell-Pearson (u.a. in "Viroid Life") an.

Der relevanteste Ansatz, um das "Überleben" ethisch zu thematisieren, ist Giorgio Agambens "Homo Sacer"-Studie, insbesondere aber seine Diskussion der Scham und Schuld bei Überlebenden der NS-Vernichtungslager in "Was von Auschwitz bleibt". Das "Überleben" ist aber nicht nur im ethischen Extremfall problematisch, es stellt allgemeiner die Frage nach einer Zeitökonomie des endlichen Lebens, nach der "Angemessenheit" einer bestimmte Lebenszeit, die möglicherweise nicht überschritten werden sollte. Zudem impliziert "Überleben" bzw. gesteigerte Selbsterhaltung einer dominierenden Spezies ökologische Fragen, die eben erst Eingang in eine biopolitisch und -ethisch erweiterte Ethikdiskussion finden (in nächster Nähe zur Diskussion möglicher "Tier-Rechte").

Neben Nietzsches Zarathustra (1. Buch) und Agambens Auschwitz-Buch (sowie Auszügen aus H.S. 1: "Die souveräne Macht und das nackte Leben") empfiehlt sich als Einführung zur Problemlage Francis Fukuyamas "Our Posthuman Future/Das Ende des Menschen". Das Buch ist politisch problematisch und philosophisch relativ schwach, bildet aber eine gute Diskussionsgrundlage.

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

Die Beurteilung erfolgt aufgrund von Diskussionsbeiträgen bzw. Protokollen und Kurztexten während des Semesters.

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

Prüfungsstoff

Literatur

Weitere Grundlagen bilden meine eigenen Texte:
"Enthüllungen. Zur Kritik des ‚nackten Lebens'". In: Auszug aus dem Lager. Zur Überwindung des modernen Raumparadigmas in der politischen Philosophie, hg. Ludger Schwarte, Bielefeld: Transcript 2007, S. 59-78.; "Der letzte Mensch. Allegorien", In: Transformationen der kritischen Anthropologie. Festschrift für Michael Benedikt, hrsg. Cornelius Zehetner/Hermann Rauschenschwandter/Birgit Zehetmayer, Wien: Löcker 2010; "Über Leben. Einige Szenarien zu einer Ethik des Überlebens", In: Überleben, hrsg. Falko Schmieder (ZfL), München: Fink 2010 (in Vorbereitung).

Zuordnung im Vorlesungsverzeichnis

BA M 6.1, § 3.2.3

Letzte Änderung: Mo 07.09.2020 15:36