210034 LK BAK5 LK Wütend und empört! (2012W)
Prüfungsimmanente Lehrveranstaltung
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Anwesenheitspflicht in der ersten LV-Einheit!Die Einheiten am 23. Oktober und am 18. Dezember entfallen!
An/Abmeldung
Hinweis: Ihr Anmeldezeitpunkt innerhalb der Frist hat keine Auswirkungen auf die Platzvergabe (kein "first come, first served").
- Anmeldung von Fr 14.09.2012 08:00 bis Mi 26.09.2012 22:00
- Anmeldung von Fr 28.09.2012 08:00 bis Mi 03.10.2012 22:00
- Abmeldung bis Do 01.11.2012 22:00
Details
max. 50 Teilnehmer*innen
Sprache: Deutsch
Lehrende
Termine (iCal) - nächster Termin ist mit N markiert
- Dienstag 09.10. 13:15 - 14:45 Hörsaal 3 (H3), NIG 2. Stock
- Dienstag 16.10. 13:15 - 14:45 Hörsaal 3 (H3), NIG 2. Stock
- Dienstag 30.10. 13:15 - 14:45 Hörsaal 3 (H3), NIG 2. Stock
- Dienstag 06.11. 13:15 - 14:45 Hörsaal 3 (H3), NIG 2. Stock
- Dienstag 13.11. 13:15 - 14:45 Hörsaal 3 (H3), NIG 2. Stock
- Dienstag 20.11. 13:15 - 14:45 Hörsaal 3 (H3), NIG 2. Stock
- Dienstag 27.11. 13:15 - 14:45 Hörsaal 3 (H3), NIG 2. Stock
- Dienstag 04.12. 13:15 - 14:45 Hörsaal 3 (H3), NIG 2. Stock
- Dienstag 11.12. 13:15 - 14:45 Hörsaal 3 (H3), NIG 2. Stock
- Dienstag 08.01. 13:15 - 14:45 Hörsaal 3 (H3), NIG 2. Stock
- Dienstag 15.01. 13:15 - 14:45 Hörsaal 3 (H3), NIG 2. Stock
- Dienstag 22.01. 13:15 - 14:45 Hörsaal 3 (H3), NIG 2. Stock
- Dienstag 29.01. 13:15 - 14:45 Hörsaal 3 (H3), NIG 2. Stock
Information
Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung
Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel
Anwesenheit (max. 2 Fehlstunden); Textlektüre und Mitarbeit/Beteiligung an der Diskussion; 4 kleine schriftliche Übungsaufgaben (ca. 1-3 Seiten), 1 Abschlussarbeit (5 Seiten);
Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab
In den Lektürekursen BA5 werden theoretische Konzepte, Debatten und Themenfelder anhand von zentralen Texten bearbeitet. Der kritische Umgang mit theorierelevanten Texten wird entlang inhaltlicher Schwerpunktsetzungen geübt, wobei Argumentationsstruktur, Thesen, Fragestellungen und Begriffsdefinitionen der Texte genauso thematisiert werden, wie Kontext, Aktualität, Praxisrelevanz und wissenschaftstheoretische Grundlagen. Dadurch werden sowohl theoriegeschichtliche Einblicke in das jeweilige Themenfeld und seine Kontroversen, als auch Textkritik und -vergleich als zentrale Kompetenzen politikwissenschaftlichen Arbeitens vermittelt.
Prüfungsstoff
Diskussion der Texte in Kleingruppen und im Plenum anhand spezifischer Fragestellungen;
optional Kurzreferate;
optional Kurzreferate;
Literatur
Die Basisliteratur wird online zur Verfügung gestellt.- Hessel, Stephane (2011). Empört Euch! Berlin.
- Unsichtbares Komitee (2010). Der kommende Aufstand. Hamburg.
- Kurbjuweit, Dirk (2010). Der Wutbürger. In: Der Spiegel 41/2010
- Hobbes, Thomas (1980 [1651]). Leviathan. Stuttgart.
- Locke, John (1997[1693]). Gedanken über Erziehung. Stuttgart
- Rousseau, Jean-Jacques (1971[1762]. Emile oder über die Erziehung. Paderborn.
- Weber, Max (1992 [1919]). Politik als Beruf. Stuttgart.
- Gramsci, Antonio (1991ff.). Gefängnishefte. Kritische Gesamtausgabe. Hgg. von K. Bochmann, W.F. Haug und P. Jehle, Hamburg.
- Ludwig, Gundula (2007). Gramscis Hegemonietheorie und die staatliche Produktion von vergeschlechtlichten Subjekten. In: Das Argument Nr. 270, 2/2007, S. 196-204.
