Universität Wien FIND

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230058 SE Inklusionsprobleme und Exklusionsrisiken in der Gegenwartsgesellschaft (2021S)

Theoretische Rahmungen und empirische Erkundungen

4.00 ECTS (2.00 SWS), SPL 23 - Soziologie
Prüfungsimmanente Lehrveranstaltung
DIGITAL
Mo 07.06. 16:45-20:00 Digital

An/Abmeldung

Details

max. 35 Teilnehmer*innen
Sprache: Deutsch

Lehrende

Termine (iCal) - nächster Termin ist mit N markiert

Update 22.04.2021 (Covid 19): Umstellung auf digitale Lehre bis zum Semesterende

Update 24.03.2021 (Covid19): digitale Lehre bis mindestens 16.05.2021

Update 22.02.2021: Die Lehrveranstaltung ist nach der Hauptanmeldephase ausgelastet. Keine Restplatzvergabe möglich.

Update 28.01.2021 (Covid19): Umstellung auf digitale Lehre bis mindestens 11.04.2021 - Ende der Osterferien.

Datenstand Dez.2020: Bei anhaltenden Einschränkungen im Kontext von
Covid 19 werden Einheiten, die aktuell als hybrid geplant sind, auf
digitalen Unterricht umgestellt. Beachten Sie bitte die Ankündigungen
der Lehrveranstaltungsleitung bzw. die Updates im Vorlesungsverzeichnis.

Montag 01.03. 16:45 - 20:00 Digital
Montag 15.03. 16:45 - 20:00 Digital
Montag 12.04. 16:45 - 20:00 Digital
Montag 26.04. 16:45 - 20:00 Digital
Montag 10.05. 16:45 - 20:00 Digital
Montag 21.06. 16:45 - 20:00 Digital

Information

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

Der Exklusionsbegriff hat sich im Laufe der letzten Jahrzehnte auf breiter Ebene zur Bezeichnung und Analyse von kritischen Soziallagen, Marginalisierungsphänomenen und Ausgrenzungsprozessen etabliert. Neu ist vor allem die Beobachtung zunehmender Irrelevanz bestimmter Bevölkerungsgruppen für das sogenannte normale Funktionieren der Gesellschaft, wie etwa der von Heinz Bude geprägte Begriff der "Überflüssigen" zum Ausdruck bringt. Die politische Attraktivität des Begriffs liegt Armin Nassehi zufolge darin, dass er einerseits Radikalität in Anspruch nimmt und andererseits die Lösung des Problems gleich mitzuliefern scheint, nämlich Inklusion. Weniger problematisiert wird die „Inklusionsseite“, obwohl etwa auch Hyperinklusion Lebenschancen und Teilhabemöglichkeiten von Individuen und Gruppen vermindern kann.

In verschiedenen sozialwissenschaftlichen Theorie- und Forschungstraditionen ist der Begriff jeweils anders konzipiert. Er findet beispielsweise im Rahmen der Armutsforschung Verwen-dung, und zwar im Sinne einer Erweiterung des Armutsbegriffs in Richtung einer ungleichen Teilhabe an gesellschaftlichen Möglichkeiten und zur Erfassung kumulierender Benachteiligung bzw. multipler Deprivation. Weiters nutzt die Soziologie sozialer Ungleichheit den Exklusionsbegriff, um aktuelle gesellschaftliche Strukturumbrüche erfassen zu können und den Blick auf gesellschaftliche Randgruppen und deren strukturelle Verknüpfung mit dem Zentrum der Gesellschaft als Ort, an dem Exklusion erzeugt wird, zu erweitern und zu schärfen. Die systemtheoretischen Konzepte von Inklusion/Exklusion zielen auf die Schnittstelle zwischen psychischen und sozialen Systemen, beschreiben Exklusionsindividualität als zentrales gesellschaftliches Strukturmerkmal in der Moderne und identifizieren Organisationen als „Exklusionsmaschinen“.

Im Seminar sollen einerseits theoretische Konzepte sozialer Inklusion und Exklusion daraufhin geprüft werden, inwieweit sie erkenntnisreiche Perspektiven für empirische Erkundungen be-reitstellen. Zum anderen findet eine Auseinandersetzung mit empirischen Beobachtungen bzw. Studien zu Inklusionsproblemen und Exklusionsrisiken in der Gegenwartsgesellschaft statt, die ihrerseits wiederum auf mögliche theoretische Verortungen bzw. Einbettungen hin befragt werden können.

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

Lektüre von Basistexten und Ausarbeitung von Fragestellungen, aktive Mitarbeit/-diskussion in der Lehrveranstaltung bzw. in vorgegebenen Online-Foren/Formaten, Präsentation einer thematisch relevanten empirischen Studie/empirischer Daten in einer (Online-)Präsenzeinheit inkl. Rückbindung der empirischen Erkenntnisse an theoretische Konzepte/Modelle, kurze schriftliche Reflexionsarbeit zum eigenen Präsentationsschwerpunkt.

