Universität Wien FIND

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210066 SE BAK9: SE Politische Theorien und Theorienforschung (2018S)

Theorien des Politischen und die Konstruktion von Gemeinschaft

6.00 ECTS (2.00 SWS), SPL 21 - Politikwissenschaft
Prüfungsimmanente Lehrveranstaltung

Eine Anmeldung über u:space innerhalb der Anmeldephase ist erforderlich! Eine nachträgliche Anmeldung ist NICHT möglich.
Studierende, die der ersten Einheit unentschuldigt fern bleiben, verlieren ihren Platz in der Lehrveranstaltung.

Beachten Sie die Standards guter wissenschaftlicher Praxis.

Die Lehrveranstaltungsleitung kann Studierende zu einem notenrelevanten Gespräch über erbrachte Teilleistungen einladen.
Plagiierte und erschlichene Teilleistungen führen zur Nichtbewertung der Lehrveranstaltung (Eintragung eines 'X' im Sammelzeugnis).

An/Abmeldung

Details

max. 50 Teilnehmer*innen
Sprache: Deutsch

Lehrende

Termine (iCal) - nächster Termin ist mit N markiert

Samstag 03.03. 09:00 - 13:00 Hörsaal 3 (H3), NIG 2. Stock
Freitag 23.03. 09:45 - 16:30 Hörsaal 1 (H1), NIG 2.Stock
Freitag 20.04. 16:45 - 21:30 Hörsaal 1 (H1), NIG 2.Stock
Samstag 21.04. 09:40 - 16:35 Hörsaal 1 (H1), NIG 2.Stock
Freitag 08.06. 09:45 - 16:30 Hörsaal 1 (H1), NIG 2.Stock

Information

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

Im Gegensatz zum Begriff der Gesellschaft bezeichnet der Begriff der Gemeinschaft eine soziale und politische Entität, die durch kollektive Identität gestiftet wird. Mit diesem Begriff werden einerseits Solidarität, Zugehörigkeit und kollektives Handeln und andererseits (gewaltsamer) Ausschluss von Nichtidentischen und ebenso repressive Homogenisierung des Inneren assoziiert. Dies zeigt sich nicht zuletzt auch im Vergleich unterschiedlicher Begriffstraditionen. Während der Begriff der „community“ im angelsächsischen politischen Denken nicht von liberalen und demokratischen Konzepten zu trennen ist, weist der Begriff der Gemeinschaft in der deutschen Tradition eine antidemokratische Komponente auf.
Konstituierung und Reproduktion von Gemeinschaft sind Resultate politischen Handelns und beeinflussen wiederum Konzepte des Politischen selbst. Das Politische kann dabei mit Jean-Luc Nancy als jene Sphäre begriffen werden, in welcher Gemeinschaft hergestellt, ins Spiel gebracht wird und gleichzeitig auf dem Spiel steht. Dies zeigt sich nicht zuletzt in aktuellen Debatten über Pluralismus, Migration, Staatsbürgerschaft und politische Partizipation.
Im Zentrum der Lehrveranstaltung steht die kritische Auseinandersetzung mit (zeitgenössischen) Theorien des Politischen und Entwürfen von Gemeinschaft. Dabei werden jeweils zugrunde liegende Vorstellungen von Gemeinschaft, Strategien von „Vergemeinschaftung“ (Max Weber) und ihre politischen Konsequenzen analysiert.

Folgende Fragen leiten das Seminar an:
Mit welchen Begrifflichkeiten wird das Politische zu beschreiben versucht?
Welche Formen und Konzepte von (politischer) Gemeinschaft werden damit impliziert?
Welche Exklusionen sind damit verbunden und wie werden diese argumentiert bzw. sprachlich realisiert?
Wie werden Pluralität und Differenzen innerhalb der konstruierten Gemeinschaft theoretisch verhandelt?
Inwieweit drücken sich in Vorstellungen von „Gemeinschaft“ in Abgrenzung zum Begriff der Gesellschaft Kritik an bestehenden Verhältnissen und die Utopie einer Überwindung letzterer
aus?

