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Achtung! Das Lehrangebot ist noch nicht vollständig und wird bis Semesterbeginn laufend ergänzt.

240135 UE Guided Reading (2022S)

Das Unbehagen mit der Non-/Performativität

Prüfungsimmanente Lehrveranstaltung

Die Anmeldung zu dieser Lehrveranstaltung ist ausschließlich während der Anmeldefrist möglich - Nachmeldungen können leider nicht berücksichtigt werden. Ein Nichterscheinen zur ersten Einheit führt automatisch zur Abmeldung von der Lehrveranstaltung.

MA Gender Studies (Version 2013):
PM GIG Grundlagen interdisziplinärer Gender Studies
UE Guided Reading

MA Gender Studies (Version 2020)
PM 1 Zentrale Themen und Fragestellungen
UE Guided Reading

An/Abmeldung

Hinweis: Ihr Anmeldezeitpunkt innerhalb der Frist hat keine Auswirkungen auf die Platzvergabe (kein "first come, first served").

Details

max. 25 Teilnehmer*innen
Sprache: Deutsch

Lehrende

Termine (iCal) - nächster Termin ist mit N markiert

Montag 07.03. 15:00 - 18:15 Hörsaal 29 Hauptgebäude, 1.Stock, Stiege 7
Montag 21.03. 15:00 - 18:15 Hörsaal 29 Hauptgebäude, 1.Stock, Stiege 7
Montag 04.04. 15:00 - 18:15 Hörsaal 29 Hauptgebäude, 1.Stock, Stiege 7
Montag 02.05. 15:00 - 18:15 Hörsaal 29 Hauptgebäude, 1.Stock, Stiege 7
Montag 16.05. 15:00 - 18:15 Hörsaal 29 Hauptgebäude, 1.Stock, Stiege 7
Montag 30.05. 15:00 - 18:15 Hörsaal 29 Hauptgebäude, 1.Stock, Stiege 7
Montag 13.06. 15:00 - 18:15 Hörsaal 29 Hauptgebäude, 1.Stock, Stiege 7
Montag 27.06. 15:00 - 18:15 Hörsaal 29 Hauptgebäude, 1.Stock, Stiege 7

Information

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

INHALTE

Verweise auf Judith Butler und Geschlecht als „performativ“ durchziehen vielerorts die modernen Gender Studies wie Fettschichten den Speck und Luftblasen den Tofu. Aber was ist/tut Performativität eigentlich? Ist Geschlecht „nur konstruiert“? Wache ich in der Früh auf und entscheide mich, welches Geschlecht ich heute sein und/oder „aufführen“ mag?

In dieser Übung setzen wir uns mit dem Konzept der Performativität und seiner von Sara Ahmed entwickelten Erweiterung als Non-Performativität auseinander. Neben einer Kontextualisierung (u.a. in Bezug auf Sprechakttheorie und machtbesetzte Ein- und Ausschlüsse innerhalb der Gender Studies) beschäftigen wir uns damit, was ein Verständnis der Welt als performativ für die Verortung von Handlungsfähigkeit bedeutet und wie Non-/Performativität in unserer Auseinandersetzung mit der Welt produktiv gemacht werden kann – in Bezug auf Geschlecht und darüber hinaus.

LEHR-/LERNZUGANG

Mein Zugang zu Lehr-/Lernräumen basiert auf emanzipatorischen, queeren und Schwarzen feministischen Ansätzen (siehe etwa die Arbeiten von bell hooks, Patricia Hill Collins und Paulo Freire). Dabei geht es bei Lernen nicht darum, die „richtigen“ Antworten auf vordefinierte Fragen zu stellen, sondern sich an der gemeinsamen Entwicklung solcher Fragen zu beteiligen. (Siehe auch Urmila Goels Konzept der Fehlerfreundlichkeit.)

ARBEITSSPRACHE/-N

Die primäre Arbeitssprache der Lehrveranstaltung ist Deutsch. Alle Teilnehmenden sind herzlich eingeladen, andere Sprachen einzubringen.

Wir werden teils recht anspruchsvolle englische Texte lesen. Wo verfügbar, werde ich auch deutsche Versionen zur Verfügung stellen, das wird aber nicht immer möglich sein. Insbesondere von den Arbeiten von Judith Butler gibt es außerdem Übersetzungen in zahlreiche weitere Sprachen, die sich bei Bedarf möglicherweise auftreiben lassen.

ZUGÄNGLICHKEIT

Teilnehmende haben selbstverständlich Anspruch auf (möglichst) diskriminierungs- und barrierefreien Zugang zur Lehrveranstaltung. Ich bemühe mich, Materialien in möglichst zugänglicher Form zur Verfügung stellen und möchte alle Teilnehmenden bitten, dasselbe zu tun. Falls du bestimmte Anforderungen hast, lass mich das sehr gerne zu Beginn des Semesters wissen.

