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140076 SE Aspekte von Nationalismen: Afrika im globalen Vergleich (2018W)

Prüfungsimmanente Lehrveranstaltung

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Details

max. 25 Teilnehmer*innen
Sprache: Deutsch

Lehrende

Termine (iCal) - nächster Termin ist mit N markiert

Freitag 12.10. 09:00 - 11:00 Inst. f. Afrikawissenschaften, Seminarraum 3 UniCampus Hof 5 2M-O1-12
Freitag 19.10. 09:00 - 11:00 Inst. f. Afrikawissenschaften, Seminarraum 3 UniCampus Hof 5 2M-O1-12
Freitag 09.11. 09:00 - 11:00 Inst. f. Afrikawissenschaften, Seminarraum 3 UniCampus Hof 5 2M-O1-12
Freitag 16.11. 09:00 - 11:00 Inst. f. Afrikawissenschaften, Seminarraum 3 UniCampus Hof 5 2M-O1-12
Freitag 23.11. 09:00 - 11:00 Inst. f. Afrikawissenschaften, Seminarraum 3 UniCampus Hof 5 2M-O1-12
Freitag 30.11. 09:00 - 11:00 Inst. f. Afrikawissenschaften, Seminarraum 3 UniCampus Hof 5 2M-O1-12
Freitag 07.12. 09:00 - 11:00 Inst. f. Afrikawissenschaften, Seminarraum 3 UniCampus Hof 5 2M-O1-12
Freitag 14.12. 09:00 - 11:00 Inst. f. Afrikawissenschaften, Seminarraum 3 UniCampus Hof 5 2M-O1-12
Freitag 11.01. 09:00 - 11:00 Inst. f. Afrikawissenschaften, Seminarraum 3 UniCampus Hof 5 2M-O1-12
Freitag 18.01. 09:00 - 11:00 Inst. f. Afrikawissenschaften, Seminarraum 3 UniCampus Hof 5 2M-O1-12
Freitag 25.01. 09:00 - 11:00 Inst. f. Afrikawissenschaften, Seminarraum 3 UniCampus Hof 5 2M-O1-12

Information

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

Vor mehr als sechzig Jahren, im Jahr 1957 eröffnete Basil Davidson seine Besprechung des Buches »Nationalism in Colonial Africa« in Worten, die heute kaum weniger zeitgemäß klingen, nämlich folgendermaßen:

»Nationalism has had a bad press in recent years; and with reason. The intellectuals of the Thirties had good reason to distrust it. Didn`t Franco invade and crush the Spanish Republic in the baleful name of ‛the national idea’? Wasn`t nationalism the last-ditch defence of a world which clung to the old categories of bourgeois thought, and refuse to overleap its quarrels and unite? We saw the League of Nations driven headlong on the rocks of fascism and war: we saw the dictators, one by one, fish out their silly sodden symbolism of ‛young nations’ and ‛old nations’, and go about to smash half the world for this or that nationalist lunacy.

Who could foresee that nationalism would become a rallying cry, in the Fifties, for untold millions of people in the colonial world?«

(in: Universities & Left Review, 1/1, 1957:72)

Es ist gut, sich daran zu erinnern, dass die Ideologie des Nationalismus, die seit dem 19. Jahrhundert in verschiedenen Regionen der Welt Auftrieb erhielt, und seit dem frühen 20. Jahrhundert in Form von Nationalstaatlichkeit und Selbstbestimmungsrecht der Völker zur weltpolitischen Leitidee wurde, nach den Grauen des Zweiten Weltkriegs vielerorts für völlig diskreditiert gehalten wurde. Aus guten Gründen, und daher völlig zu Recht. Allerdings ist schon für die damalige Zeit zu bemerken, dass nicht alle in Europa und den USA, wo der Nationalismus schon lange jedes gesellschaftsemanzipatorische Potential verloren hatte, sich von nationalistischer Rhetorik und Denkweise freizumachen willens waren; zu bequem und zu realpolitisch nützlich erwies sich der Rückgriff auf nationalistische Rechtfertigungen für eigenes machtpolitisches Streben, als dass hegemoniale Akteure darauf zu verzichten bereit gewesen wären.

