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210060 SE BAK10: SE Internationale Politik und Entwicklung (2017W)

Internationale Politische Ökonomie: Zukunft des Kapitalismus

6.00 ECTS (2.00 SWS), SPL 21 - Politikwissenschaft
Prüfungsimmanente Lehrveranstaltung

Eine Anmeldung über u:space innerhalb der Anmeldephase ist erforderlich! Eine nachträgliche Anmeldung ist NICHT möglich.
Studierende, die der ersten Einheit unentschuldigt fern bleiben, verlieren ihren Platz in der Lehrveranstaltung.

Beachten Sie die Standards guter wissenschaftlicher Praxis.

Die Lehrveranstaltungsleitung kann Studierende zu einem notenrelevanten Gespräch über erbrachte Teilleistungen einladen.
Plagiierte Teilleistungen führen zur Nichtbewertung der Lehrveranstaltung (Eintragung eines 'X' im Sammelzeugnis).

Moodle; Do 23.11. 16:45-18:15 Hörsaal 2 (A218), NIG 2.Stock

An/Abmeldung

Details

max. 50 Teilnehmer*innen
Sprache: Deutsch

Lehrende

Termine (iCal) - nächster Termin ist mit N markiert

Donnerstag 12.10. 16:45 - 18:15 Hörsaal 2 (A218), NIG 2.Stock
Donnerstag 19.10. 16:45 - 18:15 Hörsaal 2 (A218), NIG 2.Stock
Donnerstag 09.11. 16:45 - 18:15 Hörsaal 2 (A218), NIG 2.Stock
Donnerstag 16.11. 16:45 - 18:15 Hörsaal 2 (A218), NIG 2.Stock
Donnerstag 30.11. 16:45 - 18:15 Hörsaal 2 (A218), NIG 2.Stock
Donnerstag 07.12. 16:45 - 18:15 Hörsaal 2 (A218), NIG 2.Stock
Donnerstag 14.12. 16:45 - 18:15 Hörsaal 2 (A218), NIG 2.Stock
Donnerstag 11.01. 16:45 - 18:15 Hörsaal 2 (A218), NIG 2.Stock
Donnerstag 18.01. 16:45 - 18:15 Hörsaal 2 (A218), NIG 2.Stock
Donnerstag 25.01. 16:45 - 18:15 Hörsaal 2 (A218), NIG 2.Stock

