Universität Wien FIND

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240124 SE VM7 / VM3 - Kritische intersektionale Ansätze der globalen Männlichkeitsforschung (2020W)

Prüfungsimmanente Lehrveranstaltung
ISK

An/Abmeldung

Hinweis: Ihr Anmeldezeitpunkt innerhalb der Frist hat keine Auswirkungen auf die Platzvergabe (kein "first come, first serve").

Details

max. 25 Teilnehmer*innen
Sprache: Deutsch

Lehrende

Termine (iCal) - nächster Termin ist mit N markiert

Die Veranstaltung wird ausschließlich digital stattfinden. Hier der Link zur ersten Collaborate-Session. https://eu.bbcollab.com/guest/5e2021d88d77482bad4b67bf7a3ad9b4

Mittwoch 14.10. 11:00 - 14:15 Digital
Mittwoch 28.10. 11:00 - 14:15 Digital
Mittwoch 11.11. 11:00 - 14:15 Digital
Mittwoch 25.11. 11:00 - 14:15 Digital
Mittwoch 09.12. 11:00 - 14:15 Digital
Mittwoch 13.01. 11:00 - 14:15 Digital
Mittwoch 27.01. 11:00 - 14:15 Digital

Information

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

Sozialwissenschaftliche Männlichkeitsforschung hat sich seit den 1970er Jahren zu einem eigenständigen Feld im breiteren Bereich der Geschlechterforschung entwickelt. Dennoch ist ihre Materie – die Untersuchung männlicher Geschlechterkonstitution und ihrer sozialer Wirksamkeit – bisher weit davon entfernt, eine sozialwissenschaftliche Querschnittsmaterie zu sein. Dies ist auch in der Entwicklungsforschung der Fall.

Ziel des Seminars ist es, dem entgegenzuwirken und Bestände der kritischen Männlichkeitsforschung aufzuarbeiten um sie in Folge vor dem Hintergrund von Fragestellungen des Zentrum-Peripherie-Verhältnisses reflektieren zu können. Dabei werden zentrale Befunde der strukturalistischen Männlichkeitsforschung in Bezug gesetzt zur Intersektionalitäsdebatte. Es geht also darum, die materialen (patriarchalen) Hintergründe für die immer noch bestehende weltweite Dominanz androzentrischer Muster an Hand der vielschichtigen Konstitutionszusammenhänge von Männlichkeit zu untersuchen. Dabei fließen neben Geschlecht im eigentlichen Sinn als auch machtkritische, postkoloniale, subjekttheoretische, sozialpsychologische politische und ökonomische Zusammenhänge ein.

Arbeitsgrundlage hierfür wird die Annahme sein, dass Männlichkeit im Rahmen einer differenzierten Patriarchatstheorie erschließbar ist (Jeff Hearn). Auf dieser Basis wird anfangs eine subjekttheoretische Annäherung an Männlichkeit versucht. Klassische psychoanalytische Vorstellungen über Männlichkeit werden diskutiert (Nancy Chodorow). In Folge wird Männlichkeit als handlungswirksamer Habitus (Pierre Bourdieu) erschlossen, der im Kontext sozialer Ungleichheitserfahrungen Bedeutung hat. Mit R.W. Connell wird dann eine der bedeutsamsten kontemporären Theoretikerinnen von Männlichkeit diskutiert.

Von dieser theoretischen Basis ausgehend werden entwicklungspolitisch relevante Themenfelder besprochen. Einführend wird dabei der Status Quo der Männersoziologie mit Michael Meuser besprochen. In Folge wird mit Eva Kreisky die Männlichkeit des Staates anhand der Konstitution von Männerbünden untersucht. Schließlich wird mit Andreas Stückler eine Perspektive auf den Androzentrismus der Ökonomie diskutiert, welche untersucht inwiefern jener auch von Frauen reproduziert werden kann. Am Ende des Seminars wird gemeinsam der empirische Gehalt der weit verbreiteten Diagnose einer ‚Krise der Männlichkeit‘ diskutiert (Michael Meuser/ Sylka Scholz). Diese Zeitdiagnose bietet die Vorlage für eine abschließende Auseinandersetzung mit Strukturdifferenzen hegemonialer Männlichkeit in Zentren und Peripherien, welche auch entlang der intersektionalen Interessensschwerpunkte der Studierenden gestaltet wird.

