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230079 SE Exklusionsprozesse in ländlich-peripheren Sozialräumen (2013S)

4.00 ECTS (2.00 SWS), SPL 23 - Soziologie
Prüfungsimmanente Lehrveranstaltung

Die Forschung zur sozialen Ungleichheit ist umfangreich und die metatheoretische Erfassung der verschiedenen sozialwissenschaftlichen Diskursstränge schwierig (vgl. dazu auch Reinprecht 2009: 41). Zusammenfassend gesprochen gelten die Entstehung sowie die vielfach festgestellte Zunahme von Ungleichheit, Deprivation und Armut als Konsequenz von kleiner werdenden Haushalten, von zunehmendem Kostendruck der Sozialversicherungssysteme, von einem Prozess der Deregulierung und einer Flexibilisierung der am Markt organisierten Erwerbstätigkeit (Dangschat 2008: 143), von einer Verräumlichung sozialer Probleme (Böhnisch/Schröer 2007) und einer Entgrenzung der Subjekte (ebd.) sowie einer Verschärfung des Verdrängungswettberbs am Arbeitsmarkt (Castel 2000). Robert Castel (2000) verwendet in seiner Gesellschaftsdiagnose für diese Restrukturierungsprozesse von Gesellschaft und ihre sozialen Folgen den Begriff der Exklusion, der als Arbeitsbegriff in diesem Seminar Anwendung findet.

An/Abmeldung

Hinweis: Ihr Anmeldezeitpunkt innerhalb der Frist hat keine Auswirkungen auf die Platzvergabe (kein "first come, first served").

Details

max. 35 Teilnehmer*innen
Sprache: Deutsch

Lehrende

Termine (iCal) - nächster Termin ist mit N markiert

Freitag 15.03. 15:30 - 16:30 Inst. f. Soziologie, Seminarraum 3, Rooseveltplatz 2, 1.Stock (Vorbesprechung)
Samstag 20.04. 09:30 - 18:00 Inst. f. Soziologie, Seminarraum 1, Rooseveltplatz 2, 1.Stock
Samstag 25.05. 09:30 - 18:00 Inst. f. Soziologie, Seminarraum 3, Rooseveltplatz 2, 1.Stock
Samstag 22.06. 09:30 - 18:00 Inst. f. Soziologie, Seminarraum 3, Rooseveltplatz 2, 1.Stock

Information

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

Die Forschung zur sozialen Ungleichheit ist umfangreich und die metatheoretische Erfassung der verschiedenen sozialwissenschaftlichen Diskursstränge schwierig (vgl. dazu auch Reinprecht 2009: 41). Zusammenfassend gesprochen gelten die Entstehung sowie die vielfach festgestellte Zunahme von Ungleichheit, Deprivation und Armut als Konsequenz von kleiner werdenden Haushalten, von zunehmendem Kostendruck der Sozialversicherungssysteme, von einem Prozess der Deregulierung und einer Flexibilisierung der am Markt organisierten Erwerbstätigkeit (Dangschat 2008: 143), von einer Verräumlichung sozialer Probleme (Böhnisch/Schröer 2007) und einer Entgrenzung der Subjekte (ebd.) sowie einer Verschärfung des Verdrängungswettberbs am Arbeitsmarkt (Castel 2000). Robert Castel (2000) verwendet in seiner Gesellschaftsdiagnose für diese Restrukturierungsprozesse von Gesellschaft und ihre sozialen Folgen den Begriff der Exklusion, der als Arbeitsbegriff in diesem Seminar Anwendung findet.
Arm ist der, dem geholfen wird (Simmel 1908: 551). Damit rückte Georg Simmel (1908) dasjenige Element der Feststellung von Armut in den Vordergrund, das seit dem Beginn der Moderne Gültigkeit hat. So ist es nicht die objektivierbare Feststellung eines Mangels selbst, die AkteurInnen zu Armen werden lässt, sondern die Tatsache, dass ihnen geholfen wird bzw. dass eine soziale Reaktion einsetzt. Diese These liefert wichtige Einblicke in den Konstitutionsprozess von Armut und eröffnet eine Reihe von weiterführenden Fragen für das gegenständliche Seminar und seinen Fokus auf ländlich-periphere Räume.

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

Referate und Seminararbeiten (auch in Kleingruppen möglich)

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

1. Theoriearbeit zu Sozialer Ungleichheitsforschung, Armutsforschung, zu jüngeren Ansätzen des Capability Approach und zum Begriff Inklusion und Exklusion; Begriffsbestimmung ländlicher und peripherer Raum
2. Sekundäranalyse:
a. Sekundäranalyse: Arbeitslosigkeit, Sozialhilfedichte, Einkommensverteilung, aggregierbare Wirtschaftsdaten der Kommunen, Versorgungsdichte mit ÄrztInnen, Sozialen Diensten und sozialtechnischer Infrastruktur
b. Sekundäranalyse: biographische Interviews, Leitfadeninterviews zur Bewältigung von Armut und sozialer Ungleichheit aus 3 Gemeinden NÖs
3. Evtl. begleitend zu 2.: Kontakt- und Vernetzungsarbeit zum Feld (zu möglichen InterviewpartnerInnen); Erarbeitung eines Zugangs zum Feld und den Untersuchungspersonen/KooperandInnen
4. Verfassen von Seminararbeiten

Prüfungsstoff

Inputs/Vorträge durch die Lehrende zu den Grundlagen (A). Unter „B“ ist eine vertiefende Auseinandersetzung der Studierenden mit Felddaten nicht nur in Gestalt von Referaten sondern auch in felderkundenden Übungen voraussetzend. Die Verschriftlichung von Erkenntnissen erfolgt im Rahmen einer Seminararbeit (ggf . auch andere Teilleistungen).