INTER, TRANS, NICHT-BINÄR

Es ist mir wichtig, dass Namen, Anreden, Pronomen etc. unkompliziert und den Wünschen ihrer Träger*innen gemäß gestaltet werden – sowohl von mir als auch von allen anderen Teilnehmenden. Ich selbst verwende geschlechtsneutrale Pronomen (z.B. they/them/their) und freue mich in E-Mails etc. über geschlechtsneutrale Anreden (zum Beispiel „Hallo“ oder „Lieb*“).

DUZEN

Ich fände es schön, dass wir einander duzen. Bitte um Nachricht, falls das für dich/Sie nicht okay ist.

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

Was ist das für 1 Lernprozess, in dem „Leistung“ „kontrolliert“ wird?

Das System der „Leistungskontrolle“ funktioniert in Form des Angebots einer Reihe an Aktivitäten, aus denen du basierend auf deinen Präferenzen und deinen Lernstilen die auswählen kannst, die für dich am besten funktionieren. Das schließt ein:

1. Teilnahme an der Lehrveranstaltung

Da die Einheiten aufeinander aufbauen und in einer Lehrveranstaltung immer auch die Entwicklung einer Gemeinschaft eine Rolle spielt, ist mir grundsätzlich regelmäßige Teilnahme wichtig. Zugleich halte ich es für wichtig, anzuerkennen, dass Teilnehmende manchmal aus verschiedensten Gründen nicht zu Einheiten kommen können. (Die Gründe reichen von Verkühlungen über chronischen Schmerzen oder psychische Belastungen bis zu einem schlichten „Ich mag heute grad echt nicht.“) Bei dieser Lehrveranstaltung besteht keine Anwesenheitspflicht, sowohl angesichts der COVID-19-Pandemie als auch als Versuch, institutionelle Zwänge abzubauen.

2. Vorbereitungspostings zu den Texten auf Moodle

Zu jeder thematischen LV-Einheit können auf Moodle Postings mit Fragen, Kommentaren, Gedanken etc. zur vorzubereitetenden Literatur verfasst werden. Diese Postings werden nicht inhaltlich bewertet.

3. Teilnahme an Vorbereitungsgruppen

Es werden Lerngruppen von jeweils ca. 5 Studierenden zusammengestellt, die über das ganze Semester bestehen bleiben. Ziel der Lerngruppen ist die gemeinsame Diskussion der vorzubereitenden Texte in einem kleinen, gleichbleibenden Rahmen. Das kann online oder offline passieren. Teil der Lerngruppen ist der Upload einer kurzen (!) Zusammenfassung eurer Diskussionen vor der jeweiligen Einheit – weniger zur „Kontrolle“, sondern mehr, damit ich diese Diskussionen gegebenenfalls in die Live-Einheiten einbeziehen kann.

4. Vorstellung und Anwendung eines theoretischen Zugangs

Ihr könnt in kleinen Gruppen einen theoretischen Zugang vertiefend vorbereiten, indem ihr diesen Zugang in einer LV-Einheit vorstellt. Diese Vorstellung sollte aus zwei Teilen bestehen: einerseits einer kurzen Zusammenfassung der Kernpunkte des entsprechenden Zugangs und andererseits der Anwendung dieses Zugangs auf ein Beispiel eurer Wahl.

5. Abschlussprojekt

Das Abschlussprojekt bietet Platz und Möglichkeit für eine weitergehende Beschäftigung mit einem Thema, das in der Lehrveranstaltung behandelt wurde. Während es möglich ist, eine kurze wissenschaftliche Arbeit zu verfassen, möchte ich alle Teilnehmenden ermutigen, mit verschiedenen Zugängen und Fähigkeiten zu experimentieren und das Medium für das Abschlussprojekt frei zu wählen.

For legal reasons müssen die Leistungen zur Lehrveranstaltung den wissenschaftlichen Kriterien des Faches entsprechen. ¯\(°_o)/¯

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

Das Punktesystem ist so strukturiert, dass 3 bis 4 der Aktivitäten (siehe oben) für ein „Sehr gut“ ausreichen. Kein*e Teilnehmende*r muss/soll alle Aktivitäten machen!

Die Aktivitäten 1–3 werden nicht inhaltlich beurteilt; bei Aktivitäten 4 und 5 ergibt sich die Note aus der Kombination aus eurer Selbsteinschätzung und meiner Einschätzung.

Ihr erhaltet vor LV-Beginn ein Handout mit Details zu den verschiedenen möglichen Aktivitäten.

