Universität Wien FIND

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200213 SE Identity and Belonging (2019W)

"You're what you've loved" - Psychoanalytische Konzepte von Depression, Geschlecht und Verlust

4.00 ECTS (2.00 SWS), SPL 20 - Psychologie
Prüfungsimmanente Lehrveranstaltung

Das Seminar ist bereits voll!

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Details

max. 25 Teilnehmer*innen
Sprache: Deutsch

Lehrende

Termine (iCal) - nächster Termin ist mit N markiert

Freitag 11.10. 10:00 - 18:00 Hörsaal C Psychologie, NIG 6.Stock A0618
Samstag 12.10. 10:00 - 18:00 Hörsaal C Psychologie, NIG 6.Stock A0618
Sonntag 13.10. 09:00 - 17:00 Hörsaal E Psychologie, Liebiggasse 5 1. Stock

Information

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

Depressionsdiagnosen nehmen weltweit zu. Die WHO schätzt, dass depressive Erkrankungen bis 2020 die weltweit zweithäufigste Krankheitsursache darstellen. Dabei ist eine stabile Eigenschaft der Depressionszahlen, ein ihnen zugrundeliegender Geschlechtsunterschied, in dem Frauen gegenüber Männern ein doppelt so hohes Depressionsrisiko aufweisen. Auch im medialen Depressionsdiskurs besteht eine enge Verbindung mit stereotyper Weiblichkeit, während Depressionen bei Männern unbenannt bleiben oder unter "Burn Out" umkodiert werden. Wie aber wird die Depression zur "Frauenkrankheit" und wie interagieren gesellschaftliche Prozesse des Sorgetragens und vergeschlechtlichte Emotionsnormen mit individuellen Prozessen von Identifizierung, Geschlechtsidentität und unbewussten Botschaften in der Familie?

Ziel des interdisziplinär angelegten Seminars ist eine Einführung in die Wechselbeziehungen von Geschlecht, Depression und Verlust in Familie und Gesellschaft. Dabei werden Grundlagentexte psychoanalytischer Depressions- und Geschlechter-theorie unter Einbeziehung von Ansätzen aus Gender Studies und Kulturwissenschaften diskutiert. Der Fokus liegt auf der Betrachtung einer innerfamiliären Dynamik von Geschlecht und Verlust, die Mädchen und Jungen in unterschiedlicher Weise für Depressionen empfänglich macht. Dabei erfolgt eine Wissensvermittlung über die Diagnose, Entstehung und Behandlungstechnik der Depression, sowie psychoanalytischer Theorie zur Geschlechtsidentität und eine kritische Reflexion der Konzepte im gesellschaftlichen Kontext.

Die Lehrveranstaltung gliedert sich inhaltlich in drei Schwerpunkte:
1. Psychoanalytische Depressionstheorien
2. Psychoanalytische Geschlechtertheorie und feministische Revisionen
3. Kulturwissenschaftliche Reflexion einer Politik des Verlusts

Die Wissensvermittlung erfolgt anhand von Literatur und Videomaterial, gemeinsamer Diskussion und Reflexion sowie Übungen in Kleingruppen.

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

Regelmäßige, aktive Mitarbeit, strukturierte Präsentation und Diskussion eines Seminartextes (max. 20 min) sowie schriftliche Ausarbeitung und Reflexion

Prüfungsstoff

Literatur

Depression:
Freud, S. (1917) Trauer und Melancholie, GW X. Frankfurt am Main: Fischer.
Blatt, S.J. (2004): Experiences of depression. Theoretical, clinical, and research perspectives. Washington: American Psychological Association. Kapitel 1.
Green, A. (1993). Die tote Mutter. Psyche 47: 205-240.
Dornes, M. (2006). Kinder depressiver Eltern. In: Die vielen Gesichter der Depression. 73-94. DPV Frühjahrstagung.
Piccinelli, M. & Wilkinson, G. (2000). Gender differences in depression. Critical review. The British Journal of Psychiatry, 77: 486-492.
Möller-Leimkühler, A.M. (2006). Männer und Depression. Wie Sie die ›männliche Depression‹ erkennen. Der Neurologe & Psychiater, 11: 25-30.

Geschlecht:
Freud, S. (1904/1905). Die infantile Sexualität. Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie. GW V. Frankfurt am Main: Fischer (Auszug)
Mertens, W. Entwicklung der Psychosexualität und der Geschlechtsidentität. Stuttgart: Kohlhammer.
Rohde-Dachser, C. (1996). Unbewusste Phantasie und Mythenbildung in psychoanalytischen Theorien über die Differenz der Geschlechter. In C. Rohde-Dachser, Mitscherlich, M. (Ed.), Psychoanalytische Diskurse über die Weiblichkeit von Freud bis Heute: 116-133. Stuttgart: Verlag Internationale Psychoanalyse.
Butler, J. (1995). Melancholisches Geschlecht / Verweigerte Identifizierung, In Psyche der Macht. Frankfurt am Main: Suhrkamp., S. 102 125.
Torok, M. & Abraham, N. (2001). Trauer oder Melancholie. Introjizieren inkorporieren, Psyche 55(6): 549-555.
Reiche, R. (2004). Über Judith Butler. Zeitschrift für Sexualforschung, 17: 11-25.
Laplanche, J. (1988). Die Allgemeine Verführungstheorie und andere Aufsätze. Tübingen: edition diskord.
Teuber, N. (2018). Rätsel und Botschaft, Psychoanalytische Geschlechtertheorien zwischen Beziehung und Gesellschaft. In Busch, C., Dobben, B., Rudel, M., Uhlig, T.D. (Hg.) Der Riss durchs Geschlecht. Feministische Beiträge zur Psychoanalyse. Psychosozial Verlag: Gießen. S. 33 48.

Kulturwissenschaftliche Perspektiven:
Ehrenberg, A. (2000). Depression. Die Müdigkeit man selbst zu sein. In Hegemann, C. (Hg.) Endstation. Sehnsucht. Kapitalismus und Depression I. 103-140. Berlin: Alexander Verlag.
Metzl, J. (2003). The gendered dynamics of pharmaceutical advertising. In: Prozac on the Couch. Prescribing Gender in the Era of Wonder Drugs. 127-163. New York: Duke.
Schiesari, Juliana (1992): The Gendering of Melancholia. Feminism, Psychoanalysis, and the Symbolics of Loss in Renaissance Literature. Cornell: University Press.

Zuordnung im Vorlesungsverzeichnis

Letzte Änderung: Mo 07.09.2020 15:21