190075 SE M7.1 Bildung, Biographie und Lebensalter (2024S)
Migration - Bildung - Biographie. Mobiles (Er)Leben erzählen
Prüfungsimmanente Lehrveranstaltung
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An/Abmeldung
Hinweis: Ihr Anmeldezeitpunkt innerhalb der Frist hat keine Auswirkungen auf die Platzvergabe (kein "first come, first served").
- Anmeldung von Do 01.02.2024 06:30 bis Di 20.02.2024 09:00
- Abmeldung bis Mo 18.03.2024 09:00
Details
max. 25 Teilnehmer*innen
Sprache: Deutsch
Lehrende
Termine (iCal) - nächster Termin ist mit N markiert
- Dienstag 05.03. 15:00 - 18:15 Seminarraum 17, Kolingasse 14-16, OG02
- Dienstag 19.03. 15:00 - 18:15 Seminarraum 17, Kolingasse 14-16, OG02
- Dienstag 16.04. 15:00 - 18:15 Seminarraum 17, Kolingasse 14-16, OG02
- Dienstag 30.04. 15:00 - 18:15 Seminarraum 17, Kolingasse 14-16, OG02
- Dienstag 14.05. 15:00 - 18:15 Seminarraum 17, Kolingasse 14-16, OG02
- Dienstag 28.05. 15:00 - 18:15 Seminarraum 17, Kolingasse 14-16, OG02
- Dienstag 11.06. 15:00 - 18:15 Seminarraum 17, Kolingasse 14-16, OG02
- Dienstag 25.06. 15:00 - 18:15 Seminarraum 17, Kolingasse 14-16, OG02
Information
Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung
Autobiographien werden in der geschichtswissenschaftlichen Forschung bis heute eher zurückhaltend genutzt. Wegen der subjektiven Darstellung des Erlebten gelten die in der Ich-Perspektive geschriebenen Texte als weniger verlässlich als andere, vermeintlich objektivere Quellenarten, etwa Biographien. Doch was, wenn zu bestimmten historischen Themen und Fragestellungen kaum andere Überlieferungen vorliegen? Ein Beispiel sind Lebenswege mobiler Menschen, die im Laufe des 20.Jahrhunderts aus unterschiedlichen politischen oder wirtschaftlichen Gründen Grenzen überschritten und aus klassischen, national zentrierten Narrationen herausfielen. Doch da Personen unterschiedlicher Gesellschaftsschichten ihr mobiles (Er)Leben zwischen Erfahrung und Erinnerung oft in eigenen Worten festgehalten haben, gilt Autobiographie heute als 'literarisches Genre der Immigration' (Ilaria Serra).Ziel des Seminars ist es, die Studierenden mit der Autobiographie als Textgattung zwischen Geschichtswissenschaft und Literatur vertraut zu machen. Nach einer fundierten Beschäftigung mit wissenschaftlichen Texten zur Theorie des Genres, etwa Philippe Lejeunes Der autobiographische Pakt oder Pierre Noras Zwischen Geschichte und Gedächtnis erfolgt im Kurs eine gründliche Auseinandersetzung mit einzelnen, über das gesamte 20. Jahrhundert entstandenen autobiographischen Aufzeichnungen mobiler Menschen. Das Spektrum reicht dabei von der 1912 erschienenen Lebensbeschreibung The Promised Land der in die USA ausgewanderten russischen Jüdin Mary Antin bis zu den Erinnerungen des italienischen Arbeitsmigranten Lorenzo Annese Vita da Gastarbeiter. Von Apulien zu VW in Wolfsburg, die 2022 erschienen sind. Migration und Mobilität erscheinen in diesen Schriften nicht nur als transformative Erfahrungen, die die Weltwahrnehmung der Autor*innen grundlegend veränderten, sondern am persönlichen Einzelfall lässt sich konkret nachvollziehen, wie sie ihren Wanderungsentschluss begründeten, welche Erfahrungen sie dabei machten und wie sie diese deuteten sowie welche Chancen und Risiken die Standortverlagerung auch für ihre Bildung und berufliche Entwicklung barg. Gleichzeitig erlauben die individuellen Erzählungen stets einen spezifischen Blick auf größere historische Zusammenhänge. Insgesamt liefert der Kurs so ein Verständnis für die Möglichkeiten und Grenzen autobiographischer Erzählungen für die (bildungs-)geschichtliche Erkenntnis und zeigt Wege für die weitere Beschäftigung mit diesem Ansatz in den Seminararbeiten auf.Methoden: Literatur- und Quellenrecherche, Quellenkritik, Gruppenarbeit, Sitzungsplanung, Diskussionsleitung und Diskussionsteilnahme
Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel
In diesem Kurs fallen drei Leistungsnachweise an:Seminararbeit: Umfang von 12 Seiten (Schriftgröße 12, anderthalbzeilig, inklusive Titelblatt und Literaturverzeichnis, Abgabetermin 26. Juli). Am Beispiel eines autobiographischen Textes sollen die Studierenden die Möglichkeiten und Grenzen des Genres für den Erkenntnisgewinn
der historischen Bildungswissenschaft diskutieren. Neben der im Kurs behandelten bzw. empfohlenen Literatur und ihren Mitschriften sind die Studierenden angehalten, dafür auch weitere Literatur und Quellen heranzuziehen.Sitzungsvorbereitung: Für alle Themensitzungen bereiten Kleingruppen von bis zu drei Studierenden die Diskussion auf Grundlage der bereitgestellten Forschungsliteratur und historischen Quellen vor. Diskussionsfragen, PPT-Präsentationen oder eigene Quellen sind jeweils dienstags vor der Sitzung bis 15 Uhr per E-Mail einzureichen.Textvorbereitung und aktive Diskussionsteilnahme: Die Vorbereitung der zu jeder Sitzung bereitgestellten Materialien ist ebenso verpflichtend wie die aktive Teilnahme an der Diskussion.
