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230127 VO Kultursoziologie zwischen Pessimismus und theoretischer Grundlage der Soziologie (2012W)

4.00 ECTS (2.00 SWS), SPL 23 - Soziologie

Erster Prüfungstermin: MI 30.01.2013 16.15-17.45 Hörsaal 16
Anmeldefrist: 10.01.2013 12:00 - 28.01.2013 12:00

Details

Sprache: Deutsch

Prüfungstermine

Lehrende

Termine (iCal) - nächster Termin ist mit N markiert

Mittwoch 10.10. 16:15 - 17:45 Hörsaal 16 Hauptgebäude, Hochparterre, Stiege 5
Mittwoch 17.10. 16:15 - 17:45 Hörsaal 16 Hauptgebäude, Hochparterre, Stiege 5
Mittwoch 24.10. 16:15 - 17:45 Hörsaal 16 Hauptgebäude, Hochparterre, Stiege 5
Mittwoch 31.10. 16:15 - 17:45 Hörsaal 16 Hauptgebäude, Hochparterre, Stiege 5
Mittwoch 07.11. 16:15 - 17:45 Hörsaal 16 Hauptgebäude, Hochparterre, Stiege 5
Mittwoch 14.11. 16:15 - 17:45 Hörsaal 16 Hauptgebäude, Hochparterre, Stiege 5
Mittwoch 21.11. 16:15 - 17:45 Hörsaal 16 Hauptgebäude, Hochparterre, Stiege 5
Mittwoch 28.11. 16:15 - 17:45 Hörsaal 16 Hauptgebäude, Hochparterre, Stiege 5
Mittwoch 05.12. 16:15 - 17:45 Hörsaal 16 Hauptgebäude, Hochparterre, Stiege 5
Mittwoch 12.12. 16:15 - 17:45 Hörsaal 16 Hauptgebäude, Hochparterre, Stiege 5
Mittwoch 09.01. 16:15 - 17:45 Hörsaal 16 Hauptgebäude, Hochparterre, Stiege 5
Mittwoch 16.01. 16:15 - 17:45 Hörsaal 16 Hauptgebäude, Hochparterre, Stiege 5
Mittwoch 23.01. 16:15 - 17:45 Hörsaal 16 Hauptgebäude, Hochparterre, Stiege 5

Information

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

Kultursoziologie? Bei diesem Wort wurde schon vor Jahren die Nase gerümpft. Kultur ist in der Version empirischer Soziologie ein Unwort. Gewiss, Kultur ist außerordentlich belastet und nicht erst seit dem Zeitpunkt, zu dem man der Kultur den Begriff der Zivilisation entgegenstellte. Natürlich war diese angloamerikanische Terminologie bei Soziologen beliebter. Speziell nach 1945 war man der festen Überzeugung, die Gesellschaften würden nicht nur bald eine beliebige Vergleichbarkeit zeigen, somit eine recht gute allgemeine Erforschbarkeit, sondern die Zivilisation wird endlich diese romantische Bestimmung im Begriff der Kultur ablösen. Und diese Bestimmung stand grundsätzlich unter dem Verdacht der Ideologie. Kultursoziologie war ja nach Ansicht vieler Soziologen mehr oder weniger aus der Geschichtswissenschaft entlaufen, war mehr oder weniger ein problematisches Resultat aus einer Geschichtsphilosophie, die sich ab der französischen Revolution entweder konservativ gebärdete und den nahen Untergang des Europäischen prophezeite, oder aber war als die Aufbesserung einer Methode der Ethnologie verstanden worden. Für diese historische Disziplin, also für die Ethnologie, war der Begriff der Kultur gerade noch zugelassen, so es sich um die Systematisierung von Pfeilspitzen, Grabbeigaben oder Tätowierungen gehandelt hat. Das ließen sogar Soziologen gelten, sollte der Begriff der Kultur strikt bei der Vorgeschichte von Gesellschaft oder gar der Hominisation angewendet werden.
Und die Abneigung gegenüber der Kultursoziologie war noch gewachsen, da vor etwa 100 Jahren sich Soziologien positionierten, die zum einen dem Vorwurf der Ideologieproduktion ausgesetzt waren, zum anderen wollte man tunlichst vermeiden, in einer Sozialwissenschaft schon wieder bei der Geschichte zu landen. Das kann doch nicht der Sinn dieses neuen Faches sein, das Auguste Comte so mühsam aus der Geschichtswissenschaft herausgelöst, ja den historischen Fakten einen neuen Interpretationsrahmen gegeben hatte. Immerhin hatte er diese Entwicklungen des Denkens, der Welt- und Daseinsinterpretation in Prozessen gesehen, die in eine Phase der Positivierungen hineinliefen. Es war das Merkmal des Modernen.
Kurzum, für die Soziologen war diese Ablöse aus der Geschichte eine historische Leistung, die die Geburt der Soziologie erlaubte, aber eine Rückkehr über eine Kultursoziologie in diese geschichtswissenschaftliche Nomenklatur war unerwünscht. Und daher beschuldigte man bis heute die Kultursoziologie, sie sei pessimistisch, leide unter der Hypochondrie von Untergangsbeschwörungen. Gewiss war dieser Verdeacht nicht unbegründet, denn der Einfluss von Oswald Spengler oder später von Arnold Toynbee und schließlich von Huntingtons `Clash of Civilization´ war deutlich spürbar, wollte man über Ziele sozialer Entwicklungen plaudern. Fukuyama fügte mit dem `Ende der Geschichte` noch eine Hegelianische Verschärfung dieser Debatte hinzu, weshalb sich Soziologen sehr gern an Karl Poppers `Elend des Historizimus` klammerten, dessen Inhalt ja wirklich wie ein Hort der Vernunft erschienen war.
Gerade diese Geschichte macht es so schwer, von der Bedeutung der Kultursoziologie zu sprechen.

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

Prüfungsstoff

Literatur

wird in der ersten Einheit bekanntgegeben

Müller-Jentsch, Walther: Die Kunst in der Gesellschaft. Wiesbaden: VS-Verlag 2011

Parzer, Michael (Hg.): Musiksoziologie remixed. Impulse aus dem aktuellen kulturwissenschaftlichen Diskurs (extempore 4), Wien: Institut für Musiksoziologie 2000

Smudits, Alfred: Mediamorphosen des Kulturschaffens. Kunst und Kommunikationstechnologien im Wandel. Wien: Braumüller 2002

Storey, John: Cultural Theory and Popular Culture. An Introduction. Edinburgh Gate et al.: Pearson Education Limited 2001

Zuordnung im Vorlesungsverzeichnis

in 905: MA F Kultur und Gesellschaft

Letzte Änderung: Mo 07.09.2020 15:39