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100231 VO Lecture course: Modern German Literature (2021S)

Ernst-Jandl-Dozentur für Poetik: Franzobel

4.00 ECTS (2.00 SWS), SPL 10 - Deutsche Philologie
Mo 08.03. 18:30-20:00 Digital

Registration/Deregistration

Details

Language: German

Lecturers

Classes (iCal) - next class is marked with N

unter Vorbehalt der Möglichkeit der Umstellung des LV-Modus auf Hybrid/Präsenz ab 1. Mai 2021.

Monday 15.03. 18:30 - 20:00 Digital
Monday 22.03. 18:30 - 20:00 Digital
Monday 12.04. 18:30 - 20:00 Digital
Monday 19.04. 18:30 - 20:00 Digital
Monday 26.04. 18:30 - 20:00 Digital
Monday 03.05. 18:30 - 20:00 Hörsaal D Unicampus Hof 10 Hirnforschungzentrum Spitalgasse 4
Monday 10.05. 18:30 - 20:00 Hörsaal D Unicampus Hof 10 Hirnforschungzentrum Spitalgasse 4
Monday 17.05. 18:30 - 20:00 Hörsaal D Unicampus Hof 10 Hirnforschungzentrum Spitalgasse 4
Monday 31.05. 18:30 - 20:00 Hörsaal D Unicampus Hof 10 Hirnforschungzentrum Spitalgasse 4
Monday 07.06. 18:30 - 20:00 Hörsaal D Unicampus Hof 10 Hirnforschungzentrum Spitalgasse 4
Monday 14.06. 18:30 - 20:00 Hörsaal D Unicampus Hof 10 Hirnforschungzentrum Spitalgasse 4
Monday 21.06. 18:30 - 20:00 Hörsaal D Unicampus Hof 10 Hirnforschungzentrum Spitalgasse 4
Monday 28.06. 18:30 - 20:00 Hörsaal D Unicampus Hof 10 Hirnforschungzentrum Spitalgasse 4

Information

Aims, contents and method of the course

Das Verhältnis von Norm und Abweichung ist in vielen historisch wie systematisch relevanten Konzeptionen als ein grundlegendes Modell der ästhetischen Verfasstheit und Wirkungsweise von literarischen Texten betrachtet worden. Ganz allgemein versteht man darunter, dass literarische Texte von sprachlichen Normen abweichen und ihr ästhetisches Potenzial aus dieser Abweichung herrührt. So verbreitet wie die Konzeption ist auch die Kritik daran, literarische Texte im Rahmen einer „Abweichungspoetik“ zu lesen.
In der Vorlesung sollen pointiert ausgewählte Aspekte des Verhältnisses von „Norm und Abweichung“ theoretisch beleuchtet werden, zumeist mit Blick auf darstellungsästhetische und rezeptionsästhetische Aspekte. Auf der Darstellungsebene steht dabei vor allem das auf den Russischen Formalismus zurückgehende Konzept der Verfremdung/Desautomatisierung (ostranenie im russischen Original, wirkmächtig als estrangement in der englischsprachigen theoretischen Literatur) im Vordergrund, also die Vorstellung, dass bestimmte Elemente und Passagen in literarischen Texten von der Alltagssprache aber auch von gewohnten Mustern, wie z.B. gattungsspezifisch und historisch motivierten Erwartungen an die Textgestalt, abweichen. Auf rezeptionsästhetischer Ebene ist es vor allem eine gegenwärtige psychologische Befragung der Textverarbeitung, die als „foregrounding“, also das gestalttheoretisch fundierte Verhältnis von Figur (Abweichung) und Hintergrund (Norm), mit den Mitteln der empirischen Forschung, z.B. einer „numerically aided phenomenology“, auf individualpsychologischer Ebene untersucht wird. Ein sozialpsychologischer Ansatz wiederum geht davon aus, dass „Literarizität“ nicht ein Merkmal des Texts ist, sondern ein Phänomen des Diskurses mit und über Literatur. Den Stärken und Schwächen der jeweiligen Modelle und Methoden sollen mit Blick auf das Verhältnis von „Norm und Abweichung“ nachgegangen werden.
In produktionsästhetischer Perspektive, die auf die Intention der Autor*innen fokussiert, kann der Normbruch ebenfalls als ein mehrfacher betrachtet werden. Autor*innen können mit den Gegenständen und Stoffen, die sie in ihren Texten modellieren, qua Regelbruch provozieren, z.B. indem sie gegen je in einer Epoche gültige Ideologien verstoßen. Sie können aber auch auf formaler Ebene revoltieren und etwa gegen implizite Formdogmen einer literarischen Schule bewusst verstoßen. Aber auch eine kritische Relation der Sprache von Autor*innen zu Geboten der so genannten „political correctness“ soll in der Semestervorlesung aus theoretischer Hinsicht dargestellt werden. Dazu wird vor allem der Ernst-Jandl-Dozent, der Schriftsteller Franzobel, in seinen beiden Vorträgen sprechen.

Als Textcorpus kommen neben den Romanen, Prosastücken und dramatischen Texten und Essays von Franzobel vor allem literarische Werke in den Blick, anhand deren das Verhältnis von „Norm und Abweichung“ augenfällig wird. (Literatur der Avantgarde und der Neo-Avantgarde, politisches und postdramatisches Theater etc.)

Der Schriftsteller Franzobel wird im Rahmen der Semestervorlesung zwei Poetikvorlesungen zu Norm und Abweichung halten. Dabei wird er auf die Möglichkeiten zu sprechen kommen, wie mit Stoffen/Inhalten und formal gegen Regeln in ästhetischer Hinsicht, aber auch gehen die Konventionen des literarischen Lebens und des Betriebs heute und in den letzten 30 Jahren verstoßen werden kann. Franzobel zählt seit seinen frühesten, noch eher der experimentellen Literatur nahestehenden Texten (z.B. „Die Krautflut“, 1995) mit seinen großen Romanen und seinen dramatischen Teten zu den meistdiskutierten österreichischen Gegenwartsautor*innen. Seine Intervention in reale sozialpolitische Debatten (z.B. sein Plan, Arigona Zogaj auf den Opernball einzuladen) ist in diesem Zusammenhang zu nennen, aber auch seine umfassend die Personen einer Region einbindenden Theaterstücke („hunt“ und „zipf“ im Kohlebrecher Wolfsegg, 2005/06) als eine aktuelle Version des „radikalen Volkstheaters“.

Assessment and permitted materials

Mündliche Prüfungen (online oder live) in der letzten Einheit; weitere Prüfungen in den Folgesemestern

Minimum requirements and assessment criteria

Textkenntnis; theoretische Durchdringung und Anwendung auf die vorgestellten Texte

Examination topics

gesamte LV, inkl. der beiden Poetik-Vorlesungen von Franzobel und der mit dem Autor im Rahmen des Konversatoriums (15.6.) diskutierten Inhalte

Reading list

wird in der Vorlesung bekanntgegeben und großteils via Moodle bereitgestellt

Association in the course directory

Last modified: Sa 06.02.2021 11:48