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240074 GR GR: Dirt and Gender - Geschlecht und Un/Reinheit als Differenzkategorie (2020W)

Wahllehrveranstaltung Individuelle Schwerpunktsetzung (pi; 4 ECTS)

Prüfungsimmanente Lehrveranstaltung

MA Gender Studies (Version 2013):
IS Individuelle Schwerpunktsetzung

MA Gender Studies (Version 2020):
PM 3 Individuelle Schwerpunktsetzung
Wahllehrveranstaltung Individuelle Schwerpunktsetzung

An/Abmeldung

Hinweis: Ihr Anmeldezeitpunkt innerhalb der Frist hat keine Auswirkungen auf die Platzvergabe (kein "first come, first served").

Details

max. 25 Teilnehmer*innen
Sprache: Deutsch

Lehrende

Termine

Aufgrund der Covid-19-Bestimmungen kann die Lehrveranstaltung nicht wie geplant im Hörsaal 29 stattfinden, sondern wird digital via Videokonferenztool abgehalten. Detaillierte Informationen erhalten die Teilnehmer*innen vorab via Moodle.

Bitte beachten Sie die folgenden Termine:
DO 08.10.2020 13.15-14.45
DO 15.10.2020 13.15-14.45
DO 22.10.2020 13.15-14.45
DO 29.10.2020 13.15-14.45
DO 05.11.2020 13.15-14.45
DO 12.11.2020 13.15-14.45
DO 19.11.2020 13.15-14.45
DO 03.12.2020 13.15-14.45
DO 10.12.2020 13.15-14.45
DO 17.12.2020 13.15-14.45
DO 07.01.2021 13.15-14.45
DO 14.01.2021 13.15-14.45
DO 21.01.2021 13.15-14.45
DO 28.01.2021 13.15-14.45


Information

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

Das Weibliche als das Unversehrte, Unbefleckte oder als das schmutzige 'Andere', das Weibliche als Symbolgestalt eines allumfassenden Kollektivkörpers, Gesetze zu Sex und Ehe, die Besetzung der Menstruation als unrein, die Imaginationen von Ansteckung und Krankheit im Kontext von Geschlechtskrankheiten, all das sind Beispiele für die Verschränkungen von Reinheitsvorstellungen mit der Kategorie Geschlecht. Wie die Sozialanthropologin Mary Douglas 1966 herausgearbeitet hat, dienen Reinheitsvorstellungen und die ihnen immanente Praxis des Ein- und Ausschlusses der Stabilisierung gesellschaftlicher Ordnung und Hierarchien. Gleichzeitig gefährdet das, was als 'Schmutz' definiert und damit zum Ausgeschlossenen und Anderen wird, von den Randzonen her beständig das System. Insofern eignen sich Reinheitskonzepte und Vorstellungen von Reinheit, Schmutz und Verunreinigung besonders gut, um sie aus der Perspektive der Gender Studies und in Hinblick auf die Kategorie Geschlecht zu lesen. Anhand von Texten aus den Bereichen Anthropologie, Kulturwissenschaft, Geschichte und Gender Studies erhalten die Studierenden einen Überblick über zentrale Aspekte von Reinheits- und Unreinheitsvorstellungen in modernen und vormodernen Gesellschaften und gemeinsam werden die Momente, an denen sich Reinheitsvorstellungen mit Vorstellungen von Körper, Sex und Geschlecht verbinden, herausgearbeitet.

Die Lehrveranstaltung ist in die folgenden Themenblöcke eingeteilt: 1. Dirt and Gender, 2. Dirt, Gender, Race and Class, 3. Dirt and the Body, 4. Dirt and Sex, 5. Dirt and Cleaning.

Die im Guided Reading erarbeiteten Texte eröffnen grundlegendes Wissen über Un/Reinheitskonzeptionen und ihre Verschränkungen mit den Kategorien 'race', 'class' und 'gender'. Die Auseinandersetzung mit geschlechtlicher Rein- und Unreinheit vertieft darüber hinaus das Wissen über zentrale Fragen der Gender Studies und ermöglicht es, Reinheitsvorstellungen für die Analyse von Geschlecht zu nutzen. Die durch Übungen angeleitete Lektüre und gemeinsame Besprechung der Texte unterstützt die Studierenden dabei, Lesetechniken und Techniken des Exzerpierens in Bezug auf die konkrete Fragestellung der Lehrveranstaltung zu entwickeln, historische Kontexte und Narrative zu erkennen und kritisch zu hinterfragen. Durch das Verfassen eigener Kurztexte, die Diskussion und den mündlichen Kommentar wird das schriftliche und mündliche Zitieren und Reformulieren der maßgeblichen Thesen und Argumente der gelesenen Texte geübt und Methoden des wissenschaftlichen Arbeitens erlernt.