Information

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

Der Kapitalismus als mit steigendem Wohlstand und Demokratie verbundenes Wachstumsmodell scheint sich aus der seit bald zehn Jahre andauernden Finanz- und Wirtschaftskrise deutlich schlechter zu erholen als aus vergangenen Krisen. Immense staatliche Interventionen, die in der Geschichte des Kapitalismus einmalig sind, haben den Wachstumsmotor bisher kaum oder nur geringfügig angeworfen. Erschütterungen der Grundlagen sozialer und politischer Kohäsion sind die Folge: Arbeitskräfteüberschuss, Druck auf den Wohlfahrtsstaat, Repräsentationskrisen, Postdemokratie. Ob die seit den 1970er Jahren ausgebildete postfordistische Konstellation eine Stabilisierung erfahren wird oder ob (säkulare) Stagnation, Nullwachstum und Deflation die künftige politökonomische Entwicklung bestimmen werden, ist seither Gegenstand intensiver Debatten. Sie drehen sich um neue Revolutionen in den Produktionsformen (Digitalisierung, Automatisierung, Industrie 4.0), um Bedingungen, Möglichkeiten und Grenzen wirtschaftlicher Innovationen sowie um grundlegendere Fragen der sozialen wie politischen Integrationsfähigkeit eines auf Finanzialisierung, Flexibilisierung und nationalem Standortwettbewerb beruhenden Wirtschaftsmodells. Welche gesellschaftlichen und politischen Transformationen, insbesondere der Ordnungen des Politischen und der Anpassungen des materiellen Staatsgerüsts dabei derzeit stattfinden und künftig erforderlich sein werden, hat mittlerweile einige PolitikwissenschaftlerInnen zur Formulierung unterschiedlicher Zeitdiagnosen veranlasst. Ein weiterer Debattenstrang thematisiert ausgehend von „planetaren Grenzen des Wachstums“ und der Zuspitzung der ökologischen Krise die Beschleunigung der Zerstörung der natürlichen Lebensgrundlagen (insb. durch den Klimawandel) und wirft Fragen der ökologischen Notwendigkeit einer Umstrukturierung der Wirtschaftsweise in Zeiten rasant wachsender Produktion von Gütern, einem historisch nie dagewesenen Niveau wirtschaftlicher Transaktionen sowie ungebremsten Verbrauchs an Rohstoffen auf. Neben den wirtschaftlichen, den sozialen und politischen Grenzen stößt der Kapitalismus laut diesen Ansätzen zunehmend auch auf natürliche Grenzen, die seine Expansionsfähigkeit mindern und den Transformationsdruck erhöhen.
Ausgehend von aktuelleren Beiträgen der Internationalen Politischen Ökonomie, der Regulationstheorie, der politischen Ökologie und der neogramscianischen wie neopoulantzianischen Staatstheorie (etwa von AutorInnen wie Wolfgang Streeck, Colin Crouch, David Harvey, Bob Jessop, Jason Moore, Mariana Mazzucato oder Paul Mason) widmet sich das Seminar politökonomischen Einschätzungen über die gegenwärtigen Veränderungen des Verhältnisses von Ökonomischem und Politischem: Gelangt der Postfordismus an das Ende seiner Entwicklung? Welche Bedingungen der Möglichkeit und Tendenzen einer Stabilisierung bzw. einer Transformation der postfordistischen Konstellation werden von unterschiedlichen sozialwissenschaftlichen Ansätzen identifiziert? Welche Entwicklungsmodelle und Wachstumsregime werden von politischen AkteurInnen in den globalen Zentren gegenwärtig ausgearbeitet und verfolgt? Von welchen Tendenzen sind die politischen Verhältnisse künftiger Entwicklungs- und Wachstumsmodelle geprägt?

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

Die Leistungsüberprüfung setzt sich zusammen aus der Abgabe wöchentlicher Übungen zur Basisliteratur (unterschiedliche Formen der Textbearbeitung) sowie einer unter Anleitung selbständig zu konzipierenden und zu verfassenden Abschlussarbeit im Umfang von etwa 20 Textseiten zu einem Thema des Seminars (Vertiefung eines besprochenen Ansatzes der Debatte über die Zukunft des Kapitalismus und Anwendung auf einen politikwissenschaftlichen Gegenstand). Zur Sicherung der guten wissenschaftlichen Praxis kann seitens der LV-Leitung eine mündliche Reflexion der abgegebenen Abgaben sowie der Seminararbeit durchgeführt werden, die erfolgreich zu absolvieren ist.

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

Mitarbeit und Bereitschaft zur wöchentlichen Lektüre und Diskussion von Literatur in englischer und deutscher Sprache werden vorausgesetzt; ebenso die regelmäßige Anwesenheit (max. 2 Fehlstunden). Die Teilleistungen der Abgaben während des Semesters sowie die Seminararbeit werden mit jeweils 50% Gewichtung in der Gesamtnote berücksichtigt, wobei beide Teilleistungen positiv zu absolvieren sind.

Prüfungsstoff

Die LV ist prüfungsimmanent.

