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Achtung! Das Lehrangebot ist noch nicht vollständig und wird bis Semesterbeginn laufend ergänzt.

230066 SE Lektüreseminar: Religionssoziologie nach Max Weber (2013S)

2.00 ECTS (1.00 SWS), SPL 23 - Soziologie
Prüfungsimmanente Lehrveranstaltung

Die für den 10.4.2013 eingeplante Einheit entfällt - es wird voraussichtlich ein Ersatztermin vereinbart.

An/Abmeldung

Hinweis: Ihr Anmeldezeitpunkt innerhalb der Frist hat keine Auswirkungen auf die Platzvergabe (kein "first come, first served").

Details

max. 25 Teilnehmer*innen
Sprache: Deutsch

Lehrende

Termine (iCal) - nächster Termin ist mit N markiert

Mittwoch 13.03. 16:15 - 17:45 Inst. f. Soziologie, Seminarraum 2, Rooseveltplatz 2, 1.Stock
Mittwoch 24.04. 16:15 - 17:45 Inst. f. Soziologie, Seminarraum 2, Rooseveltplatz 2, 1.Stock
Mittwoch 08.05. 16:15 - 17:45 Inst. f. Soziologie, Seminarraum 2, Rooseveltplatz 2, 1.Stock
Mittwoch 22.05. 16:15 - 17:45 Inst. f. Soziologie, Seminarraum 2, Rooseveltplatz 2, 1.Stock
Mittwoch 05.06. 16:15 - 17:45 Inst. f. Soziologie, Seminarraum 2, Rooseveltplatz 2, 1.Stock
Mittwoch 19.06. 16:15 - 17:45 Inst. f. Soziologie, Seminarraum 2, Rooseveltplatz 2, 1.Stock
Freitag 28.06. 16:30 - 18:00 Inst. f. Soziologie, Seminarraum 2, Rooseveltplatz 2, 1.Stock

Information

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

Mit der Religionskritik der Aufklärung sind gesellschaftsgeschichtlich erstmals die kognitiven Bedingungen entstanden, um ein säkulares Verständnis der Gesellschaft und ihrer Subjekte auszubilden. Die Erkenntnis Kants, dass Gott im Medium subjektabhängiger Kognitionen gebildet wird, mehr aber noch die Marx', dass die geschichtlich gebildeten Gesellschaften und (mythischen, religiösen und metaphysischen) Weltbilder menschengemachte Konstruktionen darstellen - sie standen am Beginn der Soziologie und haben ein soziologisches Denken überhaupt erst möglich gemacht. Es nimmt daher nicht Wunder, dass die Analyse der Genese religiösen Denkens und seines Geltungsverlustes in der modernen Gesellschaft auch von Beginn an ein zentraler Erkenntnisgegenstand soziologischen Denkens war.

Es war Max Weber, der die soziologische Reflexion der Religion auf ein neuartiges methodologisches, aber auch empirisches Niveau getrieben hat. Gleichwohl ist ihm - wie Emile Durkheim - nicht gelungen, ein zentrales Erkenntnisproblem religionssoziologischen Denkens zu bewältigen: nämlich die Frage nach der Genese eines religiösen Denkens. Max Weber unterstellt in seiner absolutistisch begründeten Typologie der differenten Handlungsrationalitäten, dass die Struktur religiösen Denkens - ebenso wie die Struktur sinnhaft-intentionalen Handelns - a priori existiert. Dass sich die eine wie die andere Struktur erst konstruktiv bilden müssen, dass dieser empirisch reale Bildungsprozess soziologisch rekonstruierbar ist, ist von Max Weber nicht im Ansatz gedacht worden, mehr noch: er hat es nicht denken können!

In diesem Seminar wird es zunächst darum gehen, die religionssoziologische Erklärungsstrategie Max Webers in ihrer inneren Logik nachzuvollziehen und ihre methodologischen Aporien zu erfassen. Im Anschluss daran wollen wir in die Auseinandersetzung mit verschiedenen religionssoziologischen Ansätzen neueren Datums eintreten, um herauszuarbeiten, welche Antworten dort auf die Frage nach der Genese religiösen Denkens gegeben werden. Zunächst soll dies anhand des phänomenologischen Erklärungsansatzes von Thomas Luckmann geschehen, dann anhand des historisch-genetischen Ansatzes von Günter Dux und des systemtheoretischen von Niklas Luhmann. Zudem wird auf Pierre Bourdieus Konzeption des religiöses Feldes einzugehen sein. Deutlich soll dabei werden, dass die Kritik der Religion als denkstrukturelle Voraussetzung soziologischer Theoriebildung generell akzeptiert wird, die Analyse der Genese religiösen Denkens, seines Geltungsverlustes in der (wissenschaftlichen) Moderne als auch seiner differenten Erscheinungsformen in der modernen Gesellschaft aber erheblich differieren können. Diese Differenzen gilt es schließlich nochmals einer erkenntniskritischen Betrachtung zu unterziehen.

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

Schriftliche Arbeiten, (Gruppen-)Referat inkl. Handout, schriftliche Abschlussprüfung bzw. Hausarbeit, aktive Teilnahme, Anwesenheit

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

Von der Religionskritik der Aufklärung zur Soziologie der Religion - Reflexion der erkenntnissystematischen Bedeutung einer soziologischen Analyse der Genese der Religion und ihres Geltungsverlustes in der modernen Gesellschaft - Auseinandersetzung mit der Religionssoziologie Max Webers und Analyse ihrer epistemologischen und methodologischen Aporien - Erörterung der epistemologischen Prämissen und methodologischen Strategien neuerer religionssoziologisch bedeutender Arbeiten aus dem phänomenologischen, historisch-genetischen, systemtheoretischen und neomarxistischen Theoriekontext und Diskussion ihres Erklärungspotentials.

Prüfungsstoff

Textlektüre, Referate, Diskussionen in Kleingruppen und Plenum, schriftliche Abschlussprüfung bzw. Hausarbeit.

Literatur

Max Weber, Religionssoziologie (Kap. V), in: ders., Wirtschaft und Gesellschaft.
Thomas Luckmann, Die unsichtbare Religion.
Günter Dux, Logik der Weltbilder. Sinnstrukturen im Wandel der Geschichte.
Günter Dux, Religionssoziologie unter dem Verdacht der Metaphysik, in: Trutz Rendtorff (Hg.), Religion als Problem der Aufklärung. Eine Bilanz aus der religionstheoretischen Forschung, S. 158-162.
Niklas Luhmann, Lässt unsere Gesellschaft Kommunikation mit Gott zu?, in: ders., Soziologische Aufklärung 4, S. 227-235.
Pierre Bourdieu, Das religiöse Feld. Texte zur Ökonomie des Heilsgeschehens.
Agathe Bienfait (Hg.), Religionen verstehen. Zur Aktualität von Max Webers Religionssoziologie.

Zuordnung im Vorlesungsverzeichnis

in 905: MA Theorien oder MA ET Erweiterung Theorien

Letzte Änderung: Mo 07.09.2020 15:39