Hinzu tritt die Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen: Unter kolonialen Bedingungen und im Zeitalter der Dekolonisation formierte sich der Widerstand der Kolonisierten als antikoloniale Bewegung im Zeichen nationaler Zusammengehörigkeit, unter Nutzung nationalistischer Sprache. Anders gesagt, angesichts der herrschenden kolonialen Situation Mitte des 20. Jahrhunderts hatte der Nationalismus hier, in Asien und Afrika, ein ausgeprägtes emanzipatorisches Potential.

Obwohl sich Nationalismus einigermaßen adäquat definieren und strukturgeschichtlich-phänomenologisch klassifizieren lässt (besonders im Rückgriff auf die gebündelten Lesarten aus dem Jahr 1983: Imagined Communities, The Invention of Tradition, Nations and Nationalism), ist aus historischer und arealwissenschaftlicher Perspektive die Vielfalt und verschiedenartige Bandbreite nationalistischen Denkens und Agierens von zentraler Bedeutung und unhintergehbarer Relevanz. Es gilt darum Nationalismus im Plural zu denken und anzuschauen.

Das Seminar ermöglicht es, Nationalismen vergleichend zu untersuchen. Je nach regionalen Interessen steht es Studierenden frei, hier ihren eigenen Schwerpunkt zu setzen. Für vorgegebenen Fokus sorgt zum einen meine Schwerpunktsetzung auf Afrika, die in den einführenden Einheiten deutlich werden wird, zum anderen die erwünschte biographiegeschichtliche Annäherung an die eigene Forschungsarbeit durch Nutzung der Autobiographie/ Biographie von einem der vier maßgeblichen neueren ‛Nationalismustheoretiker’: Benedict Anderson, Eric Hobsbawm, Terence Ranger, Ernest Gellner.

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

Engagierte Mitarbeit;
Mündliche Konzept- und Themenpräsentation plus Handout;
Mündliche Kritik eines vorgetragenen Konzepts: Diskutantenrolle;
Schriftliche Ausarbeitung einer Seminararbeit

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

Erfüllung der definierten zu erbringenden Teilleistungen

Prüfungsstoff

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Literatur

Hobsbawm, Eric / Ranger, Terence (Hg., 1983): The Invention of Tradition. Cambridge et al.: Cambridge University Press.

Anderson, Benedict (1983): Imagined Communities. London: Verso = (1998): Die Erfindung der Nation: Zur Karriere eines folgenreichen Konzepts. Berlin: Ullstein.

Gellner, Ernest (1983): Nations and Nationalism. Oxford: basil Blackwell. = (1995): Nationalismus und Moderne. Hamburg: Rotbuch.

Hobsbawm, Eric (1990): Nations and Nationalism since 1780: Programme, Myth, Reality. Cambridge et al.: Cambridge University Press. = (1998): Nationaen und Nationalismus: Mythos und Realität seit 1780. München: Deutscher Taschenbuchverlag.

Anderson, Benedict (2016): A Life Beyond Boundaries. London, New York: Verso.

Hall, John A. (2010): Ernest Gellner: an Intellectual Biography. London, New York: Verso.

Hobsbawm, Eric (2003 [2002]): Interesting Times: A Twentieth-Century Life. London: Abacus. = (2003): Gefährliche Zeiten: Ein Leben im 20. Jahrhundert. München: Hanser.

Ranger, Terence (2013): Writing Revolt: An Engagement with African Nationalism 1957-67. Woodbridge: James Currey/ Harare: Weaver Press.

Zuordnung im Vorlesungsverzeichnis

SAG.SE.1, SAG.SE.2
IE: VM5; VM6

Letzte Änderung: Mo 07.09.2020 15:34