Universität Wien FIND

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230041 SE Kritische Theorie à la Viennese. Das soziologische Werk Heinz Steinerts (2020W)

6.00 ECTS (2.00 SWS), SPL 23 - Soziologie
Prüfungsimmanente Lehrveranstaltung

An/Abmeldung

Details

max. 35 Teilnehmer*innen
Sprache: Deutsch

Lehrende

Termine (iCal) - nächster Termin ist mit N markiert

Update 1.11.2020 (Covid 19): bis auf weiteres Umstellung auf digitale Lehre.
Update 17.11.2020 (Covid 19): Umstellung auf digitale Lehre bis mindestens 20.12.2020
Update 17.12.2020 (Covid 19): Umstellung auf digitale Lehre bis zum Semesterende

Freitag 23.10. 12:45 - 15:45 Hybride Lehre
Inst. f. Soziologie, Seminarraum 1, Rooseveltplatz 2, 1.Stock
Freitag 06.11. 12:45 - 15:45 Digital
Freitag 20.11. 12:45 - 15:45 Digital
Freitag 04.12. 12:45 - 15:45 Digital
Freitag 18.12. 12:45 - 15:45 Digital
Freitag 15.01. 12:45 - 15:45 Digital
Freitag 29.01. 12:45 - 15:45 Digital

Information

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

Heinz Steinert (1942–2011), bis vor kurzem noch Geheimtipp unter den Kritischen TheoretikerInnen, wird heute wieder vermehrt gelesen. Die Rezeption ist dabei angesichts des umfangreichen Werkes, das der 2011 verstorbene österreichische Soziologe hinterlassen hat, selektiv. Kennen ihn die einen als Professor am Fachbereich Gesellschaftswissenschaften der Universität Frankfurt, nehmen andere nur den Kriminalsoziologen, Gründer und langjährigen Leiter des Instituts für Rechts- und Kriminalsoziologie in Wien wahr. Frankfurt und Wien scheinen zwei völlig verschiedene Welten zu sein.
Als Kriminalsoziologe kreiste Steinerts Denken um Devianz und soziale Ausschließung, die frühe Beschäftigung mit dem angloamerikanischen Labeling Approach (u.a. Cremer-Schäfer/Steinert 2014 [1998]) führte ihn zur Rezeption des Symbolischen Interaktionismus, zu dem er bereits 1973 einen wegweisenden Sammelband mit Schlüsseltexten herausgab und teilweise mitübersetzte (Steinert 1973). Als Kritischer Theoretiker waren ihm Geschichte, Gegenwart und Zukunft der Kritischen Theorie ein Herzensanliegen (vgl. u.a. Steinert 2007), als Soziologiehistoriker und Musiksoziologe begab er sich auf die Spuren Adornos in Wien (Steinert 1989; 1992), als Marxismuskenner beschäftigte er sich mit Begriff und Entwicklung des Kapitalismus (Resch/Steinert 2009) ebenso wie mit den veränderten Bedingungen der Wissenschaftsproduktion in Zeiten der vermeintlichen „Wissensgesellschaft“, die Wissensarbeit real entqualifiziert. Steinert beschäftigte sich aber auch mit kulturindustriellen Spektakeln (Steinert 2018 [1998]) in Fußball (Steinert 2010) und Film (Frölich/Loewy/Steinert 2001), mit Michel Foucault (Steinert 1978), Pierre Bourdieu oder zuletzt mit „Max Webers unwiderlegbaren Fehlkonstruktionen“ (Steinert 2010).
Im Seminar soll das umfangreiche soziologische Werk Steinerts gemeinsam diskutiert und in den Kontext Kritischer Theorie gestellt werden.

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

Hinweis der SPL:
Die Erbringung aller Teilleistungen ist Voraussetzung für eine positive Beurteilung, wenn nicht explizit etwas anderes vermerkt wurde.
Werden einzelne verpflichtende Teilleistungen nicht erbracht, gilt die Lehrveranstaltung als abgebrochen. Falls dem Nichterbringen der Leistung kein wichtiger und unvorhersehbarer Grund seitens des/der Studierenden vorliegt, wird die LV negativ beurteilt.
Bei Vorliegen eines solchen Grundes (zB eine längere Erkrankung) kann der/die Studierende auch nach Ablauf der Frist von der LV abgemeldet werden. Über das Vorliegen eines wichtigen Grundes entscheidet die Lehrveranstaltungsleitung. Der Antrag auf Abmeldung ist unverzüglich nach Eintreten des Grundes zu stellen.
Wurde eine Teilleistung erschlichen, d.h. etwa bei einer Prüfung oder einem Test geschummelt, bei einer schriftlichen Arbeit plagiiert oder auch Unterschriften auf Anwesenheitslisten gefälscht, wird die gesamte Lehrveranstaltung als "nicht beurteilt" gewertet und mit dem Vermerk "geschummelt/erschlichen" in das Notenerfassungssystem eingetragen.
Im Zuge der Beurteilung kann eine Plagiatssoftware (Turnitin in Moodle) zur Anwendung kommen: Details werden von den Lehrenden in der Lehrveranstaltung bekanntgeben.