Literatur

Amann, A. (2006): Gesellschaftlicher Wandel. Erfolgreiches Handeln und der Wert des Helfens. In: Springenseis, G. (Hg.) Vom Wissen zum Können. Wien, 26 – 38.
Bourdieu, P. et al (1997);: Das Elend der Welt. Zeugnisse und Diagnosen alltäglichen Leidens an der Gesellschaft. Konstanz
Böhnisch, L.; Lenz, K.; Schröer, W. (2009): Sozialisation und Bewältigung: Eine Einführung in die Sozialisationstheorie der zweiten Moderne. Weinheim und München.
Brandstetter, M. ; Stemberger, V. (2011). Von der Armut auf dem Land. Die Diskurs- und Hilfepraxen zur Not zugezogener Familien in einer ländlichen Kleinstadt. In: Reinprecht, C.; Verwiebe, R.; Weiss H. (Hg.) Armut in Österreich. Wien S. 308 - 328
Braye S. (1996): Empowering practice in social care. In: Braye, S.; Preston-Shoot, M. ders. Buckingham
Castel, R. (2005): Die Stärkung des Sozialen. Leben im neuen Wohlfahrtsstaat. Hamburg
Chassé, Karl-August (1996). Ländliche Armut im Umbruch. Lebenslagen und Lebensbewältigung.
Opladen: Leske + Budrich.
Cremer-Schäfer, H. (2005): Situationen sozialer Ausschließung und ihre Bewältigung durch die Subjekte. In: Anhorn, R.; Bettinger, F. (Hrsg.): Sozialer Ausschluss und Soziale Arbeit. Positionsbestimmungen einer kritischen Theorie und Praxis sozialer Arbeit. Wiesbaden, 147-167
Giddens, A. (1997): Die Konstitution der Gesellschaft. Frankfurt/Main, 4. Aufl.
Habermas, J. (1985): Die Krise des Wohlfahrtsstaates und die Erschöpfung utopischer Energien. In: Habermas, J. : Die neue Unübersichtlichkeit. Frankfurt am Main
Ipsen, D. (1991). Stadt und Land. Metamorphosen einer Beziehung. In Häußermann, H. (Hg.), Stadt und Raum. Soziologische Analysen (S. 115-154). Pfaffenweiler
Keupp, H.; Höfer R. (2001): Identitätsarbeit heute? Klassische und aktuelle Perspektiven der Identitätsforschung . Frankfurt am Main
Reinprecht, C. (2009): Soziale Ungleichheit: Konzeptuelle Perspektiven. In: Dimmel, N.; Heitzmann, K.; Schenk, M. (Hrsg.): Handbuch Armut in Österreich, Innsbruck. 26 – 37
Reinprecht, C. (2011): Armutsforschung und die Transformation des Sozialen. Versuch einer zusammenfassenden Diagnose aus vergleichender Perspektive. S. 348 - 361
Schneider, W. L.: (2002): Grundlagen der soziologischen Theorie. 3 Bde. Opladen
Simmel, G. (1992): Der Arme. Exkurs über die Negativität kollektiver Verhaltungsweisen. In: Ders.: Soziologie. Untersuchungen über die Formen der Vergesellschaftung. Gesamtausgabe Band 11, herausgegeben von Otthein Rammstedt, Frankfurt am Main. 512-555
Schroer, M. (2001): Die im Dunkeln sieht man doch. Inklusion, Exklusion und die Entdeckung der Überflüssigen. In: Mittelweg 36 10. 33 – 48
Street, D.; Martin, G. T.; Cramer-Gordon, L. (1979): The welfare industry. Beverly Hills. London.
Tovey, H. (2001): Ländliche Armut – eine politisch-ökonomische Perspektive. In: Berliner Debatte Initial 12/6. S. 5 - 16
Wolff, S. (1983): Zur Produktion von Fürsorglichkeit. Bielefeld
Verwiebe, R. (2011): Armut in Österreich – Bestandsaufnahme der sozialwissenschaftlichen Diskussion und Trends im europäischen Kontext. S. 3 - 23
Vester, M. et.al. (2001). Soziale Milieus im gesellschaftlichen Strukturwandel. Zwischen Integration und Ausgrenzung. Frankfurt/Main

Zuordnung im Vorlesungsverzeichnis

in 905: MA F Forschungsspezialisierung Sozialstruktur und soziale Integration oder MA EF Erweiterung einer gewählten Forschungsspezialisierung

Letzte Änderung: Mo 07.09.2020 15:39