Hinweis der SPL:
Die Erbringung aller Teilleistungen ist Voraussetzung für eine positive Beurteilung, wenn nicht explizit etwas anderes vermerkt wurde.
Werden einzelne verpflichtende Teilleistungen nicht erbracht, gilt die Lehrveranstaltung als abgebrochen. Falls dem Nichterbringen der Leistung kein wichtiger und unvorhersehbarer Grund seitens des/der Studierenden vorliegt, wird die LV negativ beurteilt.
Bei Vorliegen eines solchen Grundes (zB eine längere Erkrankung) kann der/die Studierende auch nach Ablauf der Frist von der LV abgemeldet werden. Über das Vorliegen eines wichtigen Grundes entscheidet die Lehrveranstaltungsleitung. Der Antrag auf Abmeldung ist unverzüglich nach Eintreten des Grundes zu stellen.
Wurde eine Teilleistung erschlichen, d.h. etwa bei einer Prüfung oder einem Test geschummelt, bei einer schriftlichen Arbeit plagiiert oder auch Unterschriften auf Anwesenheitslisten gefälscht, wird die gesamte Lehrveranstaltung als "nicht beurteilt" gewertet und mit dem Vermerk "geschummelt/erschlichen" in das Notenerfassungssystem eingetragen.
Im Zuge der Beurteilung kann eine Plagiatssoftware (Turnitin in Moodle) zur Anwendung kommen: Details werden von den Lehrenden in der Lehrveranstaltung bekanntgeben.

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

Update Covid 19, 01.03.2021
Die Bewertung setzt sich aus folgenden drei Leistungsbereichen zusammen:
* Lektüre von Basistexten und Ausarbeitung von Fragestellungen (schriftlich) – 34 Punkte
* Aktive Mitarbeit/-diskussion im Moodle-Forum (jeweils mind. 2 Beiträge zu zwei verschiedenen von drei angebotenen Forumsfragen) und in der (Online-)Präsenzeinheit – 33
Punkte
* EINER der beiden folgenden Leistungsbereiche (in Absprache mit LV-Leitung spätestens in der 2. Einheit am 15.03.2021):
(a) Mündlicher Input (Referat) zu ergänzenden Schwerpunkten (s.o.) in einer (Online-)Präsenzeinheit inkl. Rückbindung der empirischen Erkenntnisse an theoretische Konzepte/Modelle UND aussagekräftigem Handout (nach wissenschaftlichen Kriterien - muss bei Input vorliegen) – 33 Punkte
ODER
(b) Schriftliche Arbeit zu themenbezogener Schwerpunktsetzung – 33 Punkte

Für eine positive Beurteilung der LV sind mehr als 50 Punkte erforderlich, keine Teilleistung darf zugleich fehlen oder negativ sein:

• 89-100 Punkte: Sehr Gut
• 76-88 Punkte: Gut
• 64-75 Punkte: Befriedigend
• 51-63 Punkte: Genügend
• 0-50 Punkte: Nicht Genügend

ursprünglicher Eintrag:
Die Bewertung setzt sich aus folgenden vier Leistungsbereichen zusammen:
*) Lektüre von Basistexten und Ausarbeitung von Fragestellungen (schriftlich) – 25 Punkte
*) aktive Mitarbeit/-diskussion in der Lehrveranstaltung bzw. im Moodle-Chat oder ggf. (d.h. falls durch LV-Leitung vorgegeben bzw. freigestellt) durch äquivalente Online-Foren/Formate – 25 Punkte
*) Präsentation einer thematisch relevanten empirischen Studie/empirischer Daten in einer (On-line-)Präsenzeinheit inkl. Rückbindung der empirischen Erkenntnisse an theoretische Konzep-te/Modelle – 25 Punkte
*) schriftliche Reflexionsarbeit zur eigenen Präsentation – 25 Punkte

Für eine positive Beurteilung der LV sind mehr als 50 Punkte erforderlich, keine Teilleistung darf komplett fehlen, in jedem Teilbereich müssen mindestens 10 Punkte erzielt werden.
• 89-100 Punkte: Sehr Gut
• 76-88 Punkte: Gut
• 64-75 Punkte: Befriedigend
• 51-63 Punkte: Genügend
• 0-50 Punkte: Nicht Genügend