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

1.) Zwei Rezensionen von Artikeln (Details werden am 23. Oktober bekannt gegeben) (40%).
2.) Aktive Partizipation in Lektüre und Diskussion (15%).
3.) Präsentationen zu einem der Werke aus der Literaturliste (Gruppenarbeit) (15%).
4.) Seminararbeit (30%).

Prüfungsstoff

Literatur

Cremer-Schäfer, H./Steinert, H. (2014 [1998]). Straflust und Repression. Zur Kritik der populistischen Kriminologie. Münster: Westfälisches Dampfboot.
Frölich, M./Loewy, H./Steinert, H. (Hg.) (2001). Lachen über Hitler – Auschwitz-Gelächter? Filmkomödie, Satire und Holocaust. München: edition text+kritik.
Resch, C./Steinert, H. (2011 [2009]). Kapitalismus: Porträt einer Produktionsweise. Münster: Westfälisches Dampfboot.
Steinert, H. (Hg.) (1973). Symbolische Interaktion. Arbeiten zu einer reflexiven Soziologie. Stuttgart: Ernst Klett Verlag.
Steinert, H. (1978). »Ist es denn aber auch wahr, Herr F? ›Überwachen und Strafen‹ unter der Fiktion gelesen, es handle sich dabei um eine sozialgeschichtliche Darstellung«, Kriminalsoziologische Bibliografie 5(19/20), S. 30–45.
Steinert, H. (1984). »Das Interview als soziale Interaktion«. In: Meulemann, H./Reuband, K.-H. (Hg.): Soziale Realität im Interview. Empirische Analysen methodischer Probleme. Frankfurt am Main/New York: Campus, S. 17–59.
Steinert, H. (1989). Adorno in Wien. Über die (Un-)Möglichkeit von Kunst, Kultur und Befreiung. Wien: Verlag für Gesellschaftskritik.
Steinert, H. (1992). Die Entdeckung der Kulturindustrie. Oder: Warum Professor Adorno Jazz nicht ausstehen konnte. Wien: Verlag für Gesellschaftskritik.
Steinert, H. (Hg.) (1998a). Die (mindestens) zwei Sozialwissenschaften in Frankfurt und ihre Geschichte (= Studientexte zur Sozialwissenschaft, Band 3). Frankfurt: J.W. Goethe Universität Frankfurt.
Steinert, H. (Hg.) (1998b). »Reflexivität. Zur Bestimmung des Gegenstandsbereichs der Sozialwissenschaften«. In: Ders. (Hg.): Zur Kritik der empirischen Sozialforschung. Ein Methodengrundkurs (Studientexte Sozialwissenschaft, Band 14). Frankfurt am Main: Eigenverlag, S. 15–28.
Steinert, H. (1998c). »Genau hinsehen, geduldig nachdenken und sich nicht dumm machen lassen«. In: Ders. (Hg.): Zur Kritik der empirischen Sozialforschung. Ein Methodengrundkurs (Studientexte Sozialwissenschaft, Band 14). Frankfurt am Main: Eigenverlag, S. 67–79.
Steinert, H. (2007). Das Verhängnis der Gesellschaft und das Glück der Erkenntnis: Dialektik der Aufklärung als Forschungsprogramm (=Kritische Theorie und Kulturforschung, Band 10). Münster: Westfälisches Dampfboot.
Steinert, H. (2010): Max Webers unwiderlegbare Fehlkonstruktionen. Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus. Frankfurt am Main: Campus.
Steinert, H. (2018 [1998]). Kulturindustrie (= Einstiege. Grundbegriffe der Sozialphilosophie und Gesellschaftstheorie, Band 5). Münster: Westfälisches Dampfboot.

Zuordnung im Vorlesungsverzeichnis

Letzte Änderung: Do 17.12.2020 13:48