Universität Wien

190068 SE M4.3 Menschenbilder und Bildungstheorien (2015W)

In dubio pro Freud. Plädoyer für das Freudsche Subjekt in Zeiten der Krise.

5.00 ECTS (2.00 SWS), SPL 19 - Bildungswissenschaft
Prüfungsimmanente Lehrveranstaltung

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Details

max. 25 Teilnehmer*innen
Sprache: Deutsch

Lehrende

Termine (iCal) - nächster Termin ist mit N markiert

  • Montag 05.10. 18:30 - 21:30 Seminarraum 1 Sensengasse 3a 1.OG
  • Montag 19.10. 18:30 - 21:30 Seminarraum 1 Sensengasse 3a 1.OG
  • Montag 16.11. 18:30 - 21:30 Seminarraum 1 Sensengasse 3a 1.OG
  • Montag 30.11. 18:30 - 21:30 Seminarraum 1 Sensengasse 3a 1.OG
  • Montag 14.12. 18:30 - 21:30 Seminarraum 1 Sensengasse 3a 1.OG
  • Montag 11.01. 18:30 - 21:30 Seminarraum 1 Sensengasse 3a 1.OG
  • Montag 25.01. 18:30 - 21:30 Seminarraum 1 Sensengasse 3a 1.OG

Information

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

Sigmund Freud hatte seine Errungenschaft die Psychoanalyse bekanntlich nach Kopernikus und Darwin, als die dritte Kränkung der Menschheit bezeichnet. Wenn Darwin den Finger in des Menschen tierische Wunde legte, verabreichte Freud zunächst ein Trostpflaster: der Mensch ist kein Instinktwesen, anstelle der Instinkte kennzeichnen ihn seine Triebe und die sie bekleidenden kulturellen Praktiken. Dieser von Freud an der Grenze des Somatischen und des Psychischen angesiedelte und nur schwer fassbare Triebbegriff, war und ist als Markenzeichen des Subjekts kaum in der Lage Trost zu spenden: denn entgegen der Rationalität der Aufklärung entwirft Freud den Menschen selbst als ein von unbewussten Wünschen gelenktes Wesen, dessen Treibstoff die Sexualität ist.
Diese Botschaft war nicht nur für seine Zeitgenossen, wie auch ehemals enge Weggefährten wie Adler und Jung, schwer erträglich, sie ist es bis heute geblieben, wenngleich unter veränderten Vorzeichen. Die Erkenntnis, dass bereits das Kleinkind ein sexuelles Wesen mit diesbezüglichen Wünschen und Begierden ist, scheint längst auch vom akademischen und klinischen Mainstream akzeptiert, weitaus problematischer jedoch erscheint in unserer Zeit die damit verbundene Konsequenz: die daran anknüpfende Tatsache, dass jedes Subjekt in seinem Kern ein irrationaler Einzelfall ist. Denn jeder Mensch muss den Konflikt, der ihm aus kindlichem Lustprinzip und dem Realitätsprinzip der Kulturforderung erwächst, spezifisch für sich lösen. Diese Spezifität nennt die Psychoanalyse Symptome. Sie sind nicht nur Schäden, sie sind zu allererst Lösungsversuche und kennzeichnen die Einzigartigkeit des Subjekts. Darin liegt bis heute die Kraft des Freudschen Unternehmens und dort sitzt auch der Stachel für eine Kultur, die Wirksamkeit mittels ressourcen- und zielorientierter Konzepte zur primären Kategorie ihrer Agenda erklärt hat.
Auf Effizienz getrimmte politische, wie auch klinisch-therapeutische Maßnahmen der Gegenwart legen davon Zeugnis ab: davon betroffen sind der Bildungssektor ebenso wie die Gesundheitspolitik. Denn gerade Diagnosemanuale à la DSM V versuchen den subjektiven Einzelfall zugunsten phänomenologisch definierbarer Kohorten zu nivellieren. Anstelle Bildung, als Zeit einer interessensgeleitenden Suche wertzuschätzen, soll sie stringent, kompetitiv und ebenso messbar sein.

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

- Auseinandersetzung mit dem Thema der LV und dem hierfür relevanten Textkorpus durch aktive Teilnahme im Plenum sowie verbindliche Mitarbeit an Referatsgruppen.
- Interpretation von Texten individuell und in der Gruppe, sowie Diskussion der Ergebnisse im Plenum.
- Persönliche, schriftliche Zwischenberichte, sowie ein Reflexionsbericht am Seminarende.
- Für den Erhalt der Note Sehr gut ist das Verfassen einer Seminararbeit obligatorisch.

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

- Grundkenntnisse der freudschen Metapsychologie erwerben.
- Das Freudsche Strukturschema Neurose, Psychose, Perversion auf aktuelle gesellschaftliche Phänomene anwenden.
- Die Aktualität der freudschen Subjektkonzeption für den Bildungsbegriff thematisieren.
- Basiskenntnisse klinischer Kategorien erwerben.
- Kritisches Textstudium und Textinterpretation.

Prüfungsstoff

Die Studierenden setzen sich mit dem Begriffsapparat des Freudschen Subjektbegriffs in dessen Zentrum Freuds metapsychologische Schriften stehen anhand von Textlektüre und Interpretation auseinander und erwerben Kenntnisse der psychoanalytischen Theorie. Neben der Vermittlung ihres Werts als Klinik durch Beibringung klinischer Fallbeispiele durch den LV Leiter, wird ihre Aktualität als eigenständiger Bildungsbegriff akzentuiert.
Die thematische Auseinandersetzung findet in privatem Textstudium, schriftlichen Zwischenberichten, Referatsgruppen und Diskussionen im Plenum statt.

Literatur

Basisliteratur:

Der Textcorpus wird elektronisch als pdf-file zur Verfügung gestellt.
Freud, Sigmund
[1900]: Die Traumdeutung. In: Ders.: Gesammelte Werke. Bd. II-III. Frankfurt/M.: S. Fischer, 1999
[1905]: Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie. In: Ders.: Gesammelte Werke. Bd. V. Frankfurt/M.: S. Fischer, 1999: 27-145
[1905]: Meine Ansichten über die Rolle der Sexualität in der Ätiologie der Neurosen In: Ders.: Gesammelte Werke. Bd. V. Frankfurt/M.: S. Fischer, 1999: 147-159
[1915]: Triebe und Triebschicksale. In: Ders. Gesammelte Werke. Bd. X. Frankfurt/M.: S. Fischer, 1999: 209-232
[1915]: Das Unbewußte. In: Ders. Gesammelte Werke. Bd. X. Frankfurt/M.: S. Fischer, 1999: 263-303

Masson, Jeffrey Moussaieff (1984): Was hat man dir, du armes Kind, getan? Sigmund Freuds Unterdrückung der Verführungstheorie. Übersetzt von Barbara Brumm. Hamburg: Rowohlt

Sigusch, Volkmar (2005): Neosexualitäten. Über den kulturellen Wandel von Liebe und Perversion. Frankfurt/New York: Campus

Zuordnung im Vorlesungsverzeichnis

M4.3

Letzte Änderung: Mo 07.09.2020 15:37