der historischen Bildungswissenschaft diskutieren. Neben der im Kurs behandelten bzw. empfohlenen Literatur und ihren Mitschriften sind die Studierenden angehalten, dafür auch weitere Literatur und Quellen heranzuziehen.Sitzungsvorbereitung: Für alle Themensitzungen bereiten Kleingruppen von bis zu drei Studierenden die Diskussion auf Grundlage der bereitgestellten Forschungsliteratur und historischen Quellen vor. Diskussionsfragen, PPT-Präsentationen oder eigene Quellen sind jeweils dienstags vor der Sitzung bis 15 Uhr per E-Mail einzureichen.Textvorbereitung und aktive Diskussionsteilnahme: Die Vorbereitung der zu jeder Sitzung bereitgestellten Materialien ist ebenso verpflichtend wie die aktive Teilnahme an der Diskussion.
Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab
- Anwesenheitspflicht, unentschuldigtes Fehlen ist nur in einer Doppelsitzung zulässig
- Die Vorbereitung einer Sitzung und die Abgabe der Seminararbeit sind verpflichtendBeurteilungsmaßstab
- Seminararbeit: 50 Punkte
- One Pager: 10 Punkte
- Sitzungsvorbereitung: 30 Punkte
- Regelmäßige Textvorbereitung und Beteiligung an den Diskussionsphasen: 10 Punkte
- Die Vorbereitung einer Sitzung und die Abgabe der Seminararbeit sind verpflichtendBeurteilungsmaßstab
- Seminararbeit: 50 Punkte
- One Pager: 10 Punkte
- Sitzungsvorbereitung: 30 Punkte
- Regelmäßige Textvorbereitung und Beteiligung an den Diskussionsphasen: 10 Punkte
Prüfungsstoff
Literatur
Annese, Lorenzo, Vita da Gastarbeiter. Von Apulien zu VW in Wolfsburg. Die Geschichte des ersten ausländischen Betriebsrats in Deutschland, Bonn: Dietz Verlag 2022.Antin, Mary, The Promised Land, New York: 1912.Depkat, Volker und Wolfram Pyta (Hg.), Autobiographie zwischen Text und Quelle. Geschichts- und Literaturwissenschaft im Gespräch I, Berlin: Duncker & Humblot 2017.Günther, Dagmar, 'And now for something completely different.' Prolegomena zur Autobiographie als Quelle der Geschichtswissenschaft, in: Historische Zeitschrift 272. 2001, S. 25-61.Lejeune, Philippe, Der autobiographische Pakt, Frankfurt: Suhrkamp 1994.Nora, Pierre, Zwischen Geschichte und Gedächtnis, Frankfurt am Main: Suhrkamp 1998.Smith, Sidonie und Julia Watson, Reading Autobiography. A Guide for Interpreting Life Narratives, Minneapolis 2010.Sevgi Özdamar, Emine, Die Brücke vom Goldenen Horn, Köln: Kiepenheuer & Witsch 2002.Serra, Ilaria,The Value of Worthless Lives. Writing Italian American Immigrant Autobiographies, Fordham University Press, 2007.Urban, Wayne J., Biography and Autobiography, in: Tanya Fitzgerald (Hg.), Handbook of Historical Studies in Education. Debates, Tensions, and Directions, Singapure: Springer 2019, S. 909-922.
Zuordnung im Vorlesungsverzeichnis
M7.1
Letzte Änderung: Di 25.06.2024 13:26