Prüfungsstoff

For legal reasons umfasst der Prüfungsstoff alle in der Lehrveranstaltung durchgenommenen Inhalte. (Was auch immer das heißen mag.)

Literatur

Unter anderem relevant (wir werden aber natürlich nicht das alles lesen):

- Ahmed, Sara. 2004. “Declarations of Whiteness: The Non-Performativity of Anti-Racism.” Borderlands 3 (2).
- Ahmed, Sara. 2006. “The Nonperformativity of Antiracism.” Meridians 7 (1): 104–26.
- Ahmed, Sara. 2012. On Being Included: Racism and Diversity in Institutional Life. Duke University Press.
- Ahmed, Sara. 2014. The Cultural Politics of Emotion. 2nd ed. Edinburgh: Edinburgh University Press.
- Ahmed, Sara. 2017. Living a Feminist Life. Durham & London: Duke University Press.
- Austin, J. L. 1962. How to Do Things with Words. Oxford: Oxford University Press.
- Barad, Karen. 2003. “Posthumanist Performativity: Toward an Understanding of How Matter Comes to Matter.” Signs: Journal of Women in Culture and Society 28 (3): 801–31.
- Brickell, Chris. 2003. “Performativity or Performance? Clarifications in the Sociology of Gender.” New Zealand Sociology 18 (2): 158–78.
- Butler, Judith. 1990. Gender Trouble. London and New York: Routledge.
- Butler, Judith. 1993. Bodies That Matter. London and New York: Routledge.
- Butler, Judith. 1997. Excitable Speech: A Politics of the Performative. New York: Routledge.
- Butler, Judith. 2010. “Performative Agency.” Journal of Cultural Economy 3 (2): 147–61.
- Callon, Michel. 2010. “Performativity, Misfires and Politics.” Journal of Cultural Economy 3 (2): 163–69.
- Ehlers, Nadine. 2006. “‘Black Is’ and ‘Black Ain’t’: Performative Revisions of Racial ‘Crisis.’” Culture, Theory and Critique 47 (2): 149–63.
- En, Boka. 2020. “Categorisation and Recognition: Musings on Misfitting and Misunderstanding.” In Truths, Trust and Translation: A Festschrift, Love Letter and Thank You to Michèle Cooke, edited by Michael En. Peter Lang.
- En, Boka, and David En-Griffiths. 2022. “Power as Usual? Intersectionality, Performativity, and BDSM in the West.” In Handbuch Intersektionalitätsforschung, edited by Astrid Biele Mefebue, Andrea D Bührmann, and Sabine Grenz. Wiesbaden: Springer VS.
- Enke, A. Finn. 2013. “The Education of Little Cis: Cisgender and the Discipline of Opposing Bodies.” In The Transgender Studies Reader, Vol. 2, edited by Susan Stryker and Aren Z. Aizura. New York and Oxon: Routledge.
- Fausto-Sterling, Anne. 2000. Sexing the Body: Gender Politics and the Construction of Sexuality. New York: Basic Books.
- Garland-Thomson, Rosemarie. 2011. “Misfits: A Feminist Materialist Disability Concept.” Hypatia 26 (3): 591–609.
- Laz, Cheryl. 1998. “Act Your Age!” Sociological Forum 13 (1): 85–113.
- Hark, Sabine. 2005. Dissidente Partizipation: Eine Diskursgeschichte Des Feminismus. Frankfurt am Main: Suhrkamp.
- Hemmings, Clare. 2011. Why Stories Matter: The Political Grammar of Feminist Theory. Durham & London: Duke University Press.
- Johnson, E. Patrick. 2003. Appropriating Blackness: Performance and the Politics of Authenticity. Durham & London: Duke University Press.
- Muñoz, José Esteban. 1999. Disidentifications: Queers of Color and the Performance of Politics. Minneapolis/London: University of Minnesota Press.
- Mol, Annemarie. 1998. “Ontological Politics. A Word and Some Questions.” Sociological Review 46 (5): 74–89.
- Namaste, Viviane. 2000. Invisible Lives: The Erasure of Transsexual and Transgendered People. Chicago of University Press.
- Sedgwick, Eve Kosofsky. 2003. Touching Feeling: Affect, Pedagogy, Performativity. Durham & London: Duke University Press.
- Tate, Shirley Anne. 2007. “Black Beauty: Shade, Hair and Anti-Racist Aesthetics.” Ethnic and Racial Studies 30 (2): 300–319.
- Tate, Shirley Anne. 2005. Black Skin, Black Masks: Hybridity, Dialogism, Performativity. London / New York: Routledge.

Zuordnung im Vorlesungsverzeichnis

Letzte Änderung: Do 03.03.2022 15:48