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180026 SE Philosophical Anthropology and Ontology (2013W)

General science of man in the field of theoretical philosophy

5.00 ECTS (2.00 SWS), SPL 18 - Philosophie
Continuous assessment of course work

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Details

max. 45 participants
Language: German

Lecturers

Classes (iCal) - next class is marked with N

Thursday 10.10. 10:30 - 12:00 Hörsaal 3E NIG 3.Stock
Thursday 17.10. 10:30 - 12:00 Hörsaal 3E NIG 3.Stock
Thursday 24.10. 10:30 - 12:00 Hörsaal 3E NIG 3.Stock
Thursday 31.10. 10:30 - 12:00 Hörsaal 3E NIG 3.Stock
Thursday 07.11. 10:30 - 12:00 Hörsaal 3E NIG 3.Stock
Thursday 14.11. 10:30 - 12:00 Hörsaal 3E NIG 3.Stock
Thursday 21.11. 10:30 - 12:00 Hörsaal 3E NIG 3.Stock
Thursday 28.11. 10:30 - 12:00 Hörsaal 3E NIG 3.Stock
Thursday 05.12. 10:30 - 12:00 Hörsaal 3E NIG 3.Stock
Thursday 12.12. 10:30 - 12:00 Hörsaal 3E NIG 3.Stock
Thursday 09.01. 10:30 - 12:00 Hörsaal 3E NIG 3.Stock
Thursday 16.01. 10:30 - 12:00 Hörsaal 3E NIG 3.Stock
Thursday 23.01. 10:30 - 12:00 Hörsaal 3E NIG 3.Stock
Thursday 30.01. 10:30 - 12:00 Hörsaal 3E NIG 3.Stock

Information

Aims, contents and method of the course

Allgemeinwissenschaftlich konzipierten Modellen westlich europäischer Philosophie zufolge lassen sich Menschen von vornherein als kognitiv und praktisch organisierte, mit Vernunft und Geist ausgestattete Lebewesen begreifen. Die aus der griechischen Antike in die Gegenwart heraufgeführte Menschenfrage bewegt sich von vornherein zwischen zwei philosophiegeschichtlich verflochtenen Theoriesträngen allgemeinwissenschaftlichen Denkens: der klassischen Ontologie bzw. Metaphysik im Sinne der Frage nach dem Denken des Seins einerseits, sowie der damit verbundenen Frage nach der in das Sein eingeschriebenen anthropologischen Verfassung und dem aus ihr folgenden Menschenbegriff andererseits. Was der Mensch ist, lässt sich letztendlich, prozesslogisch betrachtet, als Resultat eines in sich natural, sozial und mental differenzierten Seins begreifen. Sein als entwicklungslogisch begreifbares Werden - Menschsein als Werden zur Freiheit eines Geist bildenden Lebewesens. Vor diesem sich zwischen Heraklit, Aristoteles und Hegel aufspannenden Hintergrund lässt sich die Philosophische Anthropologie von H.Plessner in Verbindung mit der Ontologie von J. König mit Blick auf Kant, Hegel und Heidegger als seinsdynamisch fundierte Allgemeinwissenschaft verstehen. Die philosophiegeschichtlichen Antagonisten Heidegger und Plessner können in diesem Zusammenhang als Vermittler zwischen Kant und Hegel verstanden werden. Vor allem darauf sollte in diesem Seminar der Blick gerichtet werden.

Aus gängiger Sicht erweckt Kant den Eindruck einer strikten Zurückweisung der für ihn das Übersinnliche berührenden, in die Metaphysik eingeschriebenen Ontologie. Indes konvergiert für Heidegger gerade das von Kant betonte, vernunftgeleitete Verstandesdenken unausweichlich auf die Frage nach dem Sein, wie etwa beim voraussetzungsdialektischen Einstieg in die Seinslogik Hegels. Ausgehend vom Gedanken der apriorischen Synthesis entwickelt daher Heidegger seine fundamentalontologische Deutung der Kritik der reinen Vernunft als Grundlegung der Metaphysik im Sinne einer Enthüllung des Wesens der Ontologie. Diese vollendet sich seiner Auffassung nach bei Kant dank der transzendentalen Einbildungskraft im Rahmen des Schematismus der reinen Verstandesbegriffe in Richtung der Grundlegung einer Metaphysica generalis. Heidegger betont in diesem Zusammenhang die Heimatlosigkeit der die verborgene kantische Ontologie stützenden Einbildungskraft. Deren Vermögen, Gegenstände ohne deren Anwesendheit anschaulich vorstellen zu können, verweist dabei gleichzeitig auf die endliche, sich in der Zuwendung zu Objekten bildende Subjektivität. In sprachlogischer Hinsicht könnte damit unter anderem auch der späte Wittgenstein angesprochen werden.