Literatur

Arrighi, Giovanni (2008): Adam Smith in Beijing. Die Genealogie des 21. Jahrhunderts; Hamburg: VSA.
Atzmüller, Roland et al. (2013): Fit für die Krise? Perspektiven der Regulationstheorie; Münster: Westfälisches Dampfboot.
Barth, Thomas et al. (2016): Wachstum – Krise und Kritik. Die Grenzen der kapitalistischen Lebensweise; Frankfurt: Campus.
Blyth, Mark (2013): Austerity. The History of a Dangerous Idea; Oxford: Oxford University Press.
Brie, Michael (2014): Futuring. Perspektiven der Transformation im Kapitalismus über ihn hinaus; Münster: Westfälisches Dampfboot.
Brand, Ulrich / Wissen, Markus (2017): Imperiale Lebensweise. Zur Ausbeutung von Mensch und Natur im globalen Kapitalismus; München: oekom.
Brand, Ulrich / Wissen, Markus (2013): Crisis and continuity of capitalist society-nature relationships. The imperial mode of living and the limits to environmental governance; Review of International Political Economy 20(4); 687-711. doi: 10.1080/09692290.2012.691077
Brand, Ulrich (2011): Post-Neoliberalismus? Aktuelle Konflikte, gegen-hegemoniale Strategien; Hamburg: VSA.
Brenner, Robert (2006): The economics of global turbulence. The advanced capitalist economies from long boom to long downturn, 1945–2005; London: Verso.
Crouch, Colin (2015a): Die bezifferte Welt. Wie die Logik der Finanzmärkte das Wissen bedroht. Postdemokratie III; Berlin: Suhrkamp.
Crouch, Colin (2015b): Governing social risks in post-crisis Europe; Cheltenham: Edward Elgar.
Crouch, Colin (2013): Das befremdliche Überleben des Neoliberalismus. Postdemokratie II; Berlin: Suhrkamp.
Harvey, David (2015): Seventeen contradictions and the end of capitalism; London: Profile.
Harvey, David (2010): The enigma of capital. And the crises of capitalism; London: Profile.
Jessop, Bob (2016): The state. Past, present, future; Cambridge: Polity.
Jessop, Bob (2012): Economic and Ecological Crises: Green new deals and no-growth economies; Development 55(1); 17–24. doi:10.1057/dev.2011.104
Jessop, Bob / Sum, Ngai-Ling (2013): Towards a cultural political economy. Putting culture in its place in political economy; Cheltenham: Edward Elgar.
Jessop, Bob / Young, Brigitte / Scherrer, Christoph (eds.) (2015): Financial cultures and crisis dynamics; London: Routledge.
Kannankulam, John (2008): Autoritärer Etatismus im Neoliberalismus. Zur Staatstheorie von Nicos Poulantzas; Hamburg: VSA.
Lapavitsas, Costas (2012): Financialisation in crisis; Leiden: Brill.
Malm, Andreas (2016): Fossil capital. The rise of steam power and the roots of global warming; London: Verso.
Mason, Paul (2016): Postkapitalismus. Grundrisse einer kommenden Ökonomie; Berlin: Suhrkamp.
Mazzucato, Mariana (2015): The Entrepreneurial State. Debunking Public vs. Private Sector Myths. Revised Edition; New York: Public Affairs.
Moore, Jason W. (2015): Capitalism in the Web of Life. Ecology and the Accumulation of Capital; London: Verso.
Panitch, Leo / Gindin, Sam (2012): The making of global capitalism. The political economy of American empire; London: Verso.
Schirrmacher, Frank et al. (Hg.) (2010): Die Zukunft des Kapitalismus; Berlin: Suhrkamp.
Smith, Neil (2010): Uneven development. Nature, capital, and the production of space. 3rd updated edition; London: Verso.
Streeck, Wolfgang (2016): How will capitalism end? Essays on a failing system; London: Verso.
Streeck, Wolfgang (2015a): Gekaufte Zeit. Die vertagte Krise des demokratischen Kapitalismus; Berlin: Suhrkamp.
Streeck, Wolfgang (2015b): The rise of the European consolidation state; MPIfG Discussion Paper No. 15/1.
Westra, Richard (ed.) (2015): The future of capitalism after the financial crisis. The varieties of capitalism debate in the age of austerity; London: Routledge.
Wood, Ellen Meiksins (1999/2002): The Origin of Capitalism; London: Verso.
Wright, Eric Olin (2010): Envisioning real utopias; London: Verso.

Zuordnung im Vorlesungsverzeichnis

Letzte Änderung: Mo 09.10.2017 09:29