Universität Wien FIND

Kehren Sie für das Sommersemester 2022 nach Wien zurück. Wir planen Lehre überwiegend vor Ort, um den persönlichen Austausch zu fördern. Digitale und gemischte Lehrveranstaltungen haben wir für Sie in u:find gekennzeichnet.

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240064 VO Schwerpunktvorlesung: Bildung und ungleiche Entwicklung (2018W)

Globale Konvergenzen & Divergenzen in der Bildungswelt

BDG

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Details

Sprache: Deutsch

Prüfungstermine

Lehrende

Termine (iCal) - nächster Termin ist mit N markiert

Montag 08.10. 15:00 - 16:30 Hörsaal B UniCampus Hof 2 2C-EG-02
Montag 15.10. 15:00 - 16:30 Hörsaal B UniCampus Hof 2 2C-EG-02
Montag 22.10. 15:00 - 16:30 Hörsaal B UniCampus Hof 2 2C-EG-02
Montag 29.10. 15:00 - 16:30 Hörsaal B UniCampus Hof 2 2C-EG-02
Montag 05.11. 15:00 - 16:30 Hörsaal B UniCampus Hof 2 2C-EG-02
Montag 12.11. 15:00 - 16:30 Hörsaal B UniCampus Hof 2 2C-EG-02
Montag 19.11. 15:00 - 16:30 Hörsaal B UniCampus Hof 2 2C-EG-02
Montag 26.11. 15:00 - 16:30 Hörsaal B UniCampus Hof 2 2C-EG-02
Montag 03.12. 15:00 - 16:30 Hörsaal B UniCampus Hof 2 2C-EG-02
Montag 10.12. 15:00 - 16:30 Hörsaal B UniCampus Hof 2 2C-EG-02
Montag 07.01. 15:00 - 16:30 Hörsaal B UniCampus Hof 2 2C-EG-02
Montag 14.01. 15:00 - 16:30 Hörsaal B UniCampus Hof 2 2C-EG-02
Montag 21.01. 15:00 - 16:30 Hörsaal B UniCampus Hof 2 2C-EG-02

Information

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

Bildung ist einer der zentralen Leitbegriffe der aufklärerischen Moderne, und doch bleibt der Begriff ähnlich vage und ungreifbar wie Entwicklung, Kultur, Demokratie oder andere Leitkonzepte, mit denen ein kollektiver Aufbruch in ein besserer Zeitalter versprochen wurde. In der Diskussion um Internationale Entwicklung nach 1945 lassen sich zwei optimistische Ankündigungsdiskurse unterscheiden:

• Der Bildungsoptimismus der Modernisierungstheorien, die in Bildung einen der Schlüssel für gesellschaftlichen Fortschritt auf allen Ebenen sahen;
• Das Versprechen, einer "anderen" Bildung, die nicht den Interessen der Herrschenden diene, sondern unterdrückte Stimmen hörbar mache, Marginalisierte ans Zentrum heranrücke und die Dichotomie von Wissenden und Unwissenden kritisch hinterfrage (u.a. Gramsci, Freire);
• Ein dritter Diskursstrang erlangte nie derartiges politischer Gewicht: Die Theorien und Experimente der alternativen Pädagogik (u.a. Montessori, Illich).

Was blieb von diesen zwei bzw. drei Bildungsparadigmen in der Zeit nach 1989? Der Mainstream der internationalen Entwicklungsdiskussion konvergierte in diesem Jahren in den Zielbestimmungen im Rahmen der Millennium Development Goals (MDG), die als zweites Ziel die Primarschulbildung aller Kinder bis 2015 ins Auge fasste. Den MDG voran ging die Education for All-Initiative; ihnen folgte das Ziel 4 in den Sustainable Development Goals. Diesen internationalen Prozessen ist die Überzeugung gemeinsam, dass Bildung Entwicklung befördert, wirksam ist, Armut und Ungleichheit zu überwinden.
Im letzten Jahrzehnt ist auch ein anderer Diskurs wirkmächtig geworden, der nun von den wohlhabenden Staaten der OECD getragen wird: Die PISA-Studien erheben weltweit Zahlen und Fakten zur Lage der Bildung in den OECD-Staaten, um diese in einen Vergleich zu bringen. Dahinter steht die Maxime, dass ein besserer Ausbildungsstand der Bevölkerung für die Stellung im globalen Wettbewerb von Vorteil ist. In weiterer Folge wurde viel Energie in die Erarbeitung von Instrumenten zur Standardisierung und weiteren Vergleichbarkeit von Bildung investiert. Haben wir es hier mit einer globalen Konvergenz dieses einstmals so heterogenen Gutes Bildung zu tun?

Neben Konvergenzprozessen lassen sich auf internationaler Ebene aber auch Divergenzprozesse beobachten. Es kann nicht mehr länger davon die Rede sein, dass die Systeme des alten Zentrums Westeuropa und den USA in die peripheren Regionen der Welt expandieren. Neben den alten Zentren haben die Staaten der Semiperipherie einen bemerkenswerten politischen und ökonomischen Aufstieg erlebt, hier insbesondere China, Indien, Brasilien, weiters in gewisser Hinsicht auch Russland und Südafrika. Doch was bedeutet der Aufstieg der BRICS-Staaten für Bildung und die internationalen Debatten um Curricula und Standardisierung? Werden diese bestätigt oder haben wir es mit einem dialektischen Widerspruch zu tun?