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

Pro Einheit wird ein Text über Moodle zur Verfügung gestellt und vorab bekannt gegeben. Dazu werden leseanleitend je 2-3 Fragen gestellt, welche die Studierenden bis zur nächsten Sitzung auf 1-2 Seiten schriftlich ausarbeiten und auf Moodle hochladen. Auf die Ausarbeitung der Fragen erhalten die Studierenden wöchentliches Feedback, sie ist Basis für die mündliche Diskussion. Zusätzlich werden pro Einheit ein bis zwei Studierende einen mündlichen Kommentar zum gelesenen Text vorbereiten, der auch Fragen für die Diskussion formulieren soll.

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

Regelmäßige Teilnahme, Lektüre der Pflichttexte, Beteiligung an der Diskussion und wöchentliche, fristgerechte Abgabe der schriftlichen Übungstexte von 1-2 Seiten auf Moodle, Vorbereitung eines mündlichen Kommentars zu einem Text. Die Benotung setzt sich aus der Beurteilung der Mitarbeit (20%), den Übungstexten (60%) und dem mündlichen Kommentar (20%) zusammen.

Prüfungsstoff

Die zu lesenden Texte werden vorab bekannt gegeben und über Moodle zur Verfügung gestellt.

Literatur

Susanna Burghartz: Zeiten der Reinheit Orte der Unzucht. Ehe und Sexualität in Basel während der Frühen Neuzeit, Paderborn u.a. 1999
Peter Burschel/Christoph Marx (Hg.): Reinheit. Wien/Köln/Weimar 2011.
Christina von Braun: Religiöse Geschlechterordnung und politische Religion. Der Körper des ‚Juden‘ und des ‚Ariers‘ im Nationalsozialismus, in: Paula Diehl: Körper im Nationalsozialismus. Bilder und Praxen (Hg.), München 2006, 7990.
Christina von Braun: Zum Begriff der Reinheit, in: metis. Zeitschrift für historische Frauenforschung und feministische Praxis, 6. Jg. (1997), Heft 11, 625.
Judith Butler, Das Unbehagen der Geschlechter, Frankfurt am Main 1991.
Mary Douglas: Reinheit und Gefährdung. Eine Studie zu Vorstellungen von Verunreinigung und Tabu. Frankfurt am Main 1988.
Anne Fausto-Sterling: Sexing the Body. Gender Politics and the Construction of Sexuality. New York 2000.
Roger Fayet (Hg.): Verlangen nach Reinheit oder Lust auf Schmutz? Gestaltungskonzepte zwischen rein und unrein, Wien 2003.
Griesebner, Andrea: Geschlecht als soziale und als analytische Kategorie. Debatten der letzten drei Jahrzehnte, in: Johanna Gehmacher/Maria Mesner (Hg.): Frauen- und Geschlechtergeschichte. Positionen/Perspektiven. Innsbruck: Studienverlag 2003, 37-52.
Brigitta Hauser-Schäublin: Politik des Blutes. Zur Verkörperung sozialer Ungleichheit als naturgegebene Verschiedenheit am Schnittpunkt zwischen Geschlecht, Klasse und Rasse, in: Zeitschrift für Ethnologie 120 (1995), 3149.
Julia Kristeva: Powers of horror: an essay on abjection. New York 1982.
Sarah Lamb: The Politics of Dirt and Gender. Body Techniques in Bengali India, in: Adeline Masquelier (Hg.): Dirt, Undress and Difference. Critical Perspectives on the Body’s Surface Account. Bloomington 2005, 213232.
Angelika Malinar/Martin Vöhler/Bernd Seidensticker (Hg.): Un/Reinheit. Konzepte und Praktiken im Kulturvergleich, München 2009.
Sherry B. Ortner: The Virgin and the State, in: Feminist Studies 4/3 (1978), 1935.
Waltraud Pulz: Tabula rasa? Vergeistigung des Fleisches und Materialisierung von Spirituellem im 16. Jahrhundert, in: Peter Burschel/Christoph Marx: Reinheit. Wien/Köln/Weimar 2011.
Joan W. Scott: Gender. A Useful Category of Historical Analysis, in: American Historical Review 91 (1986), 1053-1075.
Alfred Springer: Der Reinheitsmythos im rechten Denken, in: Anton Szanya (Hg.): 'Durch Reinheit zur Einheit.' Innsbruck/Wien/München 1999, 126150.
Simon Watney: Policing Desire. AIDS, Pornography and the Me

Zuordnung im Vorlesungsverzeichnis

Letzte Änderung: Do 24.09.2020 09:29