- Foucault, Michel (1983). Sexualität und Wahrheit I. Der Wille zum Wissen. Frankfurt am Main.
- Michalitsch, Gabriele (2006). Die neoliberale Domestizierung des Subjektes. Von den Leidenschaften zum Kalkül. Frankfurt am Main.
- Engel, Antke (2011). No Sex, No Crime, No Shame: Privatized Care and the Seduction into Reponsibility. In: NORA - Nordic Journal of Feminist and Gender Research 15:2, S. 114-132
- Schaal, Gary S. (2010). Editorial - der emotive turn in der Politikwissenschaft. In: ÖZP 2/2010, S. 139-140
- Hardt, Michael (2004). Affketive Arbeit. In: Atzert, Thomas/Müller, Jost (Hg.): Immaterielle Arbeit und imperiale Souveränität. Analysen und Diskussionen zu Empire. Münster, S. 175-188.
- Boudry, Pauline/Kuster, Brigitte/Lorenz, Renate (1999). I cook for sex. In: Dies. (Hg.): Reproduktionskonten fälschen! Heterosexualität, Arbeit & Zuhause. Berlin, S. 6-35.
- Bargetz, Brigitte/Sauer, Birgit (2010). Politik, Emotionen und die Transformation des Politischen. Eine feministisch-machtkritische Perspektive. In: ÖZP 2/2010, S.141-155
- Sauer, Birgit (1999). "Politik wird mit dem Kopfe gemacht". Überlegungen zu einer geschlechtersensiblen Politologie der Gefühle. In: Klein, Ansgar/Nullmeier, Frank (Hg.): Masse - Macht - Emotionen. Zu einer politischen Soziologie der Emotionen. Wiesbaden, S. 200-218
- Bargetz, Brigitte/Freudenschuss, Magdalena (2012). Der emotionale Aufstand. Verhandlungen um eine Politik der Gefühle in Zeiten der Krise. In: Femina Politica 1/2012.
- Butler, Judith (2006). Haß spricht. Zur Politik des Performativen. Frankfurt am Main.
- Mouffe, Chantal (2002). Politics and Passions. The Stakes of Democracy. Center for the Study of Democracy.
- Badiou, Alain (2010). The meaning of Sarkozy. London.
- Unsichtbares Komitee (2010). Der kommende Aufstand. Hamburg.
- Kurbjuweit, Dirk (2010). Der Wutbürger. In: Der Spiegel 41/2010
- Hobbes, Thomas (1980 [1651]). Leviathan. Stuttgart.
- Locke, John (1997[1693]). Gedanken über Erziehung. Stuttgart
- Rousseau, Jean-Jacques (1971[1762]. Emile oder über die Erziehung. Paderborn.
- Weber, Max (1992 [1919]). Politik als Beruf. Stuttgart.
- Gramsci, Antonio (1991ff.). Gefängnishefte. Kritische Gesamtausgabe. Hgg. von K. Bochmann, W.F. Haug und P. Jehle, Hamburg.
- Ludwig, Gundula (2007). Gramscis Hegemonietheorie und die staatliche Produktion von vergeschlechtlichten Subjekten. In: Das Argument Nr. 270, 2/2007, S. 196-204.
- Foucault, Michel (1983). Sexualität und Wahrheit I. Der Wille zum Wissen. Frankfurt am Main.
- Michalitsch, Gabriele (2006). Die neoliberale Domestizierung des Subjektes. Von den Leidenschaften zum Kalkül. Frankfurt am Main.
- Engel, Antke (2011). No Sex, No Crime, No Shame: Privatized Care and the Seduction into Reponsibility. In: NORA - Nordic Journal of Feminist and Gender Research 15:2, S. 114-132
- Schaal, Gary S. (2010). Editorial - der emotive turn in der Politikwissenschaft. In: ÖZP 2/2010, S. 139-140
- Hardt, Michael (2004). Affketive Arbeit. In: Atzert, Thomas/Müller, Jost (Hg.): Immaterielle Arbeit und imperiale Souveränität. Analysen und Diskussionen zu Empire. Münster, S. 175-188.
- Boudry, Pauline/Kuster, Brigitte/Lorenz, Renate (1999). I cook for sex. In: Dies. (Hg.): Reproduktionskonten fälschen! Heterosexualität, Arbeit & Zuhause. Berlin, S. 6-35.