Prüfungsstoff

Literatur

Bohn, Cornelia, 2008: Inklusion/Exklusion: Theorien und Befunde. Von der Ausgrenzung aus der Gemeinschaft zur inkludierenden Exklusion. Soziale Systeme 14(2), S. 171–190.
Bora, Alfons, 2005: Partizipation als politische Inklusionsformel. In: Gusy, Christoph/Haupt, Heinz-Gerhard (Hg.): Inklusion und Partizipation. Politische Kommunikation im historischen Wandel. Frankfurt/New York: Campus, S. 15-34.
Bude, Heinz, 1998: Die Überflüssigen als transversale Kategorie. In: Berger, Peter A./Vester, Michael (Hg.): Alte Ungleichheiten, neue Spaltungen. Opladen: Westdt. Verlag, S. 363-382.
Bude, Heinz/Willisch, Andreas (Hg.), 2006: Das Problem der Exklusion. Ausgegrenzte, Entbehrliche, Überflüssige. Hamburg: Hamburger Edition.
Burzan, Nicole/Lökenhoff, Brigitta/Schimank, Uwe/Schöneck, Nadine M., 2008: Das Publikum der Gesellschaft. Inklusionsverhältnisse und Inklusionsprofile in Deutschland. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.
Castel, Robert, 2008: Die Fallstricke des Exklusionsbegriffs. In: Bude, Heinz/Willisch, Andreas (Hg.): Exklusion. Die Debatte über die "Überflüssigen". 2. Auflage, Frankfurt am Main: Suhrkamp, S. 69–86.
Deutschmann, Christoph, 2009: Geld als universales Inklusionsmedium moderner Gesellschaften. In: Stichweh, Rudolf/Windolf, Paul (Hg.): Inklusion und Exklusion: Analysen zur Sozial-struktur und sozialen Ungleichheit. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, S. 223-239.
Gertenbach, Lars, 2008: Ein „Denken des Außen“ – Michel Foucault und die Soziologie der Exklusion. Soziale Systeme 14(2), S. 308-328.
Häussermann, Hartmut/Kronauer, Martin, 2009: Räumliche Segregation und innerstädtisches Ghetto. In: Stichweh, Rudolf/Windolf, Paul (Hg.): Inklusion und Exklusion: Analysen zur Sozialstruktur und sozialen Ungleichheit. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, S. 157-173.
Hillebrandt, Frank, 1999: Exklusionsindividualität. Moderne Gesellschaftsstruktur und die soziale Konstruktion des Menschen. Opladen: Leske + Budrich.
Kronauer, Martin, 2009: Die Innen-Außen-Spaltung der Gesellschaft. Eine Verteidigung des Exklusionsbegriffs gegen seinen mystifizierenden Gebrauch. In: Solga, Heike/Powell, Jus-tin/Berger, Peter A. (Hg.): Soziale Ungleichheit. Klassische Texte zur Sozialstrukturanalyse. Frankfurt/Main: Campus-Verlag, S. 375–383.
Lemke, Thomas/Rüppel, Jonas, 2017: Reproduktion und Selektion. Gesellschaftliche Implikationen der Präimplantationsdiagnostik. Wiesbaden: Springer.
Luhmann, Niklas, 2005[1995]c: Inklusion und Exklusion. In: Luhmann, Niklas (Hg.): Soziologische Aufklärung 6. Die Soziologie und der Mensch. 2. Auflage, Wiesbaden: VS Verlag für Sozial-wissenschaften, S. 226–251.
Nassehi, Armin, 2008: Exklusion als soziologischer oder sozialpolitischer Begriff. In: Bude, Heinz/Willisch, Andreas (Hg.): Exklusion. Die Debatte über die "Überflüssigen". Frankfurt am Main: Suhrkamp, S. 121–145.
Nassehi, Armin/Nollmann, Gerd, 1997: Inklusionen. Organisationssoziologische Ergänzungen der Inklusions-/Exklusionstheorie. Soziale Systeme 3(2), S. 393–411.
Opitz, Sven, 2008: Die Materialität der Exklusion: Vom ausgeschlossenen Körper zum Körper der Ausgeschlossenen. Soziale Systeme 14(2), S. 229-253.
Schwinn, Thomas, 2000: Inklusion und soziale Ungleichheit. Berliner Journal für Soziologie 10(4), S. 471–483.
Stichweh, Rudolf, 2009: Leitgesichtspunkte einer Soziologie der Inklusion und Exklusion. In: Stichweh, Rudolf/Windolf, Paul (Hg.): Inklusion und Exklusion: Analysen zur Sozialstruk-tur und sozialen Ungleichheit. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, S. 29–42.
Stichweh, Rudolf, 2016: Inklusion und Exklusion. Studien zur Gesellschaftstheorie. 2., erweiterte Aufl., Bielefeld: transcript.

Zuordnung im Vorlesungsverzeichnis

Die Lehrveranstaltung kann für jede Forschungsspezialisierung des Masterstudiums Soziologie herangezogen werden, sofern dies inhaltlich zu Ihrem Masterarbeitsvorhaben passt bzw. mit dem Betreuer oder der Betreuerin abgesprochen wurde.

Letzte Änderung: Do 22.04.2021 09:48