Ziele:
Kritische Auseinandersetzung mit politisch-theoretischen Texten im Allgemeinen und Theorien des Politischen im Besonderen
Beschäftigung mit zentralen Begrifflichkeiten und Konzepten zeitgenössischer politischer Theorien
Analyse von theoretischen Konzepten und ihren (möglichen) politischen Konsequenzen
Mündliche und schriftliche Präsentation und Interpretation der gelesenen Texte
Arbeiten und Argumentieren mit politischen Theorien

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

Anwesenheit (85 %, max. zwei Fehleinheiten) (Grundbedingung)
Aktive Partizipation in Lehrveranstaltung
Intensive Lektüre und Bearbeitung aller Texte
Regelmäßige Hausübungen zu den Texten
Mündliche Präsentation des Konzeptes für die Abschlussarbeit
Schriftliche Abschlussarbeit (Textumfang 35.000 Zeichen)

Prüfungsstoff

Literatur

(Auswahl)

Hannah Arendt (2000): Freiheit und Politik, in: Dies.: Zwischen Vergangenheit und Zukunft. Übungen im politischen Denken I, München: Piper, 201-226.
Hannah Arendt (2002): Vita activa oder Vom tätigen Leben, München: Piper, 62-73.
Zygmunt Bauman (2009): Gemeinschaften. Auf der Suche nach Sicherheit in einer bedrohlichen Welt, Frankfurt/Main: suhrkamp, 7-28.
Thomas Bedorf (2010): Das Politische und die Politik – Konturen einer Differenz, in: Ders./Kurt Röttgers (Hg.): Das Politische und die Politik, Berlin: suhrkamp, 13-37.
Heike Delitz (2008): Gemeinschaft, in: Stefan Gosepath/Wilfried Hinsch/Beate Rössler (Hg.): Handbuch der Politischen Philosophie und Sozialphilosophie. Band 1, Berlin: de Gruyter, 376-380.
Axel Honneth (2000): Posttraditionale Gemeinschaften. Ein konzeptueller Vorschlag, in: Ders.: Das Andere der Gerechtigkeit. Aufsätze zu praktischen Philosophie, Frankfurt/Main: suhrkamp, 328-338.
Chantal Mouffe (2007): Über das Politische. Wider die kosmopolitische Illusion, Frankfurt/Main: suhrkamp, 7-47.
Chantal Mouffe (2007): Pluralismus, Dissens und demokratische Staatsbürgerschaft, in: Martin Nonhoff (Hg.): Diskurs – radikale Demokratie – Hegemonie. Zum
politischen Denken von Ernesto Laclau und Chantal Mouffe, Bielefeld: transcript, 41-53.
Jean-Luc Nancy (2003): Politics I and Politics II, in: Jonathan Culler (Ed.).: Deconstruction. Critical Concepts in Literary and Cultural Studies. Vol. IV, London – New York: Routledge, 94-11.
Jacques Rancière (2002): Das Unvernehmen. Politik und Philosophie, Frankfurt/Main: suhrkamp, 105-131.
Beate Rössler (1994): Gemeinschaft und Freiheit. Zum problematischen Verhältnis von Feminismus und Kommunitarismus, in: Christel Zahlmann (Hg.): Kommunitarismus in der Diskussion. Eines streitbare Einführung, Berlin: Rotbuch, 74-85.
Carl Schmitt (1963/1932): Der Begriff des Politischen, Berlin: Duncker & Humblot, 6. Auflage, 20-58.
Charles Taylor (2002): Wieviel Gemeinschaft braucht die Demokratie?, in: Ders.: Wieviel Gemeinschaft braucht die Demokratie, Frankfurt/Main: suhrkamp, 11-29.
Michael Walzer (1990): The Communitarian Critique of Liberalism, in: Political Theory, Vol. 18. No. 1, 6-23.
Dietmar Wetzel (2008): Gemeinschaft. Vom Unteilbaren des geteilten Miteinanders, in: Stephan Moebius/Andreas Reckwitz (Hg.): Poststrukturalistische Sozialwissenschaften, Frankfurt/Main: suhrkamp, 43-57.

Zuordnung im Vorlesungsverzeichnis

Letzte Änderung: Mo 07.09.2020 15:38