In diesem Zusammenhang sind insbesondere jene Initiativen von Interesse, bei denen in Ländern der Peripherie versucht wurde, einen eigenständigen Weg der Bildungspolitik zu beschreiten. Im Rahmen der ALBA-TCP wurdw auch der interregionalen Bildungszusammenarbeit breite Aufmerksamkeit zuteil. Mit Unterstützung Kubas und Venezuelas hat Bolivien die Alphabetisierungskampagne "Yo sí puedo!" gestartet, die laut Regierungsdarstellung zur Beseitigung des Analphabetismus führte. Vergleichbare Kampagnen fanden sich in Nicaragua und in einigen anderen lateinamerikanischen Ländern. Sind diese Initiativen Zugängen der kritischen Theorie der Pädagogik geschuldet?

Ziele:

Die Lehrveranstaltung möchte zum einen Einblick in die aktuelle internationale Debatte zu Bildung & Entwicklung geben. Zum zweiten aber soll einerseits diskutiert werden, inwiefern wir es hier mit globalen Prozessen der Konvergenz oder der Divergenz zu tun haben. Drittens wird gefragt, welche Rolle alternative Ansätze in der Bildungswelt heute spielen.

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

Der Leistungsnachweis erfolgt in Form einer schriftlichen Prüfung am Ende des Semesters bzw. zu den weiteren Prüfungsterminen. Grundlage dafür sind zum einen die Vorträge, zum anderen der HSK-IE-Band 34 "Bildung und Entwicklung".

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

Die Prüfung besteht aus zwei Teilen:
1. Kurze Prüfung zu den Inhalten der Ringvorlesung; wird als "open book"-Test abgehalten. Unter Open-Book-Prüfungen versteht man Prüfungen, bei denen die Prüflinge Materialien wie Bücher und Aufzeichnungen in der Prüfungssituation verwenden dürfen. Nicht erlaubt sind hingegen jegliche elektronischen Geräte. Open-Book-Prüfungen zielen damit auf das Prüfen von Synthese- bzw. Transferleistungen ab. Prüflinge sollen das bereits Gelernte auf einen bestimmten Fall anwenden.
2. Bericht von einer bildungspolitischen Veranstaltung oder einem der RV-Termin oder Rezension eines bildungspolitisch relevanten Buches (von mind. 120 Seiten), 5.000 bis 6.000 Zeichen inkl. Leerzeichen. Wenn die Qualität des Artikels passt, dann wird nach Rücksprache mit dem/der AutorIn der Bericht auf der Website des Freire Zentrums online gestellt. Bitte dabei die universitätsüblichen Formatierungen beachten (Name und Matr.Nr. angeben, 1,5zeiliger Text von 12 Punkt-Schrift).
Vorschläge für Veranstaltungen, über die berichtet werden kann, sowie von Büchern, die rezensiert werden können, werden im Moodle zur LV nach und nach bereitgestellt.

Teil 2 wird zu den Prüfungsterminen gemeinsam mit dem Test abgegeben.

Prüfungsstoff

Der HSK-IE-Band zur Ringvorlesung bildet die Begleitlektüre wie auch die Prüfungsgrundlage zur Lehrveranstaltung:

Faschingeder, Gerald / Kolland, Franz (Hg.): Bildung und Entwicklung. Globale Konvergenzen & Divergenzen in der Bildungswelt. Wien: nap 2015.

Weiters gelten die Vorträge, die nicht im Buch zu finden sind, ebenfalls als Prüfungsgrundlage.

Literatur

Bourdieu, Pierre/Passeron, Jean-Claude (1964): Les héritiers: les étudiants et la culture, Les Éditions de Minuit, Reihe. „Grands documents“ Nr. 18, Paris 1964. Deutsche Teilübersetzung: Die Illusion der Chancengleichheit. Untersuchungen zur Soziologie des Bildungswesens am Beispiel Frankreichs, übersetzt von Barbara und Robert Picht, bearbeitet von Irmgard Hartig, Klett, Stuttgart 1971.

Erler, Ingolf (Hg., 2007): Keine Chance für Lisa Simpson? Soziale Ungleichheit im Bildungssystem. Wien: Mandelbaum.

Erler, Ingolf/Laimbauer, Viktoria/Sertl, Michael (Hg., 2001): Wie Bourdieu in die Schule kommt. Analysen zu Ungleichheit und Herrschaft im Bildungswesen. Innsbruck: Studienverlag (=schulheft 142/2001).

Faschingeder, Gerald / Kolland, Franz (Hg.): Bildung und Entwicklung. Globale Konvergenzen & Divergenzen in der Bildungswelt. Wien: nap 2015.

Freire, Paulo (1971): Pädagogik der Unterdrückten. Bildung als Praxis der Freiheit. Vom Verfasser autorisierte deutsche Übertragung von Werner Simpfendörfer. Stuttgart: Kreuz-Verlag [später: Reinbeck/Hamburg: Rowohlt, 1973].

Illich, Ivan (2003 [1971]): Entschulung der Gesellschaft. München: C.H. Beck.

Krüger, Heinz-Hermann/Rabe-Kleberg, Ursula/Kramer, Rolf-Torsten/Budde, Juergen (Hg.): Bildungsungleichheit revisited: Bildung und soziale Ungleichheit vom Kindergarten bis zur Hochschule. VS: Wiesbaden 2011

Österreichische HochschülerInnenschaft, Paulo Freire Zentrum (Hg., 2005) ; Gerald Faschingeder gem. mit Bernhard Leubolt, Pia Lichtblau, Oliver Prausmüller, Johannes Schimmerl, Angelika Striedinger. Hg. (2005): Ökonomisierung der Bildung. Tendenzen, Strategien, Alternativen. (= Gesellschaft, Entwicklung, Politik; Bd. 5). Mandelbaum; Edition Südwind: Wien.

Zuordnung im Vorlesungsverzeichnis

IE: VM1 bis VM8, Schwerpunkt Bildung

Letzte Änderung: Mi 21.04.2021 13:34