Vor allem aber offenbart sich vor diesem Hintergrund der von Plessner hervorgebrachte Gedanke einer über Stufen des Organischen vermittelten, exzentrischen Positionalität als Quelle von Verstand und Vernunft. Mit dem Einsatz der Ontologie Josef Königs kann diese exzentrisch positionierte, gegenständlich gebildete und zugleich vernunftgeleitete Verstandesorganisation kantischer Prägung in die Position einer allgemeinen Seinstheorie gebracht werden: Sein-Denken als exzentrisch positioniertes, seine Ursache denkendes Denken. Im Lichte der von Heidegger vollzogenen, ontologischen Deutung Kants und der aus der Vermittlung zwischen Plessner und König resultierenden, prozesslogisch explizierbaren Konzeption des seine Ursache denkenden Denkens lässt sich das voraussetzungsdialektisch eröffnete Seinsproblem bei Hegel als Weiterführung der ursprünglichen Synthesis bei Kant im Rahmen einer philosophisch-anthropologisch ausgeführten, transzendentaldialektisch argumentierbaren Ontologie als basale Theorie des Selbstunterschieds des Seins darstellen.

Assessment and permitted materials

Referat plus individuelle Seminararbeit

Minimum requirements and assessment criteria

Erarbeitung einer philosophisch-anthropologisch, jedoch nicht anthropisch geführten Vermittlung zwischen Kant und Hegel mit Blick auf einen ontologisch begründbaren Menschenbegriff

Examination topics

Erweiterte Themeneinführung durch den Lehrveranstaltungsleiter, Referate (einzeln oder in Kleingruppen) und schriftliche Seminararbeiten (einzeln)

Reading list

Kant, I.: Kritik der reinen Vernunft
Hegel, G.W.F.: Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften
(Erste und zweite Stellung des Gedankens zur Objektivität)
Hegel, G.W.F.: Wissenschaft der Logik, Erstes Buch Die Lehre vom Sein
Hegel, G.W.F.: Phänomenologie des Geistes, Vorrede, Einleitung,
A. Bewusstsein, B. Selbstbewusstsein
Heidegger, M.: Was ist Metaphysik ?
Heidegger, M.: Über den Humanismus
Heidegger, M.: Kant und das Problem der Metaphysik
Strawson, P.F.: Die Grenzen des Sinns. Ein Kommentar zu Kants Kritik
der reinen Vernunft, F.a.M. 1992
Kok, A.: Kant, Hegel und die Frage der Metaphysik, München 2013
Rhemann, J.: Ursprüngliche Synthesis und Voraussetzungsdialektik. Probleme der
Methodenbegründung bei Kant und Hegel, in: Wiener Jahrbuch für
Philosophie Bd. XI (1978)
Rhemann, J.: Menschsein als Prozess, in: Ph. Schmidt/A. Weiberg (Hrsg.): Einheit und
Vielfalt der Gegenwartsphilosophie, Wien 2012
Rhemann, J.: Wie lernen wir, fremde Absichten zu deuten ? In: DZPh 56 (2008) 3
Holz, H.H.: Mensch-Natur. Helmuth Plessner und das Konzept einer dialektischen
Anthropologie, Bielefeld 2003
Plessner, H.: Elemente der Metaphysik. Eine Vorlesung aus dem Wintersemester 1931/32.
Hrsg.v. H.-U. Lessing, Berlin 2002
Plessner, H.: Die Einheit der Sinne. Grundlinien einer Ästhesiologie des Geistes
Plessner, H.: Die Stufen des Organischen und der Mensch
König, J.: Sein und Denken. Studien im Grenzgebiet von Logik, Ontologie und
Sprachphilosophie, Tübingen 1969
Wittgenstein, L: Philosophische Untersuchungen
Gebauer, G.: Wittgensteins anthropologisches Denken, München 2009
Welsch, W.: Immer nur der Mensch ? Entwürfe zu einer anderen Anthropologie, Berlin 2011
Welsch, W.: Mensch und Welt.Eine evolutionäre Perspektive der Philosophie, München 2012


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BA M 5.2, PP 57.3.2

Last modified: Mo 07.09.2020 15:36