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

Prüfungsimmanent

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

Mindestanforderung:
Referat, mehr als 50% zeitgerecht abgegebene Zusammenfassungen, Seminararbeit, Mitarbeit
Beurteilungsmaßstab:
Seminararbeit 35%
Zusammenfassungen 35%
Referat 30%
Besondere Mitarbeit verbessert Note

Prüfungsstoff

Da es sich um ein Seminar handelt und Lektüre der Texte die Voraussetzung ist, muss von 30-60 Seiten Lektüre pro Einheit ausgegangen werden, die zeitgerecht (!) zusammenzufassen sind (per Block also zwei Zusammenfassungen und ca. die doppelte Lese-Menge). Hierfür ist das nötige Zeitbudget einzuplanen. Hinzukommt die Arbeit in Referatsgruppen, die bereits in der ersten Einheit vergeben werden. Bitte also vorab entscheiden, ob der Arbeitsaufwand in die Semesterplanung passt.

Literatur

Bourdieu, Pierre. 2012. Die männliche Herrschaft. Frankfurt a.M.: Suhrkamp.
Chodorow, Nancy J. 1990. Feminities, Masculinities, Sexualities. Freud and Beyond. Lexington: The University Press of Kentucky.
Connell, R. W. 2000. The Men and the Boys. Sydney: Allen & Unwin.
Connell, Robert W. 1990. The State, Gender, and Sexual Politics. Theory and Appraisal. In Theory and Society, 507-44.
---. 2005. Masculinities Berkeley/Los Angeles: University of California Press.
Hearn, Jeff. 1992. Men in the public eye. The construction and deconstruction of public men and public patriarchies. London/New York: Routledge.
Kreisky, Eva. 1995. Der Staat ohne Geschlecht? Ansätze feministischer Staatskritik und feministischer Staatserklärung. In: Feministische Standpunkte in der Politikwissenschaft, Hrsg. Kreisky, Eva und Sauer, Birgit, 203-22. Frankfurt am Main: Campus.
---. 2000. Der Stoff, aus dem Staaten sind. Zur männerbündischen Fundierung politischer Ordnung. In: Feministische Perspektiven der Politikwissenschaft, Hrsg. Braun, Kathrin, 144-81. München/Wien.
Kurz, Robert. 1992. Geschlechtsfetischismus. Anmerkungen zur Logik von Weiblichkeit und Männlichkeit. In Krisis, 117-68: Horlemann.
Meuser, Michael. 2010. Geschlecht und Männlichkeit. Soziologische Theorie und kulturelle Deutungsmuster. Wiesbaden: VS-Verlag.
Meuser, Michael und Scholz, Sylka. 2010. Krise oder Strukturwandel hegemonialer Männlichkeit? In: In der Krise?: Männlichkeiten im 21. Jahrhundert, Hrsg. Bereswill, Mechthild und Neuber, Anker, 56-80. Münster: Westfälisches Dampfboot.
Popay, Jennie; Hearn, Jeff und Edwards, Jeanette. 1998. Men, Gender Divisions and Welfare. London/New York: Routledge.
Scholz, Roswitha. 1992. Der Wert ist der Mann. Thesen zu Wertvergesellschaftung und Geschlechterverhältnis. Krisis 12: 19-52.
Stickler, Andreas. 2017. Geschlecht - Konkurrenz - Androzentrismus. In: Hrg. Knaut, A. Heidler, J. Wiesbaden: Springer

Zuordnung im Vorlesungsverzeichnis

VM7 / VM3

Letzte Änderung: Mi 21.04.2021 11:27