Universität Wien FIND

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190079 PS BM 11 Menschenbilder und -konstruktionen (2017S)

Das Erscheinen und Verschwinden des autonomen Subjekts in der Pädagogik

5.00 ECTS (2.00 SWS), SPL 19 - Bildungswissenschaft
Prüfungsimmanente Lehrveranstaltung

An/Abmeldung

Details

max. 35 Teilnehmer*innen
Sprache: Deutsch

Lehrende

Termine (iCal) - nächster Termin ist mit N markiert

Samstag 11.03. 09:00 - 12:15 Seminarraum 1 Sensengasse 3a 1.OG
Samstag 25.03. 09:00 - 12:15 Seminarraum 1 Sensengasse 3a 1.OG
Samstag 08.04. 09:00 - 12:15 Seminarraum 4 Sensengasse 3a 1.OG
Samstag 29.04. 09:00 - 12:15 Seminarraum 1 Sensengasse 3a 1.OG
Samstag 13.05. 09:00 - 12:15 Seminarraum 1 Sensengasse 3a 1.OG
Samstag 10.06. 09:00 - 12:15 Seminarraum 1 Sensengasse 3a 1.OG
Samstag 01.07. 09:00 - 12:15 Seminarraum 1 Sensengasse 3a 1.OG

Information

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

Inhalt:
In der Vormoderne drückt sich das Selbstverständnis des Menschen auf eine Weise aus, dass seine individuelle, wie auch die gesellschaftliche Existenz im Rahmen eines göttlichen Schöpfungsplanes verortet wird, dem es zu entsprechen, bzw. den es zu erfüllen gilt. Insofern kann von einer Heteronomie des Subjekts (im Zusammenhang seiner Denk- und Handlungsweisen) gesprochen werden, wie dies von IMMANUEL KANT in seiner praktischen Philosophie (Grundlegung zur Metaphysik der Sitten [1785]) kritisch formuliert wird.
Für JAN AMOS COMENIUS (1592-1670) ist es noch selbstverständlich, dass der Einzelne als Teil der menschlichen Gattung und als Geschöpf dazu verpflichtet ist, sich der Ordnung der Schöpfung zu unterwerfen. Darin kann der vormoderne Charakter seiner Überlegungen gesehen werden (vgl. BREINBAUER (32000). Das bekannte Prinzip omnes omnia omnino, im Sinne von 'Die vollständige Kunst, alle Menschen alles zu lehren' (COMENIUS 1657 [1959], S. 9) (lat.: omnes omnia docere artificium) weist ihn hingegen als jemanden aus, der sein Denken bereits an der Schwelle zur Aufklärung situiert. Trotzdem findet bei JAN AMOS COMENIUS der Mensch seinen Grund noch nicht in sich selbst, sondern in einem Zusammenhang, der über ihn weit hinausgeht und der ihn dazu verpflichtet sich gemäß seiner Bestimmung zu entfalten.
Diese Begründungsfigur und damit das Menschenbild werden im Zusammenhang der Aufklärung einem fundamentalen Perspektivenwechsel unterworfen. Bereits in den Schriften RENE DESCARTES kommt jene Wende zum Subjekt zum Ausdruck, die im Selbstbewusstsein des Menschen die Grundlage sowohl für Erkenntnis als auch für den praktischen Umgang mit der Welt findet. Vor allem in der deutschsprachigen Aufklärung wird im Anschluss daran der Begriff des autonomen Subjekts entworfen, der den Menschen als Vernunftwesen mit der Aufgabe der Selbstgesetzgebung konfrontiert. Im Konzept der Autonomie wird der göttliche Wille als letzter Grund vom Subjekt als gleichzeitig konstituiertes und konstituierendes abgelöst und zum Ausgangspunkt jeglichen Weltbezuges erklärt.
In der Spätmoderne konstatiert MICHEL FOUCAULT den Tod des (autonomen) Subjekts, womit jedoch nicht ein Projekt der Gegenaufklärung intendiert ist, sondern eine Kritik von Ansprüchen auf Autonomie, die gemäß dem Autor durch die Verstrickung in den Macht-/Wissens-Komplex als Illusion entlarvt werden soll. Insofern lässt der Blick in die neuere Geschichte den Wandel des Selbstverständnisses des Menschen sichtbar werden, der in der Bildungswissenschaft seine deutlichen Spuren hinterlassen hat.
Als Vertreter der erneuerten kritischen Erziehungswissenschaft versucht LUDWIG PONGRATZ in der Nachfolge MICHEL FOUCAULTs die Einsichten in die Machtförmigkeit gesellschaftlicher Verhältnisse mit dem Konzept einer eingeschränkten Subjektautonomie zu einer kritischen Bildungstheorie zu verbinden. In seinen Schriften untersucht L. PONGRATZ ob und wie es gelingen kann, unter den geänderten gesellschaftlichen Bedingungen und den begründeten Zweifeln an der Tragfähigkeit von Subjektivität als Grundlage gesellschaftlichen Handelns an einem pädagogisch gehaltvollen Bildungsbegriff festzuhalten. Aus der Sicht von L. PONGRATZ erfordert ein verändertes Menschenbild, das nicht mehr mit den Mitteln der Aufklärung des 18. Jahrhunderts begründet werden kann, die Reformulierung einheimischer pädagogischer Begriffe (JOHANN FRIEDRICH HERBART).
Methode: Auseinandersetzung nahe am Text der PS-Literatur, wodurch Kenntnisse zum Thema des Wandels von Menschenbildern in der Pädagogik vermittelt werden sollen. Das PS behandelt die Thematik in drei Schritten: Zunächst wird anhand von JAN AMOS COMENIUS als einem Vertreter der Vormoderne dessen Menschenbild analysiert. Danach wird durch RENE DESCARTES die moderne Vorstellung des Subjekts in den Diskurs eingeführt. Des Weiteren werden ausgewählte Schriften bzw. Textpassagen IMMANUEL KANTs herangezogen, um das Menschenbild der Aufklärung zu illustrieren.

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

Die Beurteilung erfolgt aufgrund mehrerer Teilleistungen. Dazu zählen: Anwesenheitspflicht, Beteiligung an den Diskussionen, Abhalten eines Referates, schriftliche Übung: Textzusammenfassung (Vorstufe zu einer Rezension) schriftliche Leistungskontrolle.

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

Gewichtung der Teilleistungen:
(a) regelmäße Teilnahme (eine entschuldigte Einheit ist möglich) sowie Beteiligung an den Diskussionen im PS (15 %)
(b) Abhalten eines Referates zu einem ausgewählten Thema des PS (25 %)
(c) Textzusammenfassung (Vorstufe zu einer Rezension) (20 %)
(d) schriftliche Leistungskontrolle (40 %)

Es müssen mindestens 50 % aller Leistungen positiv sein, um insgesamt positiv abzuschließen, wobei die schriftliche Leistungskontrolle als Minimalbedingung gilt.

Prüfungsstoff

Literatur

wird in der LV bekanntgegeben

Zuordnung im Vorlesungsverzeichnis

BM 11

Letzte Änderung: Mo 07.09.2020 15:37