- Bargetz, Brigitte/Sauer, Birgit (2010). Politik, Emotionen und die Transformation des Politischen. Eine feministisch-machtkritische Perspektive. In: ÖZP 2/2010, S.141-155
- Sauer, Birgit (1999). "Politik wird mit dem Kopfe gemacht". Überlegungen zu einer geschlechtersensiblen Politologie der Gefühle. In: Klein, Ansgar/Nullmeier, Frank (Hg.): Masse - Macht - Emotionen. Zu einer politischen Soziologie der Emotionen. Wiesbaden, S. 200-218
- Bargetz, Brigitte/Freudenschuss, Magdalena (2012). Der emotionale Aufstand. Verhandlungen um eine Politik der Gefühle in Zeiten der Krise. In: Femina Politica 1/2012.
- Butler, Judith (2006). Haß spricht. Zur Politik des Performativen. Frankfurt am Main.
- Mouffe, Chantal (2002). Politics and Passions. The Stakes of Democracy. Center for the Study of Democracy.
- Badiou, Alain (2010). The meaning of Sarkozy. London.
Zuordnung im Vorlesungsverzeichnis
Letzte Änderung: Mo 07.09.2020 15:38
Im Gegensatz zu anderen Disziplinen wurden Emotionen - wiewohl schon immer wichtiger Bestandteil politischer Ideengeschichte - erst relativ spät zum Gegenstand der politischen Theorie. Ein wichtiges Moment der politikwissenschaftlichen Reflexion von Emotionen stellen etwa aktivbürgerliches Engagement und das Aufkommen von Identitätspolitiken dar, bei welchen persönliche Betroffenheit einen zentralen Punkt der Mobilisierung ausmacht. Emotionen wie "Angst", "Spaß", "Lust" und gegenwärtig v.a. "Empörung" und "Wut" fungieren dabei sowohl explizit als handlungsanleitende Motive wie auch als Faktor der Reflexion des politischen Handelns. Neu gegenüber traditionelleren Begriffen von Politik ist dabei, dass Emotionen nicht in einen Gegensatz zur einer als rational Begriffenen Sphäre von Öffentlichkeit und Politik gesetzt werden, sondern beides gleichermaßen als handlungsanleitend gilt. Nicht zuletzt auch für die Frauenbewegung der 1970er Jahre diente Betroffenheit als Legitimationsbasis. Mit dem zentralen Slogan "Das Private/Persönliche ist politisch" wurde auch die vermeintliche Exklusion von Gefühlen (und damit auch Frauen) aus dem als rational und ent-emotionalisiert gedachten Raum der Politik kritisiert.
Ein weiteres Thema der politiktheoretischen Reflexion von Emotionen stellen "post-demokratische Konstellationen" (Mouffe, Crouch), oder auch Formen der "entpolitisierten Politik" (Sauer) dar. Gefühle dienen demnach zunehmend als Legitimationsbasis und Ressource für Politiker_innen, was etwa an Inszenierungen der persönlichen Betroffenheit, Authentizität und des Privatlebens ablesbar ist. Zudem kann jüngst ein populistischer Gefühlsdiskurs diagnostiziert werden, der sich um die Gegenüberstellung einer Emotionalität und "Natürlichkeit des Volkes" zu einer als bürokratisch, ent-emotionalisiert und "kalt" gezeichneten politischen Klasse dreht. (ebd.).
Gefühle stellen somit nicht das Gegenteil von Rationalität und Politik dar bzw. können von dieser nicht abstrahiert werden, sondern bedingen die affektive Seite von Handlung und politischer Subjektivität. Sie sind nicht individuell, sondern müssen analytisch als gesellschaftlich konstruiert gefasst werden, als Ergebnis herrschaftlicher Kodierungen und Zuschreibungen. Des Weiteren sind sie auch nicht "natürlich", sondern inhärent mit dem sozialen und politischen Konstruktionsprozess von Geschlechtern verknüpft und besitzen somit regulierenden Charakter. Schließlich müssen sie danach befragt werden, wie sie den Raum des politischen strukturieren, mithin soziale Institutionen prägen.
Daran anknüpfend sollen einerseits "klassische" Texte der politischen Theorie und Ideengeschichte gelesen und diskutiert werden, wobei hier der Fokus vor allem auf dem Zusammenhang von Emotionen und Begriffen wie Staat, Subjekt, Politik oder Demokratie liegt. Andererseits sollen jüngere Texte gelesen und diskutiert werden, die Emotionen explizit zum Gegenstand polit-theoretischer Reflexion machen, etwa in Bezug auf geschlechtsspezifische Zuschreibungen, neue Arbeitsformen oder aber auch die Protestbewegungen der letzten Jahre.